Neues Studienmodell in der Wirtschaftspädagogik an der FAU gestartet
Seit diesem Wintersemester bietet die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) das Wirtschaftspädagogikstudium WiPäd trial an, um mehr Praxisnähe in der Lehrkräfteausbildung zu schaffen. Der Studiengang wurde von der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. gemeinsam mit dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus, dem Staatlichen Studienseminar für das Lehramt an Beruflichen Schulen und der FAU ins Leben gerufen.
Im Rahmen einer gemeinsamen Veranstaltung mit den Projektbeteiligten an der FAU machte der stellvertretende vbw Hauptgeschäftsführer Dr. Christof Prechtl klar: „Für die Zukunftsfähigkeit unseres Bildungssystems brauchen wir ausreichend und gut qualifiziertes Lehrpersonal. Fakt ist aber: Der Lehrermangel ist auch in den beruflichen Schulen angekommen. Über alle Schularten hinweg stellen viele Junglehrerinnen und Junglehrer häufig erst im Referendariat fest, wie ihr künftiger Berufsalltag tatsächlich aussehen wird. Die Praxiserfahrung kommt oft zu spät und nicht intensiv genug. Das Projekt setzt genau hier an. Es lässt Studierende frühzeitig, gezielt und von erfahrenen Lehrkräften begleitet Unterrichtserfahrung sammeln – und zwar innerhalb einer komprimierten Ausbildungszeit von sechs Jahren. Dadurch bietet es eine intensive Verknüpfung von Theorie und Praxis, ohne Abstriche bei der Qualität oder der theoretischen Wissensvermittlung zu machen. Davon profitieren die Studierenden und ihre künftigen Schülerinnen und Schüler. Zudem wird die gesamte Ausbildungszeit vergütet.“
Insgesamt 17 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben zum 1. Oktober am Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik und Personalentwicklung an der FAU ihr Studium aufgenommen.
Die Bayerische Staatsministerin für Unterricht und Kultus, Anna Stolz zum Projekt: „Mit dem Projekt ‚WiPäd trial‘ gehen wir neue Wege in der Ausbildung von Lehrkräften an beruflichen Schulen. Von Beginn an sammeln die Studierenden praktische Erfahrungen im Klassenzimmer und entwickeln unter Anleitung erfahrener Lehrkräfte Schritt für Schritt ihre Fähigkeiten. Dabei bauen sie einen wertvollen Erfahrungsschatz auf. Die enge Verbindung von Studium und Praxis verkürzt die Ausbildungszeit, während Inhalt oder Qualität in vollem Umfang erhalten bleiben. Dank der finanziellen Unterstützung wird der Weg in den Lehrerberuf noch attraktiver – und unsere Schulen gewinnen hervorragend vorbereitete, hoch motivierte Lehrkräfte. Ich wünsche den ersten Studienanfängerinnen und -anfängern viel Erfolg, spannende Erfahrungen und einen guten Start in ihre Ausbildung.“
Prof. Dr. Karl Wilbers von der FAU und Dr. Volker Ehlers vom Studienseminar ergänzen: „Als pädagogische Unterstützungskräfte engagieren sich die Studierenden im Programm ‚WiPäd trial aktiv für die Weiterentwicklung schulischer Praxis – zum Beispiel bei der Umsetzung digitaler Lernkonzepte und differenzierter Lernangebote. Dabei vertiefen sie zugleich ihre eigenen pädagogischen Fähigkeiten und Handlungskompetenzen.“
Antworten auf die wichtigsten Fragen:
WiPäd trial basiert auf einer einzigartigen Verbindung des Studiums der Wirtschaftspädagogik, der Schulpraxis und des Referendariats, die über die gesamte Ausbildungsdauer besteht. Diese Verbindung ermöglicht eine praxisnahe, komprimierte und vergütete Ausbildung ohne Abstriche bei der Qualität.
Von Beginn an sind vergütete Praxiseinsätze Teil des Studiums. Erfahrene Lehrkräfte betreuen die Studierenden, die zunehmend mehr Verantwortung bis hin zum eigenständigen Unterrichten übernehmen. Während des Bachelors sind die Studierenden parallel zu ihren Lehrveranstaltungen als pädagogische Unterstützungskraft tätig, zu Beginn des Masters als Aushilfslehrkraft, gegen Ende bereits als Referendar/-in. Die Verzahnung zwischen Theorie und Unterrichtspraxis sowie von Studium, Referendariat und Schule spiegelt zudem neueste Erkenntnisse und Forderungen der Gutachten der Expertinnen- und Expertenkommission zur Weiterentwicklung der Lehrkräftebildung in Bayern wider.
Dadurch dass die Studierenden ab dem ersten Semester in den Schulalltag integriert sind, lernen sie die Lehrpraxis früh und intensiv kennen. Das Studium gibt ihnen wiederum das nötige theoretische Wissen an die Hand und beide Bereiche sind letztlich eng verknüpft. Die Gesamtdauer von Studium und Referendariat verkürzt sich von sieben auf sechs Jahre, ohne dass Inhalte wegfallen würden. Darüber hinaus erhalten die Studierenden für ihre Tätigkeiten in der Schule Gehalt, verdienen damit also über die gesamte Studienzeit durchgängig Geld.
Interessierte benötigen die allgemeine bzw. fachgebundene Hochschulreife oder eine gleichwertige Qualifikation – genau wie beim regulären Studium der Wirtschaftspädagogik. Außerdem führt die FAU mit den Bewerber/-innen Auswahlgespräche durch. Studienstart ist immer im Herbst mit Beginn des Schuljahres, insgesamt gibt es 30 Plätze pro Jahr.
Andrea Bär
Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik und Personalentwicklung
andrea.baer@fau.de
Maria Schmidt
Staatliches Studienseminar für das Lehramt an beruflichen Schulen
schmidt@studien-seminar.de
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Karl Wilbers
Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik und Personalentwicklung
karl.wilbers@fau.de
