Interview mit Innovatorin und FAU Alumna Maike Kauffmann

Porträt einer Frau mit dunklen Haaren und schwarzem Oberteil.
Maike Kauffmann ist FAU Innovatorin 2022 in der Kategorie Alumni. (Bild: privat)

Ökologische und nachhaltige Praxis in der Wirtschaft

Nachhaltigkeit in der Wirtschaft. Dafür setzt sich FAU Alumna Maike Kauffmann ein. Sie ist aktives Mitglied bei der „Stiftung Verantwortungseigentum“ und unterstützt hier Unternehmen, die einen ökologisch und sozial nachhaltigen Wandel in der Wirtschaft und Gesellschaft vorantreiben wollen. Für ihre Arbeit wurde sie 2022 als FAU Innovatorin in der Kategorie Alumni geehrt. Was das Besondere an ihrer Arbeit ist, was sie antreibt und wie ihre Studienzeit an der FAU sie geprägt hat – das und einiges mehr erzählt Maike Kauffmann im Interview mit dem FAU Alumni-Management.

Frau Kauffmann, für Ihre Tätigkeit in der Stiftung Verantwortungseigentum sind Sie 2022 von Ihrer Alma Mater als FAU Innovatorin in der Kategorie Alumni geehrt worden. Von uns auch nochmals herzlichen Glückwunsch! Was bedeutet Ihnen diese Anerkennung?

Vielen Dank! Ich freue mich vor allem darüber, dass damit das Thema Verantwortungseigentum und allgemein alternative Formen von Unternehmertum und Unternehmenseigentum anerkannt werden – hier stecken soziale Innovationen drin, deren Potential häufig nicht ausreichend erkannt wird.

„Ich kam aus einem Auslandsjahr und wusste, dass ich studieren will, am liebsten Wirtschaft und etwas Internationales. Ich bin in der Nähe von Erlangen aufgewachsen. Das heißt, die FAU war immer schon sehr präsent.“

Erklären Sie uns kurz, was „Verantwortungseigentum“ bedeutet?

Verantwortungseigentum ist ein Eigentumsmodell für Unternehmen, das von vielen Organisationen schon seit Jahrzehnten, sogar Jahrhunderten, gelebt wird. Unternehmen stellen auf rechtlicher Ebene sicher, dass das Unternehmen langfristig der Aufgabe, dem „Purpose“ des Unternehmens dient und dass Stimmrechte des Unternehmens immer bei Menschen liegen, die mit dem Unternehmen verbunden sind. Um das sicherzustellen, haben die Unternehmen eine sogenannte Vermögensbindung rechtlich verankert. Das heißt, dass Eigentümer:innen kein Recht auf das Unternehmensvermögen oder Gewinne haben: Gewinne sind kein Selbstzweck, sondern Mittel zur eigentlichen Aufgabe des Unternehmens.

Und was sind die Ziele der Stiftung Verantwortungseigentum?

Die Stiftung Verantwortungseigentum setzt sich dafür ein, dass dieses Eigentumsmodell bekannter und leichter umsetzbar wird. Unter anderem fordern wir dafür eine neue Rechtsform für Verantwortungseigentum. Unsere Forderung ist, dass Unternehmer:innen, die Verantwortungseigentum umsetzen wollen, die gleichen Möglichkeiten haben dies zu tun wie andere Unternehmer:innen auch.

An der FAU haben Sie International Business Studies studiert. Welche Rolle hat Ihr Studium für Ihren beruflichen Weg gespielt?

Viele der Themen, die die Grundlage dafür bilden, womit ich mich heute beschäftige, kommen aus dem Studium – z.B. ein Verständnis für die international unterschiedlichen Perspektiven auf Unternehmertum, Wirtschaft, Zusammenarbeit. Gleichzeitig habe ich während des Studiums auch gemerkt, dass viele der alternativen Modelle, die wir heute in der Praxis sehen, im Studium noch unterrepräsentiert sind. Das hat für mich auch zu dem Wunsch geführt, jene Modelle in Wissenschaft und Öffentlichkeit bekannter zu machen.

Und warum haben Sie sich damals für die FAU entschieden?

Ich kam aus einem Auslandsjahr und wusste, dass ich studieren will, am liebsten Wirtschaft und etwas Internationales. Ich bin in der Nähe von Erlangen aufgewachsen. Das heißt, die FAU war immer schon sehr präsent, auch weil man Vater dort einige Zeit Professor war. International Business Studies klang für mich spannend, gerade auch dadurch, dass Inhalte auf Englisch vermittelt wurden und Sprachen ein großer Teil waren.

Sie sind bei der Stiftung Verantwortungseigentum im Bereich „Research und Think Tank“ aktiv. Was sind hier Ihre Aufgaben?

Alles und nichts – wir sind ein sehr kleines Team, das sehr flexibel Aufgaben verteilt. Grundsätzlich bin ich viel mit der universitären Welt in Kontakt, halte Vorträge an Universitäten, spreche mit Studierenden und Forschenden über das Thema Verantwortungseigentum. „Praxis in die Theorie“, sozusagen. Gleichzeitig versuche ich auch, die Theorie wieder zurück in die Praxis zu bringen und schreibe auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse viele unserer Hintergrundpapiere und Open-Source-Materialien.

„Viele der Themen, die die Grundlage dafür bilden, womit ich mich heute beschäftige, kommen aus dem Studium – z.B. ein Verständnis für die international unterschiedlichen Perspektiven auf Unternehmertum, Wirtschaft, Zusammenarbeit.“

Sicherlich treffen Sie bei der Umsetzung Ihrer Ziele auch auf Gegenwind und kritische Stimmen. Wie gehen Sie damit um und was treibt Sie an?

Wir versuchen – auch wenn das natürlich nicht immer gelingt – sehr verständnisvoll und offen auf Kritiker:innen und Gegenstimmen zuzugehen. Wir thematisieren Gegenwind auch öffentlich, weil wir nichts zu verstecken haben. Das Thema und der Bedarf sprechen für sich selbst, und ich habe das Gefühl, dass der meiste Gegenwind entweder auf Missverständnissen basiert oder auf Sorgen, über die man sprechen kann und für die man gemeinsam Lösungen finden kann. Letztlich wollen wir doch alle das Gleiche: Der unternehmerische Bedarf sollte beantwortet und das Potential von Verantwortungseigentum gehoben werden, ohne dass dadurch anderen Unternehmen, der Wirtschaft oder Gesellschaft geschadet wird. Und das können wir nur miteinander gut erreichen.

Haben Sie auch noch Kontakt zu ehemaligen Kommilitoninnen und Kommilitonen oder Professorinnen und Professoren?

Ich bin mit einigen Kommiliton:innen noch in Kontakt und habe gerade auch in der letzten Zeit durch die Arbeit wieder Kontakt zu ehemaligen Professor:innen aufnehmen können, jetzt auf einer ganz anderen Ebene. Es ist schön, jetzt mit dem Thema Verantwortungseigentum wieder etwas beitragen zu können.

Verraten Sie uns noch: Wo waren Sie während ihres Studiums am häufigsten anzutreffen und warum?

Wahrscheinlich im Zug – ich hatte auch viele Kurse in Erlangen. Ansonsten sind meine alte WG, die Wöhrder Wiese, der Beck und der Asiate beim Eingang zur WiSo heiße Kandidaten – Orte, wo man Zeit mit Freunden verbringen kann.

Was möchten Sie aktuellen Studierenden, die auch eine Tätigkeit mit gemeinnütziger Ausrichtung anstreben, mit auf den Weg geben?

Hinterfragen und konstruktiv kritisch denken. Die Annahmen und „Fakten“, die man so beigebracht und erzählt bekommt, nicht einfach als gegeben hinnehmen. Lieber einmal mehr fragen, warum etwas ist wie es ist. Und dabei konträre Meinungen nicht abblocken, sondern aufnehmen – und an sich vorbeigehen lassen, wenn man keinen Wert daraus ziehen kann.

Vielen Dank für das Interview, Frau Kauffmann!

(Interview: Sebastian Schroth, Dezember 2022)

 

Porträt über Maike Kauffmann

Beim Dies Academicus 2022 wurde Maike Kaufmann als FAU Innovatorin in der Kategorie Alumni ausgezeichnet. Den Videobeitrag zu Frau Kauffmann finden Sie ab Stunde 2:50:00.

Dies Academicus 2022

Über Purpose Economy

Maike Maike Kaufmann ist bei der Stiftung Verantwortungseigentum im Bereich „Research & Think Tank“ aktiv.

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