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Der Arianische Streit oder „Inwiefern ist Jesus Gott?“

Handschriften und alte Drucke sind wichtige Hilfsmittel für die Erstellung der Edition. (Bild: Dr. Annette von Stockhausen, CC-BY)

FAU-Theologen untersuchen einen Wendepunkt der Kirchengeschichte

Wie ist angesichts der Behauptung des Christentums, einen Monotheismus zu vertreten, das Verhältnis von Gott Vater zum Sohn, dem Mensch gewordenen Christus, und zum heiligen Geist zu denken und intellektuell auch einsichtig zu machen? Das war in der Antike die wichtigste Frage, die das Christentum sich selbst und seinen Kritikern gegenüber zu beantworten hatte. An dieser Frage entbrannte vor rund 1600 Jahren der sogenannte Arianische Streit, benannt nach dem alexandrinischen Priester Arius, der einen strengen Monotheismus vertrat und Christus zwar als Gott, aber Gott Vater untergeordnet ansah. Diese Auseinandersetzung, in die seit Konstantin auch die Kaiser immer wieder eingriffen, sollte insgesamt fast 300 Jahre dauern.

Am Lehrstuhl für Kirchengeschichte I der FAU ist unter Leitung vom Prof. Dr. Hanns Christof Brennecke (FAU), Prof. Dr. Uta Heil (Universität Wien) und Dr. Annette von Stockhausen (FAU) das Forschungsprojekt „Athanasius Werke“ damit befasst, sämtliche Dokumente dieser Auseinandersetzung von der Spätantike bis ins frühe Mittelalter zu sammeln, zu übersetzen, zu edieren und zu kommentieren.

Die Fülle der aus dieser Auseinandersetzung überlieferten Dokumente wie Kaiserbriefe, Gesetze, Briefe von Bischöfen, Synodalschreiben, Glaubensbekenntnisse, die den gesamten zeitlichen und geografischen Bereich des spätantiken Römischen Reiches abdecken, ist für diese Zeit einzigartig. Ziel ist es, diesen Schatz an Dokumenten für die Forschung aufzubereiten und somit ein besseres und umfassenderes Bild der Entwicklungen dieser Zeit zu liefern. Seit 2007 sind bereits zwei Bände mit Edition, Übersetzung und Kommentar der „Dokumente zur Geschichte des Arianischen Streites“ erschienen, ein dritter steht vor der Veröffentlichung. Ein vierter Band ist nun in Arbeit, und das Projekt wird von der Fritz Thyssen Stiftung für zunächst zwei Jahre gefördert.

Der Streit um die Dreifaltigkeit

Der Streit um das richtige Verständnis der Dreifaltigkeit und die damit verbundenen Machtkämpfe innerhalb der Kirche waren zur damaligen Zeit politisch hochbrisant, denn das Christentum wuchs stark an und wurde schließlich die von den Kaisern bevorzugte Religion. Die römischen Kaiser setzten viel daran, Spaltungen in der christlichen Kirche zu verhindern, da der Glaube als einigendes Element des Römischen Reiches dienen sollte. Kaiser wie Konstantin I. oder Theodosius I. beriefen Konzile und Synoden ein, um den Streit beizulegen und übten auch selbst Einfluss auf den Einigungsprozess aus. Seit der Synode von Konstantinopel im Jahr 381 galt im Imperium Romanum zwar ein einheitliches Glaubensbekenntnis und ein Verständnis der christlichen Lehre, das bis heute in den Kirchen verbindlich ist. Abweichende Lehren wurden als »arianisch« bezeichnet und als häretisch angesehen. Da die auf dem Boden des ehemaligen weströmischen Reiches siedelnden germanischen Völker den christlichen Glauben in dieser als »arianisch« geltenden Form angenommen hatten, war der arianische Streit damit noch nicht beendet, sondern setzte sich fort, bis Ende des 6. Jahrhunderts auch diese germanischen Kirchen den Katholizismus der Konzile von Nicaea und Konstantinopel übernahmen. Die sechste Lieferung des dritten Bands der Athanasius-Werke befasst sich mit den Texten aus der Zeit der Synode von Konstantinopel bis hin zu Texten aus dem frühen siebten Jahrhundert, die unter anderem das sog. Athanasische Glaubensbekenntnis enthalten und die Konversion des westgotischen Herrschers Rekkared zum Katholizismus dokumentieren.

Weitere Informationen:

Dr. Annette von Stockhausen
Tel.: 09131/85-22141
annette.von.stockhausen@fau.de

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