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Lug und Trug als Nachricht

Die beiden FAU-Forscherinnen Dr. Katrin Götz-Votteler (l.) und Dr. Simone Hespers (r.) haben die Wirkmacht von Fake News und Verschwörungstheorien untersucht. (Bild: FAU/Privat)

FAU-Forscherinnen untersuchen Fake News und Verschwörungstheorien

Die Erde ist eine Scheibe und Fakten haben Alternativen – Fake News und Verschwörungstheorien sind aktuell sehr erfolgreich und finden große Verbreitung. Nicht nur Konsumierende, sondern auch Akteure aus Politik und Medien sitzen ihnen auf oder verbreiten sie; schlimmstenfalls erstellen sie sie selbst. Dr. Katrin Götz-Votteler und Dr. Simone Hespers vom Zentralinstitut für Wissenschaftsreflexion und Schlüsselqualifikationen (ZiWiS) der FAU haben genau dazu geforscht. Wir haben mit ihnen über Fake News gesprochen, warum sie funktionieren und wie wir sie enttarnen können.

Wo liegt der Unterschied zwischen Falschmeldungen und Fake News?

Götz-Votteler: Mit Fake News, also gefälschten Nachrichten wird eine gezielte Täuschungsabsicht verfolgt, die eine bestimmte Funktion erfüllen soll. So sollen mit einer Meldung, die erfunden ist oder bei der Sachverhalte nicht wahrheitsgetreu wiedergegeben werden, beispielsweise politische Gegner/-innen oder Einrichtungen diskreditiert werden oder die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf ein bestimmtes Thema oder eine bestimmte Gruppierung gelenkt werden. Falschmeldungen sind dagegen journalistische Fehler, die versehentlich gemacht werden  und nach dem deutschen Pressekodex zeitnah zu korrigieren sind.

Warum sind wir für so anfällig für solche Meldungen?

Hespers: Dass Fake News so erfolgreich sind, hat mehrere Ursachen:

Fake News handeln inhaltlich oft von vermeintlichen Sensationen und sprechen häufig negative Emotionen wie Wut, Ärger, Enttäuschung oder Angst an. Solche  Meldungen werden von anderen Medien gerne aufgegriffen, um Reichweite zu erzielen. Negative Emotionen wiederum wirken stark aktivierend, das heißt Meldungen, die derartige Reaktionen hervorrufen, bleiben im Gedächtnis und werden oft geteilt.

Götz-Votteler: Einen weiteren Faktor stellen soziale Medien dar:  Dort können Meldungen und Informationen besonders leicht hochgeladen, verbreitet und geteilt werden, sodass dann sehr einfach eine hohe Reichweite erzielt werden kann. Hinzu kommt, dass die heutigen technischen Möglichkeiten es einfach machen, überzeugende Bild- oder Videomanipulationen herzustellen, die dann den Fake News noch eine höhere Glaubwürdigkeit verleihen.

Wie können wir Fake News am besten enttarnen?

Götz-Votteler: Zunächst ist es wichtig zu prüfen, von wem und wo eine Meldung veröffentlicht wurde: Wer sind die Autor/-innen? Welchen fachlichen und beruflichen Hintergrund haben sie? In welchem Publikationsorgan wurde der Beitrag veröffentlicht? Wem gehört es, wie ist es finanziert? Erste Anhaltspunkte liefert hierzu das jeweilige Impressum.

Es gibt viele Medien, die einen hohen journalistischen Standard erfüllen, der den Einsatz von Fake News verbietet. Auf diese sollte man sich verlassen, um sich zu informieren. Andere Publikationen werden hingegen mit dem Ziel veröffentlicht, die Stimmung zu bestimmten Themen anzuheizen. Hinzu kommt, dass Posts, die in sozialen Medien abgesetzt werden, keinerlei redaktioneller Kontrolle unterliegen.  Hier kann zunächst einmal alles geäußert werden, was nicht gegen Gesetze verstößt.

Hespers: Aber auch die Inhalte einer Meldung können hinterfragt werden: Werden Fakten präsentiert und Quellen dafür genannt, oder nur Behauptungen aufgestellt? Spricht die Meldung in erster Linie Emotionen an? Ist sie inhaltlich ausgewogen? Werden unterschiedliche Perspektiven wiedergegeben? Realistischerweise kann man nicht jede einzelne Meldung eigenständig überprüfen. Es gibt aber Webseiten, die Faktenchecks übernehmen, wie zum Beispiel der ARD-Faktenfinder.

Wie soll die Gesellschaft auf dieses Phänomen reagieren?

Hespers: Es ist essenziell, dass die Mitglieder einer Gesellschaft, angefangen von Kindern im Grundschulalter bis hin zu allen wahlberechtigten Personen, wissen, dass Fake News mit bestimmten Absichten verbreitet werden. Nur dann kann auch ein reflektierter Umgang mit diesem Phänomen stattfinden. Deshalb ist es wichtig, auf verschiedenen Kanälen über dieses Thema aufzuklären – sei es in den Medien, in Büchern oder in Schulen und Universitäten.

Ihre Ergebnisse haben die beiden FAU-Forscherinnen jüngst in einem Buch mit dem Titel „Alternative Wirklichkeiten? Wie Fake News und Verschwörungstheorien funktionieren und warum sie Aktualität haben“ veröffentlicht.

Weitere Informationen:

Dr. Katrin Götz-Votteler
Tel.: 09131/85-23048
katrin.goetz-votteler@fau.de

Dr. Simone Hespers
Tel.: 09131/85-23048
simone.hespers@fau.de

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