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Wie Big Data Patienten helfen

Elektronische Krankenakten sammeln gigantische Datenmengen, die mit neuen Technologien besser verwaltet werden sollen. (Bild: Panthermedia)

Elektronische Krankenakten sammeln gigantische Datenmengen, die mit neuen Technologien besser verwaltet werden sollen. (Bild: Panthermedia)

Tagung an der FAU über moderne IT-Technologien in der Medizin

In den vergangenen Jahren ist die Menge elektronisch gespeicherter Daten rund um den Globus geradezu explodiert. Um aus diesem Informationsschatz Wissen zu gewinnen, sind intelligente Datenbanken und ausgefeilte Plattformen nötig. Gerade für die medizinische Forschung bieten sich viele neue Ansätze, um Patienten besser von ihren Ergebnissen profitieren zu lassen. Der Lehrstuhl für Medizinische Informatik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) veranstaltet zu diesem Thema von 25. bis 27. März 2013 eine internationale Tagung – Medienvertreter sind dazu herzlich eingeladen.

Tag für Tag werden in Krankenhäusern und Arztpraxen immense Datenmengen zu Krankheitsverläufen oder verordneten Arzneimitteln abgespeichert. Doch eine systematische Auswertung der Daten für die Wissenschaft steht derzeit noch am Anfang: Meist ist einfach die erforderliche IT-Infrastruktur wie anwenderfreundliche Programme, einheitliche Standards oder eine Vernetzung verschiedener Einrichtungen nur teilweise oder gar nicht vorhanden.

Rund um IT und Medizin dreht sich das Symposium am 26. und 27. März 2013. Die Experten aus Deutschland, USA, Großbritannien, Frankreich und Italien gehen der Frage auf den Grund, wie die enormen Datenmengen aus elektronischen Krankenakten sinnvoll zur Qualitätssicherung in der Krankenversorgung und Optimierung der medizinischen Forschung genutzt werden können. Mehr Sicherheit für Patienten versprechen sie sich beispielsweise von Programmen, die Ärzte und medizinisches Personal in Krankenhäusern und Arztpraxen unterstützen: Alle verschriebenen Arzneimittel werden am PC erfasst und es gibt automatische Warnungen, falls die Dosierung nicht stimmt oder eine gefährliche Wechselwirkung mit anderen Medikamenten, die der Patient einnimmt, besteht.

Die Fachleute beschäftigen sich zudem damit, wie vorhandene Daten, angefangen von Krankenakten (einschließlich der vielen freitextlichen Befunde) bis hin zu Bevölkerungsstatistiken für die medizinische Forschung genutzt werden können. In diesem Zusammenhang werden das Potenzial, aber auch die datenschutzrechtlichen Rahmenbedingungen des Cloud-Computing vorgestellt. Abschließend wird diskutiert, inwieweit die Medizin überhaupt schon in der Lage ist, Erkenntnisse aus diesen Big Data zu gewinnen.

Ein spezieller Workshop, der bereits am 25. und 26. März mit Referenten aus Europa und den USA stattfindet, widmet sich der Software i2b2. Die Plattform wurde von der Harvard Medical School in den USA entwickelt und unter anderem von Medizininformatikern der FAU für den Einsatz in Deutschland angepasst und erweitert. Im Kern geht es darum, klinische Daten für die Forschung zugänglich zu machen.

Wenn beispielsweise ein Wissenschaftler zu einem speziellen Thema forscht, kann er auf Knopfdruck herausfinden, welche Informationen in Krankenhäusern und Kliniken dazu bereits vorliegen. Oder er kann für eine klinische Studie anhand der Daten aus elektronischen Krankenakten die passenden Patienten rekrutieren. Die Durchführung klinischer Studien kann dadurch beschleunigt und Ergebnisse daraus können schneller im Klinikalltag umgesetzt werden. So profitieren Patienten zeitnah von den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaftler.

Medizinische Informatik schlägt Brücke zwischen Medizin und Technik

Der Anlass für die beiden Veranstaltungen ist das zehnjährige Bestehen des Lehrstuhls für Medizinische Informatik an der FAU. „Mit dem Lehrstuhl geben wir wichtige Impulse für den Medizin- und Technikstandort und leisten zudem einen wesentlichen Betrag für die Metropolregion als internationale Topadresse für innovative Technologien“, betont Prof. Dr. Joachim Hornegger, Vizepräsident der FAU und zuständig für Forschung. Der Stiftungslehrstuhl wurde im Januar 2003 innerhalb der Medizinischen Fakultät gegründet, um eine Brücke zwischen Medizin und Technik zu schlagen.

Dementsprechend lehren die Mitarbeiter um Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Hans-Ulrich Prokosch innerhalb von vier Studiengängen, nämlich Humanmedizin und Medical Process Management an der Medizinischen Fakultät sowie Informatik und Medizintechnik an der Technischen Fakultät. Gleichzeitig ist Prof. Dr. Hans-Ulrich Prokosch als Chief Information Officer (CIO) des Universitätsklinikums Erlangen für die dortige Gestaltung und Weiterentwicklung der IT verantwortlich. „Mit dieser Doppelfunktion verbinden wir innovative Forschungsprojekte und die IT-Infrastruktur des Uni-Klinikums Erlangen auf optimale Weise“, erklärt Prof. Dr. Hans-Ulrich Prokosch.

Schwerpunktmäßig forscht der Lehrstuhl derzeit innerhalb des nationalen Spitzenclusters Medizintechnik des Medical Valley Europäische Metropolregion Nürnberg (EMN). Ein Projekt beschäftigt sich damit, wie sich innovative Produkte aus der Medizintechnik in Zukunft auf das Gesundheitswesen auswirken werden. Ein zweites Projekt hat zum Ziel, in der Psychiatrie Medikamente besser auf den einzelnen Patienten abzustimmen und dabei besonders die chemische Struktur und die Wirkstoffeigenschaften zu berücksichtigen.

Außerdem kooperiert der Lehrstuhl deutschlandweit und international mit verschiedenen Forschungseinrichtungen: Zum Beispiel entwickeln die Wissenschaftler das webbasierte Angebot eHealthMonitor, das für jeden interessierten Internetnutzer individuell abgestimmte Informationen zu Krankheiten und deren Behandlungen bietet. Für die medizinische Forschung arbeiten sie an einer Reihe von Programmen, die die einzelnen Schritte rund um klinische Studien von der Patientenrekrutierung über die Durchführung bis hin zur Überwachung bereits zugelassener Medikamente umfasst. Ebenfalls für die Wissenschaft entwerfen sie eine Forschungsplattform mit dem Namen Cloud4Health, bei der in einer Datencloud gesammelten Dokumente wie Arztbriefe, OP-Berichte oder Befunde automatisch auf die verschiedensten Fragestellungen ausgewertet werden können.

Das Programm des Symposiums: www.imi.med.uni-erlangen.de/10-jahre-mi

Das Programm des Workshops: www.pg-ss.imi.uni-erlangen.de

Weitere Informationen für die Medien:

Prof. Dr. Hans-Ulrich Prokosch
Tel.: 09131/85-26720
ulli.prokosch@imi.med.uni-erlangen.de

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