Filmreife (geowissenschaftliche) Forschung

Gruppenfoto
Die Gewinnerinnen und Gewinner des Filmwettbewerbs. (Bild: FAU/Boris Mijat)

FAU-Studierende zeigen ihre wissenschaftlichen Projekte in Filmform

Wie präsentiere ich meine Forschung der breiten Öffentlichkeit? Darum ging es im Kurs „Science Communication“ im Rahmen des Masters Geowissenschaften, in dem Studierende selbst Filme über ihre Forschung konzipiert und vor der Kamera über ihre Projekte gesprochen haben.

Die Videos haben sie bei einem Filmwettbewerb präsentiert. Die Erstplatzierte Najat Al Fudhaili und die beiden Zweitplatzierten Danijela Dimitrijević und Niklas Hohmann, deren Videos die gleiche Punktzahl erreicht haben, sprechen in Interviews über ihr Projekt, das Drehbuchschreiben und das Filmemachen an sich.

Gruppe vor Präsentation
Die Filme wurden im Learning Lab der FAU präsentiert, das Publikum durfte die besten drei bestimmen. Im Bild sind die Gewinnerinnen und Gewinner Danijela Dimitrijević, Najat Al Fudhaili und Niklas Hohmann sowie Dr. Emilia Jarochowska, Lehrstuhl für Paläoumwelt, (v.r.n.l.) zu sehen. (Bild: Joanna Nogly)

Platz 1: „The President of The Omani Bivalve Association” von Najat Al Fudhaili

Portrait Najat Al Fudhailis
Najat Al Fudhailis Film hat dem Publikum am besten gefallen. (Bild: FAU/Boris Mijat)

Um was geht es bei Ihrem Forschungsprojekt?

Das Ziel meines Projekts war es, verschiedene Muschelarten zu untersuchen, ihre Wachstumsrate und Lebensdauer zu schätzen. Diese Muscheln neigen dazu, ihre Lebensgeschichte in ihren Schalen zu speichern, die durch vermutlich jährliche externe Wachstumsbänder mit feineren internen Wachstumslinien gekennzeichnet sind. Dadurch ist zudem erkennbar, unter welchen Umweltbedingungen die Muscheln in der Regel wachsen.

Wie sind Sie auf die Idee für Ihr Video gekommen?

Ich habe versucht, mein Projekt der Öffentlichkeit möglichst einfach zu erklären, damit es alle verstehen können.

Was war im Laufe des Filmprojekts am schwierigsten?

Vor der Kamera zu stehen war anfangs schwierig, besonders meine Körper- und Handbewegungen zu kontrollieren. Auch das Filmkonzept selbst zu entwickeln und einfache Begriffe zu verwenden, die für das Publikum verständlich sind, ohne die wissenschaftliche Aussage zu verlieren, war nicht leicht!

Hatten Sie bereits Erfahrungen im Filmemachen?

Mit dem Videodrehen kam ich zum ersten Mal in der Schule in Kontakt, als ich in der vierten Klasse war. Das war aber etwas ganz anderes als dieses wissenschaftliche Projekt.

Was hat Ihnen besonders gefallen?

Die Dreharbeiten haben Spaß gemacht. Die Pannen bei der Vorführung anzuschauen, war das beste Erlebnis.

Welche Tipps haben Sie für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Ihre Forschung an die Öffentlichkeit tragen wollen?

Macht es kurz, einfach und versucht, einige Materialien und Themen zu verwenden, die für das Publikum interessant sind.


Platz 2: „Fishy time travelling” von Danijela Dimitrijević

Portrait Danijela Dimitrijević
Danijela Dimitrijević hat sich mit den Beziehungen zwischen verschiedenen Fischarten beschäftigt. (Bild: FAU/Boris Mijat)

Um was geht es bei Ihrem Forschungsprojekt?

Ich habe mich mit den Beziehungen zwischen verschiedenen Fischarten, die bei der Fossilfundstelle Solnhofener Plattenkalke gefunden wurden, beschäftigt. Ich habe geochemische Methoden benutzt, um Informationen über deren Ernährungsweise zu extrahieren. Dabei habe ich das Verhältnis von Strontium-, Kalzium- und Bariumelementen gemessen. Die, die an der Spitze der Nahrungskette stehen, haben geringere Werte. So konnte ich herausfinden, wer wen gefressen hat.

Wie sind Sie auf die Idee für Ihr Video gekommen?

Es kam alles ziemlich spontan. Wir sollten das Drehbuch selbst schreiben. Das hat etwas gedauert, aber die ganze Zeit über habe ich junge Leute oder solche, die nicht in direktem Kontakt mit der Wissenschaft stehen, als Zielgruppe eingeplant. Also habe ich das Konzept auf dieses Publikum zugeschnitten.

Was war im Laufe des Filmprojekts am schwierigsten?

Definitiv gefilmt zu werden, aber nur beim ersten Mal. Ein Professor sagte, dass mein Gesicht im ersten Video wie eingefroren wirkte. Beim zweiten Mal habe ich mich bereits etwas entspannt und das ist deutlich sichtbar. Und natürlich war das Schreiben des Drehbuchs anspruchsvoll.

Hatten Sie bereits Erfahrungen im Filmemachen?

Für mich war es das erste Mal, dass ich gefilmt wurde und ein Drehbuch geschrieben habe.

Was hat Ihnen besonders gefallen?

Ich fand es schön, dass wir auch in einem Steinbruch gedreht haben. Danach haben wir dann noch zusammen Fossilien gesammelt. Das Anschauen der Outtakes bei der Präsentation war auch unglaublich witzig.

Welche Tipps haben Sie für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Ihre Forschung an die Öffentlichkeit tragen wollen?

Versucht, es einfach zu machen, euch mit dem Publikum zu identifizieren und dass es den Zuschauerinnen und Zuschauern Spaß macht. Und während des Filmens: Entspannt euch.


Platz 2: „Paleontology – More Than Just Dinosaurs” von Niklas Hohmann

Portrait Niklas Hohmann
„Paläontologie – mehr als nur Dinosaurier“, so lautet der Titel des Films, den Niklas Hohmann konzipiert hat. (Bild: FAU/Boris Mijat)

Um was geht es bei Ihrem Forschungsprojekt?

In meinem Projekt ging es darum, wie ökologische Parameter in Fossilien erhalten bleiben und wie wir aus Fossilien auf die Anzahl lang abgestorbener Organismen schließen können. Ich habe mathematische Modelle kombiniert und darauf aufbauend statistische Methoden entwickelt. Zusätzlich habe ich Bohrkerne aus der Adriatischen See untersucht.

Wie sind Sie auf die Idee für Ihr Video gekommen?

Ich habe mich gefragt, was ich vermitteln will und wie ich das mit Inhalten füllen kann, also was ich eigentlich sagen will. Im letzten Schritt habe ich darüber nachgedacht, was ich zeigen sollte, damit die Leute nicht einschlafen, wenn ich fünf Minuten lang spreche. Es kann durchaus eine witzige Idee sein, mit der man sein Projekt Laien gegenüber darstellt.

Was war im Laufe des Filmprojekts am schwierigsten?

Ich habe alle Videos geschnitten und das Schwierigste war, mein eigenes Video zu bearbeiten. Es ist sehr seltsam, die eigene Sprachaufnahme und Stimme zu hören – besonders für fünf bis sechs Stunden in der Wiederholung.

Hatten Sie bereits Erfahrungen im Filmemachen?

Ich habe einen Kurs beim Institut für Lern-Innovation der FAU gemacht, bei dem ich für kurze Zeit vor der Kamera stand. Außerdem habe ich an einem Online-Kongress teilgenommen, für den ich drei Präsentationen aufgezeichnet habe. Das ist aber etwas ganz anderes, da solche Beiträge sehr formell und wissenschaftlich sein dürfen. Bei diesem Projekt durften wir keine Fachbegriffe benutzen und hatten die strikte Vorgabe, dass die Videos nur zwischen fünf und acht Minuten lang sein dürfen.

Was hat Ihnen besonders gefallen?

Es hat mir Spaß gemacht, das Drehbuch zu schreiben. Das ist eine ganz besondere Art des Schreibens. Ich musste sehr dicht und einfach zugleich formulieren, was ein Wissenschaftler oder eine Wissenschaftlerin sonst normalerweise nicht tut.

Welche Tipps haben Sie für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Ihre Forschung an die Öffentlichkeit tragen wollen?

Es wird keinen Spaß im klassischen Sinne machen, es ist eine Menge harte Arbeit. Jeden Fehler, den du in den ersten Schritten machst, wirst du im 20. Schritt bereuen. Dir werden das Filmen und das Video auf dem Weg nicht immer gefallen, aber das Ergebnis lohnt sich. Und du tust es nicht für dich selbst, sondern für die Zuschauerinnen, Zuschauer und die Wissenschaft.


Die Videos sowie fünf weitere sind auch auf dem neuen Youtube-Kanal des Geozentrums zu finden.

Kontakt:

Dr. Emilia Jarochowska
Tel.: 09131/85-22967
emilia.jarochowska@fau.de