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Menschenwürdig leben bis ins hohe Alter

Prof. Dr. Andreas Frewer von der Professur für Ethik in der Medizin im Interview (Bild: FAU/Andreas Frewer)

Ein neues Graduiertenkolleg an der FAU fördert das Bewusstsein für ältere Menschen

Wissenschaft und Medizin helfen dem Menschen heutzutage in der Regel zu einem langen Leben bis ins hohe Alter. Um älteren Menschen jedoch auch ein gutes und menschenwürdiges Leben zu ermöglichen, muss in der Gesellschaft ein soziales Umdenken stattfinden. Das Bewusstsein für eine gerechte und angemessene Behandlung älterer Menschen soll gefördert werden – dazu ist seit diesem Sommersemester an der FAU ein neues Forschungskolleg im Gebiet „Menschenrechte und Ethik in der Medizin für Ältere“ gestartet. Prof. Dr. Andreas Frewer von der Professur für Ethik in der Medizin erklärt in einem Interview mit FAU aktuell, welche Forschungsfragen das neue, von der Kraft-Stiftung geförderte Graduiertenkolleg bearbeitet und weshalb das Themenfeld wichtig ist.

Prof. Frewer, mit welchen Fragestellungen beschäftigt sich das neue Graduiertenkolleg?

Seit dem Sommersemester 2018 arbeiten zehn Stipendiaten, acht Betreuer und zwei Koordinatoren unter anderem an folgenden Forschungsschwerpunkten: Feststellung des Willens und Autonomie älterer Patienten, zum Beispiel mit Patientenverfügung und Advance Care Planning, Big Data in der Lebenswelt Älterer, Versorgung von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen im Akutkrankenhaus, Betreuung älterer Patienten mit Depression, Ethikberatung in der Altenhilfe, soziale Teilhabe älterer Menschen, Betreuung schwerkranker und sterbender Patienten. Übergreifend geht es um den Schutz älterer Menschen in vulnerablen Situationen sowie die Vermeidung von Stigmatisierung und Altersdiskriminierung im Gesundheitswesen.

Warum ist das Thema wichtig?

Wir werden in unserer Gesellschaft glücklicherweise immer älter, aber für diese „gewonnenen Jahre“ müssen auch Gleichheit und Gerechtigkeit sowie vor allem eine gute medizinische Versorgung und angemessene Pflege gewährleistet werden. Moralische und menschenrechtliche Fragen in der Medizin nehmen daher immer stärker an Bedeutung zu, denn eine Benachteiligung aufgrund höheren Alters ist ethisch nicht legitim.

Wie viel Aufmerksamkeit erhält dieses Thema momentan in unserer Gesellschaft?

In Deutschland werden diese Bereiche erst langsam entdeckt und weiterentwickelt – es könnte insgesamt noch deutlich mehr an Aufmerksamkeit wie auch Achtsamkeit für Menschen in höherem Lebensalter geben. In den Bereichen Pflege und Geriatrie gilt es strukturelle Versäumnisse aufzuholen und hohe Qualitätsstandards auch in der Breite umzusetzen. Das Deutsche Institut für Menschenrechte in Berlin hat dabei schon vor Jahren auf gravierende Mängel hierzulande hingewiesen. Unser Graduiertenkolleg möchte einen kleinen Beitrag zur Verbesserung der Situation leisten.

Wie wird das Thema international behandelt?

Auch global nimmt die Bedeutung von ethischen und menschenrechtlichen Fragen bei älteren Menschen deutlich zu. In der Welt gibt es naturgemäß ganz unterschiedliche Herangehensweisen und Thematisierungen: In Latein- und Südamerika etwa hat es interessanter Weise schon seit längerer Zeit Entwicklungen hin zu einer internationalen Konvention für die Rechte älterer Menschen gegeben. Bisher ist dies aber auf Ebene der Vereinten Nationen noch nicht umgesetzt, geschweige denn flächendeckend in Europa berücksichtigt worden. Von einer breiten Berücksichtigung der Menschenrechte und Ethik für Ältere als nachhaltige Inklusion auch der schwächsten Patientengruppen sind wir global leider noch weit entfernt.

Weitere Informationen:

Webseite zum Graduiertenkolleg
Prof. Dr. Andreas Frewer, M.A.
Tel.: 09131/85-26431
andreas.frewer@fau.de

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