Navigation

Wie Tinnitus entsteht

Frau mit Finger am Ohr und vor Schmerz verzerrtem Gesicht
Circa drei Millionen Menschen in Deutschland sind von chronischem Tinnitus betroffen. Woher kommt das chronische Pfeifen? Bild: Colourbox.de

FAU-Forschungsteam erklärt chronisches Ohrgeräusch mit computerbasiertem Modell

Am Mittwoch, 29. April, ist der International Noise Awareness Day. Der Tag soll Menschen daran erinnern, sich gegen Lärm zu schützen. Doch was, wenn der Lärm gar nicht von außen kommt? Circa drei Millionen Menschen in Deutschland sind von chronischem Tinnitus betroffen. Woher das chronische Pfeifen im Ohr kommt, dafür gibt es verschiedene Thesen. Ein Forschungsteam der FAU kann dessen Entstehung anhand eines computerbasierten Modells erklären.

Patrick Krauss

Dr. Patrick Krauss, Professur für Experimentelle HNO-Heilkunde. (Bild: Patrick Krauss)

FAU-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler um Dr. Patrick Krauss, Professur für Experimentelle HNO-Heilkunde, haben ein Modell entwickelt, das Tinnitus besser erklärt als bisherige. Als Grundlage dient die „Stochastische Resonanz“: „Wenn ein Signal zu schwach ist, um von einem Sensor gemessen zu werden, kann ein Zufallssignal, ein Rauschen, beigemischt werden, um es detektierbar zu machen“, erklärt Krauss. Beim gesunden Hören wird Stochastische Resonanz vom Gehirn genutzt, um die Signalübertragung vom Ohr ins Gehirn in sich ständig wechselnden akustischen Umgebungen zu optimieren. Wird zu wenig Signal ins Gehirn übertragen, zum Beispiel aufgrund eines Hörschadens, wird das Rauschen vom Gehirn verstärkt, um den Hörverlust zumindest teilweise auszugleichen. Das stärkere Rauschen entspricht der erhöhten Nervenzellaktivität entlang der Hörbahn bei Tinnitus.

Das Forschungsprojekt wird ab Mai mit 400.000 Euro von der DFG unterstützt. Durch Computersimulationen soll dann das bestehende Modell erweitert und verfeinert werden, um darauf aufbauend neue Behandlungsstrategie zu entwickeln: „Ein vom Gehirn erhöhtes inneres Nervenzellrauschen, welches als Tinnitus wahrgenommen wird, könnte beispielsweise durch äußeres akustisches Rauschen ersetzt werden“, sagt Krauss.

Weitere Informationen:

Dr. Patrick Krauss
patrick.krauss@uk-erlangen.de

Weitere Hinweise zum Webauftritt