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Symbolbild (Bild: Colourbox)

Wissenschaftler der FAU erforschen Gesundheitsmanagement-Konzept für KMU

Wissenschaftler der FAU haben untersucht, wie sich das betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) in kleinen und mittleren Unternehmen nachhaltig implementieren lässt und psychische Belastungen der Mitarbeiter stärker berücksichtigt werden. Im Projekt RegioKMUnet, das kurz vor dem Abschluss steht, wurden insbesondere die Vorteile regionaler Netzwerke evaluiert. Die Ergebnisse werden am Mittwoch, 10. April, auf einer Fachtagung in Erlangen vorgestellt.

Die Gesundheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist ein elementarer Faktor für die Leistungsfähigkeit eines Unternehmens. Neue Entwicklungen, allen voran die Digitalisierung der Arbeitswelt, lösen etablierte Verhaltensmuster auf und fordern eine enorme Flexibilität, was zu psychischen Belastungen führen kann. Seit 2013 sind Arbeitgeber verpflichtet, neben physischen auch psychische Gefährdungen zu bewerten und ihnen entgegenzuwirken. Vor allem für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ist das eine gewaltige Herausforderung, da sie ohnehin Schwierigkeiten haben, ein systematisches und umfassendes Gesundheitsmanagement zu etablieren.

Regionale Netzwerke – Vorteile für KMU

Vor diesem Hintergrund haben Wissenschaftler der Arbeitsgruppe „Public Health“ am Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin (IPASUM) der FAU gemeinsam mit dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) in Bayern, der Grundig-Akademie und der Peter Brehm GmbH im Januar 2016 das Projekt RegioKMUnet gestartet. Ziel des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projektes ist die Entwicklung eines ganzheitlichen Konzeptes zur Implementierung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements speziell in KMU. Dafür haben sich insgesamt elf Unternehmen und sieben kommunale Arbeitgeber aus Mittelfranken und dem bayerischen Odenwald mit einer Größe von 40 bis 450 Mitarbeitern in zwei regionalen Netzwerken zusammengeschlossen. „Wir wollten untersuchen, ob der Erfahrungsaustausch und die gegenseitige Unterstützung das betriebliche Gesundheitsmanagement voranbringen können“, erklärt Amanda Voss, Soziologin am IPASUM.

Die Gestaltung eines BGM ist entscheidend von der Unternehmensgröße abhängig: So haben kleine Firmen meist keinen Mitarbeiter, der sich hauptamtlich um das Gesundheitsmanagement kümmert. Auch die Betriebsärzte konnten innerhalb des Projekts nicht als Koordinatoren eingesetzt werden. Die Aufgabe der Netzwerkpartner im Rahmen des Projekts war es deshalb auch – sofern noch nicht erfolgt – einen festen Ansprechpartner für das BGM zu definieren, beispielsweise in der Personalabteilung oder direkt in der Geschäftsführung.

Digitalisierung nicht primärer Belastungsfaktor

Während der Projektlaufzeit wurden zwei Mitarbeiterbefragungen durchgeführt, die besonders die psychische Gesundheit im Blick hatten. Obwohl Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet sind, sämtliche mit der Arbeit verbundenen Gefährdungen zu ermitteln und mit geeigneten Maßnahmen des Arbeitsschutzes entgegenzuwirken, hat sich die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen gerade in kleinen Betrieben noch nicht flächendeckend etabliert.

Bei den Befragungen stellte sich heraus, dass Digitalisierung als Ursache für Stress und Anpassungsdruck in den beteiligten KMU eine nachrangige Rolle spielt. „Als häufigste Auslöser psychischer Belastungen haben wir Probleme in den Arbeitsprozessen und Organisationsstrukturen identifiziert“, sagt Wolfgang Fischmann, der das Projekt am IPASUM aus psychologischer Sicht betreut. „Auch Mängel in der Führungsqualität der Vorgesetzten, etwa unzureichende fachliche Kompetenz oder eine schlechte Fehlerkultur, wurden von den Mitarbeitern genannt.“

Fachtagung am 10. April

Ende April 2019 läuft das Projekt aus. Aktuell werten die Wissenschaftler die letzten Umfrageergebnisse aus. Bereits jetzt können vier zentrale Erkenntnisse aus RegioKMUnet gewonnen werden:

  1. In den beteiligten Unternehmen konnte das Bewusstsein für den Stellenwert psychischer Belastungen geschaffen bzw. geschärft werden.
  2. Den Verantwortlichen konnte die Relevanz von Mitarbeiterbefragungen zur Bedarfsanalyse und zur Ableitung von Maßnahmen vermittelt werden.
  3. Das Projekt hat den Anstoß für ein nachhaltiges BGM gegeben.
  4. Durch die Bildung regionaler Netzwerke fällt es den Unternehmen leichter, ein solches BGM zu implementieren.

Zum Abschluss des Projektes findet am 10. April die Erlanger Fachtagung zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement unter dem Titel „BGM – dazu gehört doch noch viel mehr!“ statt. In Vorträgen und Workshops sollen mögliche Wege zur Implementierung eines systematischen Gesundheitsmanagements und eine erweiterte Sicht auf neue Belastungs- und Themenfelder vorgestellt und diskutiert werden. Ausführliche Informationen zur Tagung gibt es unter www.regiokmunet.de.

Weitere Informationen:

Wolfgang Fischmann
Tel.: 09131/85-26131
wolfgang.fischmann@fau.de

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