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Auf diplomatischen Parkett: FAU-Studierende simulieren Vereinte Nationen

Bild: FAUMUN

Bewerbung für FAUMUN noch bis 1. Juli möglich

Mit Delegierten anderer Länder im Hauptsitz der Vereinten Nationen aktuelle politische und gesellschaftliche Fragen diskutieren und über Resolutionsentwürfe entscheiden – das ist normalerweise hochrangigen Diplomaten vorbehalten. Bei den National Model United Nations (NMUN) übernehmen Studierende aus aller Welt die Rolle der Verhandlungsführer. Auch die FAU-Delegation FAUMU nimmt jährlich daran teil. Noch bis zum 1. Juli können sich Interessierte bewerben. Im Interview erklärt Projektleiter – und ehemaliger Teilnehmer – Alexander Hoeppel worauf es bei FAUMUN ankommt.

Herr Hoeppel, wie sind Sie zum Projekt FAUMUN gekommen?

Ich habe 2010 von der Möglichkeit erfahren, ein Teil der Delegation der FAU zu werden und mich erfolgreich beworben. Ich war so begeistert vom Projekt, meiner persönlichen Weiterentwicklung und der Arbeit im Team, dass ich mich dazu entschlossen habe, im darauffolgenden Jahr das Projekt bei der Vorbereitung der Delegation zu unterstützen.

Sie promovieren gerade und sind nebenher als Projektleiter für FAUMUN tätig. Warum haben Sie sich dazu entschieden, diese zeitintensive und anspruchsvolle Aufgabe auch noch zu machen?

Im bevorstehenden Projektjahr werde ich die Leitung an Oliver Burger – ebenfalls ein ehemaliger Teilnehmer – abgeben, ihn aber bei der Durchführung unterstützen. Während des Studiums war die Tätigkeit für FAUMUN eine Herausforderung, aber die persönliche Weiterentwicklung und das Ziel, Kommilitoninnen und Kommilitonen diese Erfahrung ebenfalls zu ermöglichen, waren es mir wert.

Am 1. Juli läuft die Bewerbungsfrist für die nächste Runde ab. Welche Eigenschaften sollten Teilnehmer Ihrer Meinung nach mitbringen?

Besonderen Wert legen wir auf die Interdisziplinarität des Projektes. Daher muss man kein Experte für Internationale Politik und die Vereinten Nationen sein. Gute Englisch-Kenntnisse sind allerdings eine Voraussetzung. Am wichtigsten sind die Bereitschaft, sich selbst weiterzuentwickeln, mit Kritik umgehen zu können und überdurchschnittliche Motivation und Leistungsbereitschaft.

Die Teilnahme ist sehr zeitintensiv, verlangt sehr viel Einsatzbereitschaft. Warum sollte man trotzdem an FAUMUN teilnehmen?

Es gibt keinen Bereich, in dem die durch FAUMUN vermittelten Kenntnisse nicht von Nutzen sind. Wer einmal eine Rede vor 50 bis 400 Menschen gehalten, über Tage intensiv verhandelt und sich mit der Sichtweise anderer Kulturen und Disziplinen auseinandergesetzt hat, der ist auch besser auf die Anforderungen des Berufslebens vorbereitet. Wie halte ich eine gute Rede? Wie wirke ich auf andere? Wie kann ich überzeugend einen Standpunkt vertreten und in einer Verhandlung ein optimales Ergebnis erreichen? Wie lassen sich ökonomische, sicherheitspolitische und ökologische Probleme lösen? Mit derartigen Fragen setzen sich die Teilnehmenden während FAUMUN intensiv auseinander und erweitern so nicht nur ihr Wissen, sondern im Austausch mit anderen auch ihren Horizont.

Wie bereitet sich das Team auf die Model United Nations vor?

Die Vorbereitung ist wirklich sehr intensiv. Naben dem dreistündigen wöchentlichen Seminar gibt es mehrere Wochenend-Workshops zu Rhetorik, Verhandlungsstrategien und der Geschäftsordnung der Vereinten Nationen. Darüber hinaus werden zwei Probe-Simulationen besucht und die Delegation wird eine Woche im Auswärtigen Amt in Berlin von Experten gebrieft. Auch die Fertigstellung der Landespositionspapiere erfordert viel Arbeit. Ähnlich einer Fallstudie beschäftigen sich die Teilnehmenden mit unterschiedlichen Problemen der Internationalen Gemeinschaft und erarbeiten Lösungen aus der Sicht des zu vertretenden Landes. Dies erfordert einerseits die inhaltliche Auseinandersetzung mit anspruchsvollen Themenkomplexen aus Ökonomie, Sicherheitspolitik und Ökologie und andererseits intensive Recherchetätigkeiten, welche internationalen (rechtlichen) Dokumente und Programme zu diesem Thema bereits existieren.

Die FAU gehört zu den erfolgreichsten zehn Prozent der an NMUN teilnehmenden Universitäten – was ist das Geheimnis dieses Erfolgs?

Ein wichtiger Faktor ist sicher die Tatsache, dass dieses Projekt von Studierenden aufgebaut und weitergeführt wurde. Nur wer selbst an NMUN teilgenommen hat, weiß, worauf es in den Verhandlungen ankommt. Es ist weniger die akademische Aneignung von Wissen als vielmehr die effektive Vermittlung von Soft Skills die für den Erfolg ausschlaggebend ist.

Sie haben 2010 selbst an den Model United Nations teilgenommen. Was ist Ihnen am Eindrücklichsten in Erinnerung geblieben?

Bei NMUN in New York gibt es immer zwei Momente, die ich als sehr beeindruckend empfand: die Eröffnungs- und die Schlusszeremonie. Als ich Teilnehmer war, hielt Susan Rice, die damalige ständige Vertreterin der USA bei den Vereinten Nationen, eine sehr beeindruckende und motivierende Eröffnungsrede. Während der Schlusszeremonie werden die Awards verkündet. Sowohl als Teilnehmer als auch als Projektverantwortlicher ist das ein schöner und zugleich etwas wehmütiger Moment, da einem bewusst wird, dass die monatelange Vorbereitung erfolgreich war und man zugleich weiß, dass die tolle Zeit im Team beendet ist.

Welche Erfahrungen können Sie aus ihrer eigenen Teilnahme an die Studierenden weitergeben?

Ich denke, es ist besonders wichtig, sich unabhängig von persönlicher Sympathie oder der eigenen Position auf Andere einzugehen ohne den eigenen Standpunkt preiszugeben. Ein Teil unserer Vorbereitung ist ein erster Einblick in die interessengeleitete Verhandlung – in Deutschland häufig als „Harvard-Konzept“ bezeichnet. Einer der Leitsätze lautet „be soft on the people, hard on the problem“. Das klingt banal, ist aber in der Praxis schwer umzusetzen.

Welches Land würden Sie gerne einmal vertreten und warum?

Ich persönlich fände es spannend, Israel zu vertreten. Das wäre sicher auch eine Herausforderung für die Studierenden, da der Nahostkonflikt sehr unterschiedlich bewertet wird.

Einen kurzen Film über FAUMUN gibt es online, auf der Video-Plattform Vimeo.

Weitere Informationen:

Alexander Hoeppel
Tel.: 0171-9983901
alexander.hoeppel@fau.de

Oliver Burger
Tel.: 0151-53757526
oliver.burger@fau.de

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