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FAU aktuell

Ein Nürnberger Weitspringer sitzt im Bob

Kevin Korona bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi. (Bild: Privat)

Kevin Korona bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi. (Bild: Privat)

Vor einem Jahr hatte der FAU-Student Kevin Korona noch gar nichts mit Wintersport zu tun – dann reiste er als Ersatzmann für das deutsche Bobteam zu den Olympischen Spielen nach Sotschi. Wie kam es dazu? Wir führten mit dem Lehramtsstudenten ein Interview.

Sie sind Lehramtsstudent, Leichtathlet und haben mit dem deutschen Bobteam an den diesjährigen Olympischen Spielen in Russland teilgenommen. Wie kam es dazu?

Ich studiere Sport und Wirtschaftswissenschaften an der FAU und bin mehrfacher bayerischer Meister im Weitsprung. Mein Traum war, acht Meter weit zu springen, aber eine Verletzung hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht – speziell die Weitsprungbewegung hat mir solche Rückenschmerzen verursacht, dass ans Springen nicht mehr zu denken war. Dann hat ein Freund gesagt: Komm doch mal mit zum Bobfahren. Ich dache erst, das hat doch keinen Sinn, ich bin doch viel zu leicht, um einen über 200 Kilo schweren 4-Mann-Bob zu bewegen. Aber dann bin ich im Juli 2013 mit nach Berchtesgaden zum Mannschaftstraining von meinem Freund und habe mich dort richtig gut angestellt.

Ich war hier! Was nicht zu sehen ist: Für sein Foto mit den olympischen Ringen musste FAU-Student Kevin Korona Schlange stehen. (Bild: Privat)

Ich war hier! Was nicht zu sehen ist: Für sein Foto mit den olympischen Ringen musste FAU-Student Kevin Korona Schlange stehen. (Bild: Privat)

Wie haben Sie es in das deutsche Olympia-Bobteam geschafft?

Weil ich mich beim Anschubtest im September gut präsentiert habe, wurde ich direkt zum Europa- und danach zum Weltcup mitgenommen. Mir kam es zu gute, dass beim Weitsprung wie beim Bob-Anschieben viel Kraft und Schnelligkeit gebraucht werden – und ich habe bewiesen, dass ich in kurzer Zeit die Technik lernen kann. Unter der Woche wurde trainiert und an den Wochenenden bin ich dann Rennen gefahren – mit meinem Junioren Team haben wir den Gesamteuropacup gewonnen!

Im Dezember bin ich dann zum zweiten, alles entscheidenden Olympia-Anschubtest angetreten, da wurde ich insgesamt Zweiter – ein Quereinsteiger, der im September noch nie in einem Bob gesessen hat. Ich war ganz schön aufgeregt, weil ich keine Zeit hatte mich speziell vorzubereiten – aber es lief hervorragend.

Dass ich dann mit nach Sotschi darf, haben mindestens 24 Menschen vor mir erfahren – so viele Glückwunsch-Nachrichten waren nämlich auf meinem Handy. Nach einem Telefonat mit dem Bundestrainer war es dann auch offiziell und ich wusste: ich bin dabei.

Sie sind als Ersatzmann mit nach Sotschi – was genau war Ihr Job dort?

Was tut ein Anschieber? Anschieben! Das heißt den Schlitten von Null auf 100 beschleunigen und am Schluss zum Stehen bringen. Aus taktischen und technischen Gründen saß ich bei Trainingsfahrten im Bob. Neben dem Bahntraining habe ich mich durch das Athletiktraining auf einen möglichen Einsatz vorbereitet. Es hätte schließlich jederzeit passieren können, dass ich einspringen kann. Außerdem kümmert sich der Anschieber um die Gerätepflege, das heißt, der Bob muss immer in einem einwandfreien Zustand sein – unter anderem müssen die Kufen gepflegt , die Schrauben nachgezogen und die Verbindungen geprüft sein. Damit hält man dem Piloten den Rücken frei.

Keine Sieger- sondern eine Leuchtmedaille für Kevin Korona: Alle Sportler waren bei der Olympia-Abschlussfeier teil der Licht-Choreografie. (Bild: Privat)

Keine Sieger- sondern eine Leuchtmedaille für Kevin Korona: Alle Sportler waren bei der Olympia-Abschlussfeier teil der Licht-Choreografie. (Bild: Privat)

Wie war es in Sotschi mit dabei zu sein, in dem riesigen Olympiastadion zu sitzen und mit den anderen Sportlern mitzufiebern?

Nach wenigen Tagen in Sotschi sind wir ins Trainingslager nach Istanbul geflogen. Unser Bundestrainer wollte, dass wir uns ganz auf den Sport konzentrieren und einen „Lagerkollaps“ vermeiden. Dadurch konnten wir an der Eröffnungsfeier nicht teilnehmen. Das olympische Feuer brannte schon, als wir wieder im olympischen Dorf angekommen sind. In Sotschi gab es kaum gute Trainingsbedingungen: So mussten zum Beispiel Sprünge auf den betonierten Straßen absolviert werden. Dafür gab es im olympischen Dorf ein viele Unterhaltungsmöglichkeiten wie beispielsweise eine Spielhalle und eine DVD-Lounge. Die Atmosphäre war einzigartig: Menschen aus den verschiedensten Ecken der Welt zusammen an einem Ort. Olympia ist eine bunte Mischung aus allen Kulturen dieser Welt, bei dem sich alle gut verstehen – ein tolles Event!

Von den Wettkämpfen der anderen Disziplinen habe ich mir keinen angeschaut, da unsere Fahrten am letzten Olympiawochenende stattfanden und jeder fleißig trainiert hat. Wir hätten sogar fast die Abschlussfeier verpasst. Die war der Wahnsinn, alle haben geklatscht als wir eingelaufen sind. Die vielen Lichter und Farben – Gänsehaut-Feeling pur. Ich habe richtig gemerkt: Ich bin ein Teil von Olympia. Es war atemberaubend.

Wie haben Sie die Kritik an den Leistungen der Bobmannschaft erlebt?

Im Olympischen Dorf hatten wir weder Fernsehen noch Zeitschriften. Im Netz haben wir aber von der Kritik mitbekommen. Die Stimmung im Team war so gut, dass sich trotzdem alle auf den Wettkampf fokussiert haben. Alle waren euphorisch und mental so stark, dass man sich über die Kritik keine Gedanken gemacht hat. Selbst vom Bundestrainer gab es keinen negativen Druck. Vier Jahre haben alle auf diesen Moment hintrainiert, da gibt man einfach das Beste. Die Kritik hat da eher noch angespornt, es besser zu machen.

Sport spielt eine große Rolle in Ihrem Leben. Haben Sie für die Winterspiele Ihr Studium auf Eis gelegt?

Beim Weitsprung war es noch gar kein Problem das Studium mit den drei Stunden Training täglich und den Wettkämpfen am Wochenende zu vereinen. Mit dem Bob geht das nicht so einfach – da bin ich an so vielen unterschiedlichen Orten unterwegs. Seit Oktober vergangenen Jahres war ich nur zwei Wochen am Stück zu Hause. Meine Dozenten waren deshalb so nett, meine Prüfungstermine zu verschieben. Ich bin schon fast fertig mit dem Studium, mir fehlen nur noch ein paar Prüfungsleistungen. Vielleicht lege ich noch ein Urlaubssemester ein. Beenden will ich mein Studium aber auf jeden Fall – es gibt ja auch noch ein Leben nach dem Sport.

Welche Ziele verfolgen Sie momentan?

Den Weltcup mitzufahren und bei der Heim-WM in Winterberg auf dem Podium zu stehen. Erreichbare Ziele, wenn die Vorbereitungen und die kommende Saison verletzungsfrei bleiben. Mein Wunsch: Bester Anschieber Deutschlands werden.

Ein kleiner Ausblick in die Zukunft: Treten Sie 2018 in Pyeongchang an?

Ich will in Südkorea unbedingt einen Stammplatz im Bob und eine Medaille mit nach Hause bringen.

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