FAU-Lehrende tauschen sich zu Best-Practice-Beispielen aus der Lehre aus
Am „Nachmittag der innovativen Lehre“ haben Dozierende unterschiedlicher Fächer und Einrichtungen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) einen Einblick in aktuelle Lehrprojekte gegeben und vorgestellt wie sie neue Wege im Lernen und Lehren erproben.
Lehrpreisträgerinnen der letzten beiden Jahre, Verantwortliche für erfolgreiche Projekte im Innovationsfonds Lehre der FAU, engagierte Lehrende sowie Akteurinnen aus zentralen FAU-Einrichtungen haben zusammen mit der Vizepräsidentin Education, Prof. Dr. Andrea Bréard, Erfahrungen geteilt und Ideen weiterentwickelt. Neben Kurzvorstellungen einzelner Projekte stand vor allem der Austausch im Mittelpunkt.

Prof. Dr. Andrea Bréard (Vizepräsidentin Education)
„Innovative Lehre entsteht dort, wo engagierte Menschen mutig neue Wege erproben. Viele der Projekte beim ‚Nachmittag der innovativen Lehre‘ wurden durch den Innovationsfonds ermöglicht, der seit 2016 fakultätsübergreifend unterstützt. Mir ist wichtig, dass Lehrende Freiräume erhalten, um Ideen auszuprobieren. Die hohe Qualität der eingereichten Projekte zeigt in jedem Jahrgang, wie stark sich die Lehre an der FAU entwickelt. Entscheidend ist dabei, dass wir flexibel bleiben und gemeinsam Lernräume schaffen, in denen Kreativität, Umsetzungsfreude und Austausch selbstverständlich sind. Vor allem müssen wir die Erfolge, die daraus entstanden sind, sichtbar und übertragbar machen. Genau das ist beim ‚Nachmittag der innovativen Lehre‘ unter anderem ein Hauptziel.“
Dr. Saskia Schimmel (Lehrstuhl für Elektronische Bauelemente) – Projekt „KI-Funken“
„Wir möchten Studierende im Projekt KI-FUNKEN befähigen, KI nicht als Bedrohung zu sehen, sondern sie reflektiert und produktiv einzusetzen. Unser Lernlabor verbindet fachliche Inhalte aus der Halbleitertechnologie mit interaktiven Formaten, die schrittweise an verschiedene KI-Methoden heranführen. So können fachspezifische Vorkenntnisse genutzt werden, um Fallstricke der KI-Nutzung zu erkennen. Zugleich wird ein neuer Lernzugang zum Vorlesungsstoff geschaffen und die Hemmschwelle gesenkt, sich Grundkenntnisse in der Programmierung anzueignen. Wichtig ist uns, Orientierung zu geben und Fehlermöglichkeiten transparent zu machen. Innovative Lehre braucht klare Strukturen, Begleitung und Angebote, die sich dynamisch weiterentwickeln.“


Elisabeth Krauß (FAU Kompetenzzentrum Lehre)
„Mit Good Practice-Reihen, die wir im FAU Kompetenzzentrum Lehre sammeln, möchten wir Erfahrungen aus der Lehre sichtbar machen und als Blaupause für andere Lehrende zugänglich machen. Über 80 Szenarien aus allen Fachbereichen bilden inzwischen ein wachsendes Archiv digitaler und innovativer Konzepte. Daneben haben wir Video-Porträts von Projekten, die einen persönlichen Zugang bieten und authentisch zeigen, wie Lehre gestaltet werden kann. Unser Ziel ist, Entwicklungen über die Jahre zu dokumentieren und Lehrenden eine Plattform zu geben, ihre Expertise zu teilen. Vielleicht finden sie hier auch Inspiration für neue Formate.“
Dr. Max Tretter (Lehrstuhl für Systematische Theologie II) – Projekt „Fake Competencies“
„Deepfakes sind längst Teil unseres Alltags – und sie fordern unseren Umgang mit Medien heraus. Deshalb brauchen Studierend, die künftig etwa in Schule, Medien oder Kirche arbeiten, Kompetenzen, um solche Fälschungen zu erkennen, einzuordnen und ihre Risiken zu verstehen. Genau dort setzt unser Seminar Fake Competencies an: Wir vermitteln technisches Grundlagenwissen zum Thema, experimentieren selbst mit generativen KI-Tools und diskutieren die gesellschaftlichen Folgen von Deepfakes. Die Studierenden entwickeln dabei ein kritisches Bewusstsein – und geben ihr Wissen weiter, indem sie eine eigene Ausstellung gestalten. Für mich zeigt das Projekt, wie praxisnahe Lehre Orientierung stiftet und Urteilsfähigkeit stärkt.“


Madlen Geidel (Lehrstuhl für Medienkommunikation, Medienethik und Digitale Theologie) – Projekt „XXR Ethics“
„Erfahrungen mit Virtual-Reality-Brillen eröffnen beeindruckende Möglichkeiten, beispielsweise für den Journalismus. Sie werfen zugleich zentrale ethische Fragen auf. In unserem Seminar wollten wir nicht nur über immersive Medien sprechen, sondern sie erlebbar machen. Die Studierenden probierten daher viele Anwendungen selbst aus, reflektierten ihre Erfahrungen und diskutierten kritisch über Themen wie Aneignung und Rassismus, Empathie oder Grenzüberschreitungen im Zusammenhang mit First-Person-Experiences und VR-Berichterstattungen. Die Ergebnisse haben wir unter anderem bei der Langen Nacht der Wissenschaften 2025 vorgestellt. Hier konnten die Studierenden ihre Erkenntnisse an unterschiedliche Zielgruppen weitergeben.“
Tina Wölfl (Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, insbesondere Digitalisierung in Wirtschaft und Gesellschaft) – Projekt „Digitale Uni-Rallye WiSo“
„Studierende werden zum Studienstart oft mit Informationen geflutet. Die digitale Uni-Rallye soll ihnen deswegen einen strukturierten Einstieg ermöglichen und Selbstständigkeit fördern. Durch interaktive Aufgaben, KI-Avatare und eine klare Lernsequenz begleiten wir sie über StudOn nach dem Einschreibeprozess bis zum Kursstart in den ersten Semesterwochen. Die Rückmeldungen zeigen, dass sich viele deutlich sicherer in der Studienorganisation, in den ersten Wochen, beim Präsentieren oder auch bei der Quellenarbeit fühlen. Aus unseren Rallyes nehmen wir vor allem mit, dass digitale Elemente die Eigenständigkeit der Studierenden nicht ersetzen, sondern gezielt unterstützen.“


Dr. Philipp Spitzer (Lehrstuhl für Psychiatrie und Psychotherapie) – Projekt „Peer Support Erlangen“
„Viele Studierende – vor allem im Medizinstudium – stehen unter hohem Stress, manche zeigen depressive Symptome und Hilfsangebote sind oft wenig zugänglich. In unseren Projekten haben wir gesehen, wie stark soziale Eingebundenheit und intrinsische Motivation das Wohlbefinden fördern. Darauf baut ‚Peer Support Erlangen‘ auf. Wir bilden Studierende aus, die ihren Kommilitonen und Kommilitoninnen in psychischen Belastungssituationen niedrigschwellige Unterstützung bieten können. Die große Resonanz zeigt den Bedarf. Innovative Lehre bedeutet für mich, nicht nur Inhalte zu vermitteln, sondern Lern- und Lebensräume zu schaffen, die Gesundheit und Gemeinschaft stärken. Deswegen wollen wir das Projekt auch auf Nicht-Medizinstudierende ausweiten.“
Prof. Dr. Bernhard Egger (Juniorprofessur für Cognitive Computer Vision) – Hackathons & Skalierung von Lehre
„In unseren großen Studiengängen können wir nicht allen interessierten Studierenden ein Individualprojekt aus unseren Forschungsthemen anbieten. In unserer Peergruppe aus informatiknahen Lehrenden haben wir daher ein neues Projektformat entwickelt, welches auf der Reproduktion von Forschungsergebnissen durch Studierende beruht: Die Studierenden bearbeiten ein selbstgewähltes Projekt und sind ganz nah an aktueller Forschung dran. In einem Hackathon mit Doktorierenden haben wir das Format getestet. Teilnehmende bringen eigene Ideen ein, wir begleiten den Prozess und schaffen eine Umgebung, in der gemeinsames Problemlösen im Mittelpunkt steht. Während unsere Doktorierenden gelernt haben, ihre eigenen Forschungsergebnisse effizienter zu reproduzieren, haben wir gelernt, wie wir das Projektformat mit Studierenden umsetzen können. Die Erfahrungen zeigen, dass Lehre dann besonders wirksam wird, wenn sie kollaborativ, praxisnah und von gemeinsamer Neugier getragen ist.“


Dr. Melanie Stephan und Karsten Golze (beide Lehrstuhl für Pädagogik mit dem Schwerpunkt Medienpädagogik) – Projekt pib@fau“
„Mit pib@fau möchten wir Lehramtsstudierende zum aktiv gestaltenden Umgang mit zukunftsweisenden Technologien anregen. Ihre Kenntnisse sollen also über das reine Verständnis hinaus gehen. Gerade in einer von Digitalität geprägten Welt brauchen angehende Lehrkräfte Kompetenzen im Umgang mit Medien und Computational Thinking. Das sind Bereiche, in denen oft Unsicherheiten herrschen. Im projektbasierten Seminar bauten Studierende gemeinsam einen Roboter, druckten Bauteile, programmierten erste Bewegungen und dokumentierten ihre Erfahrungen. Durch ihre Zusammenarbeit, Frustrationstoleranz und Austausch wuchs technisches Verständnis ebenso wie pädagogische Reflexion. Für uns zeigt das Projekt, wie praxisnahe, kreative Formate Neugier wecken und neue Perspektiven auf Unterricht eröffnen.“
Dr. Katrin Götz-Votteler und Dr. Anna Schneider (beide FAU Kompetenzzentrum für interdisziplinäre Wissenschaftsreflexion, kurz ZIWIS) – Spring School „Future Skills“
„Unsere ‚Spring School‘ verfolgt das Ziel, Studierende verschiedener Fachrichtungen in Schlüsselkompetenzen zu stärken, die in dynamischen Zeiten unverzichtbar sind: zum Beispiel KI-Kompetenz, Reflexionsfähigkeit, Resilienz und Verantwortungsbewusstsein. Der mehrstufige Aufbau aus Online-Modul, Blockseminar, Coaching und Abschlussphase schafft Raum für individuelle Auseinandersetzung und interdisziplinären Austausch. Die letzte Spring School hatte KI zum Thema. Wichtig ist uns, Formate flexibel weiterzuentwickeln, um auf neue Themen reagieren zu können. So entsteht nachhaltige Kompetenzbildung, die vor allem kontextsensibel wirksam wird.“


Eduard Neu (Lehrstuhl für Pharmazeutische Chemie) – Projekt „Informatik-Know-how für die molekulardynamische Simulation von Medikament-Protein-Komplexen“
„Mein Ziel war es, Pharmazie-Studierenden in kurzer Zeit grundlegende Fähigkeiten in der Informatik zu vermitteln und sie an molekulardynamische Simulationen heranzuführen. Dieses Wahlpflichtpraktikum der Computerchemie ist in die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Peter Gmeiner eingebettet und die Studierenden forschen währenddessen an G-Protein-gekoppelten Rezeptoren (GPCRs). Schätzungsweise 30 bis 40 Prozent aller zugelassenen Medikamente wirken über GPCRs. Dank der Infrastruktur des Erlangen National High Performance Computing Center (NHR@FAU) konnten die Studierenden erstmals mit Linux-Umgebungen arbeiten, Simulationen durchführen und mithilfe vorbereiteter Python-Umgebungen Daten analysieren. Viele hatten keinerlei Vorerfahrung, entwickelten aber schnell Sicherheit und erlebten positive Selbstwirksamkeit. Für mich zeigt das Projekt, dass niedrigschwellige Zugänge und eine gute technische Unterstützung Hemmschwellen im Umgang mit Informatik abbauen.“
(alle Bilder: FAU/Sebastian Schroth)
Der Innovationsfonds Lehre
Seit dem Jahr 2016 existiert an der FAU der Innovationsfonds Lehre als ein Förderinstrument, mit dem besondere Maßnahmen und innovative Aktivitäten im Bereich Lehre und Studium unterstützt werden. Alle Lehrenden der FAU können sich für den Innovationsfonds bewerben. 2025 werden Mittel für die Fakultäten und für die zentralen Einrichtungen für Lehre separat ausgeschrieben.
Für Fragen zum Innovationsfonds Lehre gibt es die E-Mail-Adresse zuv-foerderprogramme-lehre@fau.de als erste Anlaufstelle.
Mehr Informationen zur Bewerbung unter:
Mehr Informationen:
Franziska Kreuzer
Referat L1 – Rechtsangelegenheiten und Qualitätsmanagement in Lehre und Studium
franziska.k.kreuzer@fau.de
