Seiteninterne Suche

FAU aktuell

Uni fällt die Decke auf den Kopf

Kochstraße 4

Verschütteter Arbeitsplatz in der Kochstraße 4 in Erlangen (Bild: FAU)

FAU-Kanzler Thomas A.H. Schöck: „Hoher Sanierungsbedarf“

Der Kanzler der FAU, Thomas A.H. Schöck, fürchtet um die Sicherheit von Beschäftigten und Studierenden in einigen Gebäuden der Universität. An verschiedenen Standorten seien innerhalb kurzer Zeit massive Mängel aufgetreten, erklärt Schöck in einem Gespräch mit Medienvertretern. Vor allem im Seminargebäude der Philosophischen Fakultät in der Kochstraße 4 in Erlangen sei „die Situation nicht mehr länger tragbar.“ Dort waren vor etwa zwei Wochen mehr als vier Quadratmeter Deckenputz herabgefallen und hatten die Arbeitsplätze von Beschäftigten der Klassischen Archäologie verschüttet. Weit mehr als zwei Millionen Euro hat der Freistaat über die vergangenen Jahre in das Gebäude investiert – jedoch deckte diese Summe immer nur die notdürftigsten Reparaturen und Baumaßnahmen zur „Vermeidung von Gefahren für Leib und Leben sowie zur Erhaltung und Sicherung des Betriebes“. Doch für die nötige umfassende Sanierung fehlten die Ausgleichsflächen, um Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen sowie Studierenden eine Zwischenheimat zu bieten. Ein Neubau könnte die Lösung sein.

Dafür gibt es tatsächlich auch Pläne: Auf der Fläche der alten Mathematik könnte eine Geisteswissenschaftliche Bibliothek auf mehr als 12.000 Quadratmetern entstehen. Durch den Umzug verschiedener Bibliotheken aus dem Komplex  Bismarckstraße/Kochstraße in den Neubau würden  insgesamt rund 4.500 Quadratmeter an Fläche frei, so dass durch die geschickte Umsetzung von Einrichtungen dann nach und nach die Türme des Philosophischen Seminargebäudes und die Kochstr. 4 saniert werden könnten.

Etwa 46 Millionen Euro müsste der Freistaat Bayern für die Geisteswissenschaftliche Bibliothek in die Hand nehmen – sinnvoll investiertes Geld, wenn es nach Thomas A.H. Schöck geht: „Ein fortwährendes ‚klein-klein‘ in Sanierungsfragen verschlingt unter dem Strich ebenfalls hohe Summen – und reicht kaum, um die Sicherheit der Gebäude zu gewährleisten. Mit einer einmaligen Investition in eine große Lösung wären wir auf einen Schlag ein Vielzahl von Flächenproblemen los.“ Dafür allerdings fehlt im Moment, so scheint’s, das Geld.

Insgesamt kranke die Gebäudesituation an der geringen Zuweisung von Bauunterhaltsmitteln aus dem Staatshaushalt, moniert der Kanzler: Allein im Haushaltsjahr 2012 hätten von einem errechneten Bauunterhaltsmittelbedarf in Höhe von rund 33 Millionen Euro lediglich knapp 5 Millionen Euro zur Verfügung gestanden. Der Fehlbetrag hat sich bereits aus der Unterfinanzierung in den Vorjahren aufsummiert: Knapp fünf Millionen statt der benötigten 30 Millionen erhielt die Uni im Jahr 2011, ebenso nur rund fünf Millionen im Jahr 2010 – als etwa 47 Millionen Euro beantragt worden waren.

Auch in den Jahren 2009 bzw. 2008 hatte die FAU mit Fehlbeträgen von etwa 20 Millionen Euro bzw. 45 Millionen Euro zu kämpfen. Die Universität kann so Schäden in der Regel nicht unmittelbar nach ihrer Entstehung beheben und nur einen Bruchteil der erforderlichen Bauunterhaltsmaßnahmen durchführen. Dadurch vergrößern sich ursprünglich kleinere Schäden sukzessive zu größeren Bauschäden, die später nur mit einem Vielfachen der ursprünglich nötigen Sanierungskosten beseitigt werden können. Schon mit einer jährlichen Zuweisung von wenigstens zehn Millionen Euro an Bauunterhalt könne man das Defizit in den kommenden Haushaltsjahren Schritt für Schritt abbauen, meint Schöck.

Währenddessen leben Beschäftigte und Studierende im Philosophischen Seminargebäude mehr schlecht als recht mit der Situation. Der Deckenschaden in der Klassischen Archäologie ist nur ein Symptom einer viel weitreichenderen Malaise: Verrostete Zugangstüren, Sicherheitsmängel auf Treppen und Gebäudeübergängen sowie Feuchtigkeitsschäden an allen Ecken und Enden und undichte Dächer tun das ihre zu der Situation. Aktuell ist das gesamte Untergeschoss in der Kochstraße gesperrt, das unter anderem die Antikensammlung der Universität sowie zwei umfangreiche Sammlungen der Ur- und Frühgeschichte beherbergt. Neben der Gefährdung von Mitgliedern der Universität hat nicht zuletzt die Verantwortung für die Sicherheit einer breiteren Öffentlichkeit die FAU zu diesem Schritt veranlasst: Die Sammlungen sind als Museen öffentlich zugänglich und werden auch von Schulklassen gerne besucht.

Auch über das Gelände in der Kochstraße hinaus hat die Universität bauliche Löcher zu stopfen: Am Fachbereich Erziehungswissenschaften in Nürnberg war es kürzlich ebenfalls zu einem kleinen Zwischenfall gekommen, weil durch die starken Niederschläge während der Hochwasserperiode im Juni ein umfangreicher Feuchtigkeitsschaden an einer Decke entstand, durch den auch die Beleuchtung der Aula Schaden nahm. Hier kann ebenfalls nur das Nötigste gemacht werden: Für eine Teilbaumaßnahme mit einem Volumen von acht Millionen Euro wurde zwischenzeitlich der Planungsauftrag erteilt.

Weitere Informationen:

Thomas A.H. Schöck
Kanzler der FAU
09131/85-26602
kanzler@fau.de

Bilder zum Download

Keller Kochstraße 4

Deckenschaden in der Klassischen Archäologie (Bild: FAU)

Klassische Archäologie

Deckenschaden in der Klassischen Archäologie (Bild: FAU)

Kochstraß4

Verrostete Zugangstür am Lehrstuhl für Klassische Archäologie (Bild: FAU)

Kochstraße 4

Verschütteter Arbeitsplatz in der Kochstraße 4 in Erlangen (Bild: FAU)

Kochstraße 4

Aktuell ist das gesamte Untergeschoss in der Kochstraße gesperrt, das unter anderem die Antikensammlung der Universität sowie zwei umfangreiche Sammlungen der Ur- und Frühgeschichte beherbergt. (Bild: FAU)

Imagefilm der Friedrich-Alexander Universität

Vorsprung durch Vernetzung - Der Imagefilm der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Neue Völkerwanderung in Europa?

Europa erlebt eine neue Völkerwanderung. Oder doch nicht?

Das fränkische Schichtstufenland

Das fränkische Schichtstufenland – Alte Kontroversen und neue Vorstellungen