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Verwandlungskünstler im Fokus der Forschung

Dr. Heiko Bruns erhält 70.000 Euro von der Erich und Gertrud Roggenbuck-Stiftung.

Dr. Heiko Bruns erforscht entartete B-Zellen. (Bild: Uni-Klinikum Erlangen)

Dr. Heiko Bruns erforscht entartete B-Zellen. (Bild: Uni-Klinikum Erlangen)

Entartete B-Zellen, sogenannte maligne Lymphome, sind echte Verwandlungskünstler. Sie können ihr „Aussehen“ ändern und sich in andere Zelltypen, sogenannte Makrophagen oder Fresszellen, verwandeln. Klingt faszinierend, ist für Patienten aber unter Umständen ein echter Nachteil. Dr. Heiko Bruns, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Medizinischen Klinik 5 – Hämatologie und Internistische Onkologie (Direktor: Prof. Dr. Andreas Mackensen) des Universitätsklinikums Erlangen der FAU, nimmt die Verwandlungskünstler in seinem aktuellen Forschungsprojekt genau unter die Lupe und wird dabei von der Erich und Gertrud Roggenbuck-Stiftung mit 70.000 Euro gefördert. Sein Ziel ist es, eine schonendere sowie zielgerichtetere Therapie insbesondere für Patienten mit Lymphdrüsenkrebs zu entwickeln.

„Die Wissenschaft weiß schon seit Längerem, dass in verschiedenen Tumoren Makrophagen vorhanden sind und dass deren Präsenz Einfluss auf das Ansprechen auf eine Chemotherapie, aber auch auf das Überleben der Patienten hat“, erklärt Dr. Heiko Bruns, der als Postdoc in der Arbeitsgruppe zelluläre Immuntherapie (Leiter: Prof. Dr. Armin Gerbitz) tätig ist. „Im Lymphdrüsenkrebs scheinen diese Makrophagen teilweise aus den entarteten B-Zellen zu entstehen, tragen also das Erbgut der Tumorzellen in sich, werden vom Immunsystem aber nicht als ‚böse‘ erkannt, weil sie ja vermeintlich Teile desselben sind – also scheinbar zu den Guten gehören.“ Da sich die so umgewandelten bösartigen Zellen auch nicht mehr vermehren, sind sie darüber hinaus für eine Chemotherapie unempfindlich.

Heißt das, dass eine Behandlung mit Chemotherapeutika bei einem betroffenen Patienten zwar die sich teilenden Tumorzellen zerstört, aber verwandelte, sich nicht mehr teilende Fresszellen nicht erreicht? Besteht demnach die Gefahr eines Rezidivs, also eines Wiederauftretens der Erkrankung, wenn eine Rückverwandlung in die maligne Tumorzelle erfolgt? Diesen Fragen geht Dr. Bruns nach. Zunächst beobachtete er die entarteten Makrophagen sowie ihr Verhalten in Zellen der Maus.

In Kooperation mit der Nephropathologischen Abteilung (Leiterin: Prof. Dr. Kerstin Amann) des Uni-Klinikums Erlangen nimmt er nun die Zellen des Immunsystems von Patienten mit Lymphdrüsenkrebs unter die Lupe. Dabei verfolgen die Wissenschaftler gemeinsam das Ziel, eine Behandlung zu entwickeln, die tatsächlich alle Krebszellen beseitigt: auch diejenigen, die sich verwandeln und verstecken. „Wir wollen beispielsweise mit einer Chemotherapie nicht nur den Tumor treffen, sondern sein ganzes Stroma, also sein ganzes Gerüst“, veranschaulicht Heiko Bruns.

Die Erich und Gertrud Roggenbuck-Stiftung zur Förderung der Krebsforschung unterstützt wissenschaftliche Arbeiten, die sich mit den Ursachen, dem Entstehen und der Therapie von Krebserkrankungen beschäftigen. Mehr Informationen zur Stiftung: www.roggenbuck-stiftung.de

Weitere Informationen:

Dr. Heiko Bruns
Tel.: 09131/85-43162
heiko.bruns@uk-erlangen.de

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