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Dr. Isabel N. Schellinger

Dr. Isabel N. Schellinger gründete 2017 ihre Firma Angiolutions. (Bild: Max Etzold)

Gründerin und Geschäftsführerin von Angiolutions

Isabel Schellinger hat bis 2016 Medizin an der FAU studiert und promovierte im Bereich der Nierenheilkunde. 2017 gründete sie die Firma Angiolutions, welche Behandlungsverfahren für Gefäßerkrankungen entwickelt. Im Januar 2018 wurde sie vom Wirtschaftsmagazin Forbes in das Europaranking der wichtigsten Persönlichkeiten unter 30 Jahren aufgenommen.

Akademische Erfolge

2017 wurde sie mit dem Rainer-Greger-Promotionspreis des Deutschen Gesellschaft für Nephrologie e. V. (DGFN) ausgezeichnet. Der Preis wird jährlich für die beste Promotionsarbeit auf dem Gebiet der Nieren- und Hochdruckkrankheiten verliehen. Zudem war sie Konrad-Adenauer-Stipendiatin, Doktorandenstipendiatin des Interdisziplinären Zentrums für Klinische Forschung (IZKF) in Erlangen und gehörte dem 13. Jahrgang der Bayerischen Elite Akademie an. Während der Promotion verbrachte Isabel Schellinger Forschungsaufenthalte an der renommierten Stanford University in Kalifornien, wo sie sich mehrere Jahre aufhielt, sowie dem Karolinska Institut in Schweden. Diese Aufenthalte wurden unter anderem durch das prestigereiche Böhringer Ingelheim Stipendium unterstützt. Ihre Arbeiten wurden in international führenden Fachzeitschriften wie „Kidney International“ und „Circulation“ veröffentlicht.

Berufliche Erfolge

Seit 2017 ist sie Gründerin und Geschäftsführerin der Firma Angiolutions. Das Team von Angiolutions entwickelt Behandlungsinstrumente für Gefäßkrankheiten, die beispielsweise eine schonende, minimalinvasive Behandlung von kleinen Aneurysmen (Gefäßerweiterungen) ermöglichen, um das Fortschreiten in eine lebensbedrohliche Größe zu verhindern.

Frau Schellinger, was hat Sie damals an einem Medizinstudium an der FAU gereizt?

Zunächst war ich in Bezug auf mein Studienfach unentschlossen. Allerdings wollte ich schon immer gerne mit Menschen im Austausch stehen. Ich fand es außerdem spannend, dass die Medizin ein sehr vielfältiges Gebiet ist und man unterschiedlichste Themenschwerpunkte setzen kann.

Erlangen als Stadt bietet die Vorteile einer typischen Universitätsstadt, wie kurze Wege – auch zu Dozenten – zahlreiche studentische Angebote und ein internationales Publikum. Darüber hinaus ist mit Nürnberg auch eine Großstadt leicht zu erreichen und die vielen medizintechnischen Unternehmen, die im Medical Valley ansässig sind, bieten spannende Interaktionsmöglichkeiten.

Das Thema Ihrer Dissertation lautet „Einfluss von HIF-stabilisierenden Interventionen auf die gestörte Ischämie-induzierte Angiogenese bei chronischer Niereninsuffizienz“. Was hat Ihr Interesse an genau diesem Fachgebiet der Medizin geweckt?

Meine Doktorarbeit habe ich im Bereich der Nierenheilkunde (Nephrologie) verfasst. Die Innere Medizin, zu der auch die Nephrologie gehört, stellt ein äußerst interdisziplinäres und abwechslungsreiches Fachgebiet dar, was mich sehr gereizt hat! Gleichzeitig habe ich mich im Team des Labors, in dem ich meine Doktorarbeit angefertigt habe, gut aufgenommen gefühlt, was wirklich wichtig ist, wenn man an einem Arbeitsplatz mehrere Jahre verbringen wird.

Wie entstand die Idee, Ihre eigene Firma Angiolutions zu gründen?

Die Grundlage für Angiolutions stellten die Forschungsarbeiten dar, die ich in Stanford gemeinsam mit meinem Mitgründer Dr. Uwe Raaz zur Krankheitsentstehung des Bauchaortenaneurysmas – eine potentiell lebensbedrohliche Erweiterung der Hauptschlagader – durchgeführt habe. Unsere Arbeit identifizierte biochemische und epigenetische Reize als Wachstumstreiber von kleinen Aneurysmen. In einer ersten Studie konnten wir dann zeigen, dass ein Ausschalten dieser Reize das Wachstum des Aneurysmas bremst. Die Universität in Stanford ermutigte uns daraufhin ein auf diesen Forschungsergebnissen basierendes Patent anzumelden. Das war der Beginn von Angiolutions.

Welche Pläne haben Sie mit Angiolutions für die Zukunft?

Ich glaube als Ärztin beziehungsweise als Arzt geht man mit der Vorstellung in die Forschung, so vielen Menschen wie möglich helfen zu wollen. Es wäre also wunderbar, wenn unsere Produkte in Zukunft Menschen mit unterschiedlichen Gefäßerkrankungen zu Gute kommen könnten.

Sie wurden vom Wirtschaftsmagazin Forbes in das Europaranking der wichtigsten Persönlichkeiten unter 30 aufgenommen. Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie?

Es ist eine große Ehre und war gleichzeitig eine Überraschung! Ich hatte nicht damit gerechnet und jetzt ist es eine tolle Möglichkeit auf bestimmte medizinische Probleme aufmerksam zu machen und Menschen kennen zu lernen, die Projekte aus allen gesellschaftlichen Bereichen voranbringen.

Welche Kenntnisse oder Fähigkeiten außer dem medizinischen Fachwissen aus Ihrem Studium können Sie nach wie vor für Ihre Arbeit einsetzen?

Ich glaube, dass es essentiell ist, das Zuhören zu lernen, um Zusammenhänge besser zu verstehen und die richtigen Fragen stellen zu können, zum Beispiel bei der Patientenanamnese. Das ermöglicht nicht nur den partnerschaftlichen Umgang mit den Patienten, sondern auch ein besseres Einfühlungsvermögen für die Ausnahmesituation, in der sich die Betroffenen befinden.

Außerdem lehrt einen das Studium das eigenständige Erarbeiten von Wissen, was der erste Schritt zu einem lebenslangen Lernprozess ist, der das eigene Leben bereichert, wie ich glaube.

Haben Sie noch Kontakt zu ehemaligen Kommilitoninnen und Kommilitonen?

Tatsächlich habe ich noch Kontakt. Vielleicht auch, weil ich in meiner Heimatstadt studiert habe. Es ist schön sich auszutauschen, zumal diese Menschen einen sehr lange und gut kennen. Man teilt einfach viele Erfahrungen.

Was verbinden Sie heute mit Ihrer Heimatstadt Erlangen?

Ich habe zahlreiche schöne Erinnerungen an verschiedene Orte in Erlangen – den Schlossgarten, die kleinen Cafés, aber auch die Bibliotheken, die auf mich immer eine gewisse Ruhe ausstrahlen. Heute ist es auf jeden Fall ein besonderes Gefühl am Bahnhof von Erlangen anzukommen. Auch, weil meine Eltern weiterhin hier leben und ich vielleicht auch deswegen Erlangen nach wie vor als Refugium sehe.

Vielen Dank für das Interview, Frau Dr. Schellinger.


Weiteres Engagement

Isabel Schellinger war nicht nur eine äußerst erfolgreiche Studentin, sondern zeigt auch bei ihren außeruniversitären Aktivitäten Ehrgeiz und Engagement. So sorgte sie unter anderem als Leiterin des Vereins „Mit Sicherheit Verliebt e. V.“ für Prävention und sexuelle Aufklärung bei jugendlichen Schülerinnen und Schülern und sammelte mit Hilfe der Benefizkonzertreihe „Musik ist die beste Medizin“ Spenden zu Gunsten der Aktion Kinderherz-OP. 2012 gewannen Isabel Schellinger und ihre Mitstreiter mit ihrer App „Teil-Mahl.de“ das Deutschlandfinale des Businesswettbewerbs „be.project“ von BearingPoint. Die App sollte dabei helfen, das unnötige Wegwerfen von Lebensmitteln zu reduzieren, indem sie eine Plattform zum Verteilen der Lebensmittel an Mitmenschen bereitstellte.

(Interview: Christina Dworak, März 2018)

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