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Tag der Organspende: Zahl der Spender dramatisch rückläufig

Tag der Organspende

Harald G. (links) lebt seit gut einem Jahr mit einer gespendeten Niere und einer gespendeten Bauchspeicheldrüse: Prof. Dr. Kai-Uwe Eckardt, Sprecher des Transplantationszentrums Erlangen-Nürnberg, freut sich, dass seinem Patienten mit einer Transplantation geholfen werden konnte. (Bild: Uni-Klinikum Erlangen)

Mit einem Kreuzchen Leben schenken

„Auf der Warteliste des Transplantationszentrums Erlangen-Nürnberg stehen aktuell rund 650 schwer kranke Menschen, die auf ein lebensrettendes Spenderorgan warten“, sagte Prof. Dr. Kai-Uwe Eckardt, Sprecher des Transplantationszentrums Erlangen-Nürnberg und Direktor der Medizinischen Klinik 4 – Nephrologie und Hypertensiologie des Universitätsklinikums Erlangen und Klinikum Nürnberg, heute (28.05.2013) im Rahmen einer Pressekonferenz. „Auf eine Niere warten unsere Patienten derzeit durchschnittlich sieben bis acht Jahre – manche überleben das nicht. In Deutschland hat sich die sowieso schon niedrige Bereitschaft zur Organspende in den vergangenen Monaten noch weiter verschlechtert: Allein in Bayern sank die Zahl der Organspender im ersten Quartal dieses Jahres um etwa 20 Prozent. Damit sind wir im europäischen Vergleich das Schlusslicht.“

Anlässlich des Tags der Organspende am kommenden Samstag, 1. Juni 2013, möchte Prof. Eckardt den Fokus wieder auf die Betroffenen richten: „Das Thema wurde in den vergangenen Wochen und Monaten viel diskutiert und ist inzwischen leider negativ besetzt – zu Lasten derer, die auf eine Transplantation angewiesen sind. Wir wollen das Vertrauen der Menschen wiedergewinnen! In den allermeisten Transplantationszentren wurden keine Daten manipuliert. Durch Transparenz möchten wir jede und jeden dazu ermutigen, sich persönlich mit dem Thema auseinanderzusetzen.“

Auf eine Million Einwohner kommen in Bayern derzeit nur zwölf Organspender. In ganz Deutschland zählten die Ärzte im Jahr 2012 lediglich rund 1.200 postmortale Spender, die etwa 4.100 transplantationsfähige Organe zur Verfügung stellten. Zwei davon trägt Harald G., Zollbeamter aus Nürnberg, seit einem Jahr in seinem Körper: Am 26. April 2012 erhielt er eine kombinierte Nieren-Pankreas-Transplantation, die ihm das Leben rettete. „Man macht sich natürlich schon vor der Operation viele Gedanken und danach immer noch“, sagte der fünffache Vater. „Für mich gab es allerdings keine Alternative, ich musste auch an meine Familie denken. Deswegen galt: ‚Augen zu und durch!‘ Ich bin glücklich, dass alles so gut geklappt hat und dass sich ein anderer Mensch durch seine Entscheidung für die Organspende für mein Leben entschieden hat.“ Harald G. litt seit seinem elften Lebensjahr an Diabetes mellitus, wodurch sich seine Nierenfunktion irreparabel verschlechterte. Heute muss er zwar Tabletten schlucken, u. a. damit die Spenderorgane von seinem eigenen Körper nicht abgestoßen werden, „aber das ist das geringere Übel“, erklärte er. Nach 32 Jahren Krankheitsgeschichte, drohender Dialyse, wiederkehrenden Hypoglykämien (Unterzuckerung, teils mit Bewusstlosigkeit), dem Verzicht auf Süßigkeiten und vielen durchaus schmerzhaften Beeinträchtigungen seines Lebens, freut sich der 43-Jährige über die endlich zurückgewonnene Lebensqualität: „Wenn ich heute meine Werte messe, dann sind das die Werte eines gesunden Menschen. Ich blicke optimistisch in die Zukunft.“

Großer Respekt und Dankbarkeit

„Kombinierte Nieren-Pankreas-Transplantationen nehmen wir nicht so oft vor, nur gut zehnmal im Jahr. Es handelt sich um einen schwierigeren Eingriff“, erläuterte Prof. Eckardt. „Doch eines ist bei allen Patienten, die ein Organ oder sogar zwei erhalten haben, gleich: der große Respekt und die Dankbarkeit gegenüber dem Spender bzw. dessen Angehörigen.“ Von den rund 4.100 Organen, die in Deutschland im Jahr 2012 postmortal gespendet wurden, waren etwa 2.100 Nieren, ca. 1.200 Lebern, etwa 370 Herzen und knapp 200 Bauchspeicheldrüsen (Pankreas). Allein das Transplantationszentrum Erlangen-Nürnberg hat aktuell rund 450 Patienten auf die Warteliste für eine Niere, etwa 100 für ein Herz und knapp 100 für eine Leber gesetzt. „Die Wahrscheinlichkeit, selbst einmal auf eine lebensrettende Transplantation angewiesen zu sein, ist viel höher als die Wahrscheinlichkeit, selbst als Organspender infrage zu kommen“, veranschaulichte Prof. Eckardt. Wer sich mit dem Thema auseinandersetze, der solle sich die Frage stellen: „Was würde ich in einer solchen Situation tun: Würde ich, wenn ich todkrank wäre, ein Spenderorgan annehmen?“ Niemand würde dazu gezwungen, sich für die Organspende zu entscheiden, so Prof. Eckardt: „Wir möchten Vertrauen schaffen, auf dessen Basis jede und jeder die für sie bzw. ihn individuell richtige Entscheidung treffen kann. Wir bitten Sie, denken Sie darüber nach!“

Informationen für die Medien:

Prof. Dr. Kai-Uwe Eckardt
Tel.: 09131 85-39002
Sabine.Neubauer@uk-erlangen.de

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