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Drehtür Arbeitsmarkt

Wie hängen wirtschaftlicher Auf- oder Abschwung mit Zu- oder Abgängen von Mitarbeitern zusammen? Diese Frage haben Wissenschaftler der FAU und des IAB untersucht. (Bild: rawpixel/shutterstock.com)

Wer zu Arbeitsmärkten forscht, trift auf ein Phänomen, das sich „Worker Churn“ nennt. Churn entsteht, wenn mehr Zu- und Abgänge von Arbeitnehmern bei einem Betrieb auftreten, als auf Grund der Veränderungen des Personalbestands nötig. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn das Personal eines Betriebs wächst, ihn zugleich aber Arbeiternehmer verlassen. FAU-Wissenschaftler haben nun gezeigt: Wenn die Wirtschaft boomt, ist dieser Churn größer als in Zeiten der Rezession.

Anders gesagt: „In der Rezession stecken Arbeitnehmer eher bei ihrem Arbeitgeber fest, während sie in Boomzeiten gute Möglichkeiten haben, einen beliebteren „Brötchengeber“ zu finden und sich dadurch zu verbessern“, erläutert Prof. Dr. Christian Merkl, Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Makroökonomik, und Forscher am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die Gründe für Churn können vielfältig sein: Sei es, dass für Arbeitnehmer andernorts attraktivere Stellen locken. Sei es, dass Firmenchefs bestimmte Bereiche verkleinern und gelichzeitig andere Geschäftsbereiche ausbauen.

Außerdem konnte gezeigt werden, dass Churn in allen Betrieben auftritt, unabhängig davon, ob sie wachsen oder schrumpfen. Demnach entlassen wachsende Betriebe Mitarbeiter oder verlieren diese, während schrumpfende Firmen neue Mitarbeiter einstellen oder gar neue Stellen schaffen. Und: „Churn ist bei stark wachsenden und stark schrumpfenden Unternehmen besonders hoch“, weiß Dr. heiko Stüber, ebenfalls an der FAU und am IAB tätig.

Interessant für Personalchefs

Das Projekt von Merkl und Stüber ist Teil des interdisziplinären Forschungsschwerpunkts „Die Welt der Arbeit“ und wird vom DFG-Schwerpunktprogramm „Der deutsche Arbeitsmarkt in der Globalisierung: Herausforderungen durch Handel, Technologie und Demografie“ (SPP 1764) gefördert.

Die Studienergebnisse der Wissenschaftler dürften auch für Personalchefs interessant sein. „Für sie ist es wichtig, sich auf gewisse Muster einzustellen. Im Aufschwung gilt es nicht nur, mehr Arbeiter für die höhere Nachfrage einzustellen, sondern auch abwandernde Arbeitnehmer zu ersetzen“, sagt Merkl. Darüber hinaus gebe Churn Hinweise darauf, wann in einer Volkswirtschaft Mitarbeiter-Reallokationen stattfinden und worauf diese zurückzuführen sind.

Dass die Wissenschafter das Phänomen Churn in Deutschland neu beleuchtet haben, liegt auch in dem einzigartigen Datensatz begründet, auf dem Forschungsergebnisse basieren. „In Kooperation mit dem Forschungsdatenzentrum des IAB haben wir individuelle Sozialversicherungsdaten auf die Betriebsebene aggregiert und damit einen qualitativ hochwertigen Betriebsdatensatz geschaffen“, erläutert Stüber. In den Daten stecken nicht nur Informationen über „Worker-Flows“ und „Job-Flows“. Auch die Lohnstruktur aller deutschen Betriebe ist erfasst. Die Forscher planen, diesen außergewöhnlichen Datensatz der wissenschaftlichen Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen. Merkl freut sich auch mit Blick auf die Zukunft: „Wir gehen davon aus, dass der Datensatz die Basis für viele Forschungsarbeiten sein wird.“

Das FAU-Magazin alexander

Dieser Text erschien zuerst im alexander (Ausgabe 107) – dem Magazin rund um alles, was an der FAU gerade aktuell ist.

Inhaltsverzeichnis alexander 107Die Ausgabe 107 hat unter anderem folgende Themen: Vielfalt an der FAU, das Bild, das wir vom Altwerden haben, das Unimusical und ein Roboter-Quartett, mit dem wir die Roboter vorstellen, an denen an der FAU geforscht wird.

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