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Masterarbeit in Corona-Zeiten

Leo schreibt seine Masterarbeit im Fach Politikwissenschaften. Hier erzählt er, vor welche Herausforderungen Corona ihn stellt. (Foto: FAU/Oliver Wolf).

Der Kampf gegen die Motivationslosigkeit

Ich bin Leo, 26, und schreibe gerade meine Masterarbeit im Studiengang Politikwissenschaften mit dem Thema „Kriegsdiskurse im Deutschen Bundestag“. Doch während ich versuche die Argumente für und gegen den Krieg im Kosovo und Afghanistan herauszuarbeiten, führe ich selbst einen nervenaufreibenden Kampf: Den Kampf gegen die Motivationslosigkeit in Corona-Zeiten!

Zeit allein reicht nicht

Zu Beginn der „zweiten Welle“ dachte ich: Wenigsten kann ich die Masterarbeit jetzt schneller durchziehen. Keine Kneipenabende, keine WG-Feiern bis in die Morgenstunden – viel Zeit zum Schreiben. Wenn sowieso jeder zuhause sitzt, gibt es schließlich auch nichts zu verpassen. Doch mit der zweiten Ausgangssperre blieb nicht nur das „was geht heute?“ über meine Messengerdienste aus, auch meine Motivation ging flöten. Ich merkte, wie sehr mein Gehirn auf Belohnung getrimmt ist: Am Vormittag Masterarbeit, nachmittags Sport und Freunde. Das Wichtige dabei ist vor allem die Abwechslung. Nach Wochen des Lockdowns ist bei den meisten Studierenden Netflix zur Abendroutine geworden. Ich ertappte mich selbst dabei, Verwunderung zu empfinden, wenn jemand beim Einkaufen in einer Serie keine Maske trug und verspürte Sehnsucht nach Aufregung, wenn in Filmen wie „Project X“ eine riesige Party gefeiert wurde. Statt mich zu belohnen, wurde ich eher gereizter.

So klappts mit der Motivation

Zugegeben: Den einen Trick, um motiviert zu bleiben, gibt es nicht. Allerdings hilft es mir, mehrere Aktivitäten als Belohnung bereit zu halten, die nach getaner Arbeit auf mich warten. Bei mir sind das der Spaziergang im Park bei winterlichem Sonnenschein, das Darts-Match gegen meinen Mitbewohner (wer zehn Spiele verloren hat, muss einen Kasten Bier für die WG kaufen) oder ein Treffen mit der Freundin sowie virtuelle Lagebesprechungen mit Mitgefangenen in Skype oder Discord. Wichtig ist, sich wirklich mehrere Dinge zu überlegen, mit denen man sich belohnen kann! Denn wenn jeder Tag gleich aussieht, da abendlich stets vier Stunden Netflix anstehen, geht die Laune schnell mal den Bach runter.

Der erste Satz ist immer der Schwerste

Auch die Tagesplanung spielt eine Rolle. Ich selbst bin ein Morgenmensch, was das Arbeiten angeht. Das hat den Vorteil, dass ich die Routine entwickelt habe, direkt nach dem Aufstehen mit einem Kaffee oder Tee den Laptop aufzuklappen und das Word-Dokument vor der Nase zu haben. Denn bereits in früheren Semestern habe ich gemerkt, dass der schwierigste Teil am Hausarbeit schreiben jener ist, überhaupt anzufangen.

Während YouTube-Videos oft von der Arbeit ablenken, können diese auch helfen, besser zu arbeiten. Seit etwa einem Jahr folge ich einem Kanal auf YouTube, der von einem Professor für Spieltheorie betrieben wird. Vielleicht kennt der eine oder andere von Euch Prof. Rieck. Eine Sache, die ich für meine Abschlussarbeit von ihm lernen konnte, ist, sich bloß keine Ziele zu setzen.

Setzt Euch keine Ziele!

Die These: Bei Hausarbeiten wollte ich täglich meist ein Kapitel schreiben. Das mag im Bachelorstudium, in welchem die Arbeiten meist 15 bis 20 Seiten umfassen, funktionieren, aber nicht bei großen Abschlussarbeiten. Der Grund: Ziele produzieren meist entweder Faulheit oder Unzufriedenheit. Weil man nach Stunden der Arbeit unbedingt ein Kapitel beenden will, fängt man zum Beispiel an, schlampig zu arbeiten und vergisst wichtige Punkte. In diesen Fällen finde ich es besser, sich einzugestehen, dass man für diesen Morgen genug gearbeitet hat und entweder später oder am nächsten Tag weiterschreibt.

Andererseits kann ein Kapitel – beispielsweise der aktuelle Forschungsstand zu Eurem Thema – auch nach einer Stunde abgehandelt sein. Obwohl die Konzentration noch da ist und die kognitive Leistung überschaubar war, freut man sich ob des Kapitels und klappt den Laptop zu: ein Fehler! Denn eigentlich wäre an diesem Tag mehr drin gewesen. Fazit: Hört in Euch hinein und entscheidet je nach Tagesform, ob Ihr noch konzentriert und motiviert genug seid weiterzuarbeiten.

Aber die Wäsche …

Der letzte wichtige Punkt, den ich von Rieck lernen konnte, ist der, sich nicht zu viele verschieden Aufgaben aufzuladen. Jeder kennt die alltäglichen Zeitdiebe wie Wäsche waschen, saugen oder einkaufen gehen. Das sind kleine und nervige Aufgaben, die man in seiner „To-Do-Liste“ nach hinten schieben sollte. Man versucht viele kleine Aufgaben zu erledigen, welche in der Summe so viel Zeit rauben und demotivieren, dass man das Wesentliche aus den Augen verliert.

Wer von Euch also auch gerade einen Kampf gegen die Motivationslosigkeit führt, der sollte daran erinnert sein, dass es auch in schwierigen Zeiten einfache Wege gibt, diesen zu gewinnen: Erstens, belohnt euch angemessen mit Sachen, die euch nachhaltig Spaß bereiten. Zweitens, setzt euch keine Ziele wie weit Ihr heute mit der Arbeit kommen wollt, sondern richtet Euch nach dem eigenen Empfinden. Drittens, schiebt vergleichsweise unwichtige Aufgaben auf, um Euch auf das Wichtige zu konzentrieren. Dann klappt es auch mit der Motivation.

Viel Erfolg!

Hilfe gesucht?

Auch darüber hinaus gibt es weitere Hilfsangebot der FAU und des Studentenwerks:
Recherchekurse der UB finden regelmäßig online statt und auch das Schreibzentrum veranstaltet Workshops zum wissenschaftlichen und kreativen Schreiben. Außerdem hat die psychologische Beratung des Studentenwerks immer ein offenes Ohr für Probleme aller Art.

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Wie man auch im Homeoffice produktiv und entspannt bleiben kann: Stundentin Hannah verrät wie sie es schafft, zuhause produktiv zu sein.

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