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Neue Immuntherapie gegen Krebs

Im GMP-Labor (Good Manufacturing Practice
Im GMP-Labor (Good Manufacturing Practice) werden die T-Zellen mit dem Rezeptor ausgestattet, der später die Krebszellen erkennen soll. Dann werden die T-Zellen vermehrt, aktiviert und schließlich dem Patienten zurückgegeben. (Bild: Knut Pflaumer)

Die T-Zell-Rezeptor-Therapie soll dem Immunsystem die zielgerichtete Bekämpfung von Krebs ermöglichen

Die erste klinische Studie Deutschlands zu einem neuen Ansatz in der Krebsimmuntherapie startet jetzt an der Medizinischen Klinik 5 – Hämatologie und Internistische Onkologie des Universitätsklinikums Erlangen: Die neue T-Zell-Rezeptor-Therapie kann bei bestimmten Leukämien und Lymphomen das Immunsystem im Kampf gegen den Krebs entscheidend unterstützen. Nun erhält der erste Patient diese zelluläre Immuntherapie im Rahmen einer klinischen Phase-I-/II-Studie. Bei dem Betroffenen wurde vor fünf Jahren ein multiples Myelom diagnostiziert – eine bösartige Knochenmarkserkrankung, die den Knochen zerstören kann. Der Patient hat seitdem mehrere Chemotherapien und eine autologe Stammzelltransplantation erhalten, bei der ihm eigene, zuvor entnommene Stammzellen übertragen wurden.

„Es gibt bislang weltweit nur sehr wenig Erfahrung mit der neuen zellulären Immuntherapie, die unser Patient jetzt erhält“, sagt Prof. Mackensen. „Er ist deutschlandweit der Erste überhaupt, der jetzt bei uns am Uni-Klinikum Erlangen diese Zelltherapie bekommt.“ Die nun gestartete T-Zell-Rezeptor-Studie CD-TCR-001 wurde vom Biotechnologie-Unternehmen Medigene AG mit Hauptsitz in Martinsried bei München entwickelt und läuft unter der Federführung des Uni-Klinikums Regensburg. Neben den Wissenschaftlern des Uni-Klinikums Erlangen ist auch das Uni-Klinikum Würzburg an der Studie beteiligt.

Stammzelltransplantation: Chance und Risiko zugleich

Wissenschaftlerin im Labor

Das tiefgefrorene T-Zell-Präparat wird aufgetaut und anschließend dem Patienten als Infusion verabreicht. (Foto: Michael Rabenstein/Uni-Klinikum Erlangen)

Für Patienten mit Leukämien oder Krebserkrankungen des lymphatischen Systems ist eine Stammzelltransplantation oft die letzte Rettung. Mit den Stammzellen eines gesunden Spenders erhalten die Krebspatienten gleichzeitig ein „neues“ Immunsystem. Doch die Stammzellspende ist Chance und Risiko zugleich, denn sie kann nicht nur Heilung bringen, sondern auch lebensbedrohliche Nebenwirkungen: Bei der Transplantat-gegen-Wirt-Erkrankung (Graft versus Host Disease, GvHD) greifen Spenderimmunzellen gesunde Gewebezellen des Krebspatienten an. Die GvHD betrifft etwa jeden zweiten Krebspatienten nach einer allogenen Stammzelltransplantation. „Deshalb forschen wir an alternativen Ansätzen der Krebstherapie – und die T-Zell-Rezeptor-Therapie ist eine davon“, erklärt Prof. Mackensen. Nun untersuchen Forscher der Uni-Klinika Regensburg, Erlangen und Würzburg gemeinsam mit der Medigene AG, ob bestimmte weiße Blutkörperchen (T-Zellen) von Leukämie- und Lymphompatienten so verändert werden können, dass sie Krebszellen abtöten. „Der Ansatz ist also ein anderer und neuer: Wir wollen das eigene Immunsystem des Patienten gegen den Krebs anstacheln“, sagt Andreas Mackensen. „Denn wir gehen davon aus, dass das schonender und risikoärmer ist, als ihm Knochenmark oder Blutstammzellen eines anderen Menschen zu transplantieren.“

T-Zell-Rezeptoren: Krebszellen finden und zerstören

Stammzelltransplantation und Chemotherapie sind bisher die wichtigsten Behandlungsformen bei Leukämie. Mit der T-Zell-Rezeptor-Therapie wird nun ein komplett neuer Ansatz erprobt. Indem T-Zellen bestimmte Eiweiße (Antigene) auf der Oberfläche von Krebszellen identifizieren, können sie entartete Zellen abtöten. Im Körper eines Krebspatienten gibt es jedoch keine oder nur wenige T-Zellen mit den speziellen T-Zell-Rezeptoren, die diese Eiweiße erkennen. In der nun gestarteten Studie statten die Forscher die T-Zellen des Patienten deshalb mit einem ganz bestimmten Rezeptor aus. Mit seiner Hilfe finden und zerstören die T-Zellen dann Krebszellen, die das eigene Immunsystem andernfalls nicht erkannt hätte.

Zunächst werden die T-Zellen aus dem Blut des Krebspatienten isoliert und dann in einem Zellkulturverfahren mit einem Rezeptor ausgestattet, der das Antigen „PRAME“ auf den Krebszellen erkennt. Die aufbereiteten, „scharf gemachten“ Immunabwehrzellen erhalten die Patienten dann als Infusion zurück. Die modifizierten T-Zellen sollen nur Krebszellen mit dem Antigen PRAME zerstören und gesundes Gewebe unversehrt lassen. „Das ist der entscheidende Unterschied zur allogenen Stammzelltransplantation“, erläutert Prof. Mackensen. „Bei der Stammzelltransplantation kann es passieren, dass sich die T-Zellen des Spenders nicht nur gegen den Krebs, sondern auch gegen das gesunde Gewebe des Empfängers richten – mit lebensbedrohlichen Folgen. Das wollen wir jetzt umgehen, indem wir den T-Zellen sozusagen eine ganz klare Beschreibung des Gegners mitgeben. Die T-Zellen sollen somit zielgerichtet gegen den Krebs kämpfen.“

Patienten für die T-Zell-Rezeptor-Studie

In die neue Studie werden Patienten mit akuter myeloischer Leukämie, mit myelodysplastischem Syndrom und multiplem Myelom aufgenommen, bei denen eine Chemotherapie nicht mehr wirksam ist oder die einen Rückfall erlitten haben. Zudem müssen Patienten weitere Voraussetzungen erfüllen, um in die Studie aufgenommen zu werden.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Andreas Mackensen
Tel.: 09131 85-35954
andreas.mackensen@uk-erlangen.de

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