KI-Prognosemodell schätzt Komplikationsrisiko nach Nierentransplantation

FAU-Forschende entwickeln ethische Leitlinien für GeGe4Nephro (Bild: Panchenko Vladimir/shutterstock)

FAU-Forschende entwickeln ethische Leitlinien für GeGe4Nephro

Damit Ärztinnen und Ärzte zukünftig das individuelle Risiko für Komplikationen nach einer Nierentransplantation besser einschätzen können, arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Forschungsprojekt GeGe4Nephro an der Entwicklung eines KI-gestützten Prognosemodells. Der Lehrstuhl für Systematische Theologie II (Ethik) an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ist dafür verantwortlich, dass ethische Überlegungen berücksichtigt werden. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) fördert das Vorhaben für initial drei Jahre mit rund 1,5 Millionen Euro im Rahmen der Förderrichtlinie „Interaktive Technologien für eine geschlechtsspezifische Gesundheit“ (GeGe).

In Deutschland leben etwa 100.000 Menschen mit chronischer Nierenerkrankung, die regelmäßige Dialyse und perspektivisch eine Organtransplantation benötigen. Nach erfolgter Transplantation ist weiterhin erhöhte Aufmerksamkeit geboten, da die Empfängerinnen und Empfänger einer neuen Niere unter Umständen mit Komplikationen nach der Transplantation rechnen müssen. Zudem ist ihr Risiko, an Krebs zu erkranken, höher als bei Nichtbetroffenen.

Das von GeGe4Nephro entwickelt Prognosemodell soll Medizinerinnen und Medizinern dabei helfen, die Wahrscheinlichkeit solcher Risiken genauso wie die Notwendigkeit personalisierter Präventionsmaßnahmen, z.B. Hautkrebs-Screenings, besser zu erkennen. Das Forschungsteam erarbeitet dazu einen interaktiven Demonstrator, sprich: eine frühe, bereits nutzbare Version des KI-gestützten Prognosemodells, die im klinischen Alltag getestet wird. Die Rückmeldungen aus dieser Erprobung fließen direkt in die Weiterentwicklung ein, bevor das System langfristig in die Routineversorgung überführt werden soll.

Geschlechtsspezifische Unterschiede in Diagnose, Therapie und Nachsorge

Ein wichtiger Aspekt des Forschungsprojekts ist die Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Unterschiede bei Diagnose, Therapie und Nachsorge. Frauen haben beispielsweise eine bis zu 20 Prozent geringere Chance, auf die Warteliste für eine Spenderniere zu gelangen, trotz vergleichbarer oder besserer Prognose nach Transplantation als bei Männern.

Das Team vom Lehrstuhl für Systematische Theologie II (Ethik) der FAU befasst sich mit der Frage, wie sich KI-Prognosemodelle so gestalten lassen, dass sie fair, geschlechtersensibel und verantwortungsvoll sind. „Ein Prognosemodell, das geschlechtsspezifische Risiken nach einer Nierentransplantation quantifiziert, nimmt direkten Einfluss auf klinische Entscheidungen. Umso wichtiger sind verlässliche ethische Leitplanken: Wie stellen wir sicher, dass KI-Empfehlungen den Situationen und Bedürfnissen von Patientinnen und Patienten wirklich gerecht werden? Und wie verhindern wir, dass geschlechtsspezifische Verzerrungen unbemerkt in das Modell einfließen? Nur wenn wir solche Fragen konsequent mitdenken, entsteht ein Instrument, das medizinisch überzeugt und zugleich zu einer gerechteren Versorgung beiträgt“, erklärt Max Tretter.

Ziel ist es, mithilfe hermeneutischer, empirischer und normativer Forschung Leitlinien zu entwickeln, die sicherstellen, dass ethische Überlegungen von Anfang an Teil der technischen Entwicklung und klinischen Anwendung sind – ganz im Sinne eines modernen „Embedded Ethics“-Ansatzes, bei dem ethische Expertise kontinuierlich in Entwicklungsprozesse eingebunden wird. So will GeGe4Nephro ein innovatives Werkzeug für geschlechtergerechte, datenbasierte Medizin schaffen, welches die Nachsorge von Nierentransplantierten nachhaltig optimiert.

Über GeGe4Nephro

Neben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der FAU wirken im GeGe4Nephro-Forschungsteam Expertinnen und Experten der Charité – Universitätsmedizin Berlin (CHA), des Universitätsklinikums Leipzig (UKL) des Hasso-Plattner-Instituts für Digital Engineering (HPI) sowie der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und die Labor Pachmann GmbH mit. Darüber hinaus verfügt das Konsortium über ein Netzwerk internationaler Partner bestehend aus Patienten- und Arztvertretungen, Transplantationszentren, Forschung und Industrie.

Weitere Informationen:

Dr. Max Tretter
Lehrstuhl für Systematische Theologie II (Ethik)
max.tretter@fau.de