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Ab auf die Rennpiste

Gruppenfoto mit den Studierenden: Im Hintergrund dunkle Wolken
Auch bei Sturm und Regen testen die Octanes ihre selbstgebauten Rennautos. (Bild: FAU/Rebecca Kleine Möllhoff)

Die Octanes wappnen sich für die Formula Student

Sonntag, fünf Uhr: Während die Sonne gerade erst aufgeht, beladen die Octanes ihre Autos mit Werkzeug, Kabelrollen, Öl, Bremsflüssigkeit und allem, was sonst noch zum Testen von Rennautos notwendig ist. Denn die Hochschulgruppe hat wie jedes Jahr für die Formula Student – ein internationaler studentischer Wettbewerb – einen neuen Rennwagen gebaut. Ab dem 17. Juli geht es auf die Rennpiste zur Formula Student in Ungarn, Italien, Österreich und Deutschland, wo sie mit ihren selbstkonstruierten Rennautos gegen Studierende anderer Universitäten antreten.

Doch bis es so weit ist, bleibt noch viel zu tun: „zum Beispiel das Finetuning“, wie es Teammitglied Aaron von Werder nennt. Dazu gehören zum Beispiel den Motor anzupassen, das Fahrwerk einzustellen und die Lenkung zu verbessern. Als wäre das nicht schon genug, steht dieses Jahr sogar doppelte Arbeit an: Denn zusätzlich zu ihrem „my“ – dem bereits zwölften Rennauto – haben die Studierenden das erste Mal einen fahrerlosen Rennwagen entworfen.

Rennwagen auf der Straße

Richtig stolz sind die Octanes auf „athena“ – ihr erstes fahrerloses Rennauto, das sie aus dem vergangenen Rennwagen umgebaut haben. (Bild: Aaron von Werder)

Um schon ein erstes Gespür für ihre Autos auf der Rennstrecke zu entwickeln, müssen die Studierenden ihre beiden Rennwagen einfahren. „Außerdem sehen wir so, wo genau es noch hakt“, meint Bijan Yadegari, einer der drei Teammitglieder, die dieses Jahr auf der Formula Student den „my“ fahren werden. Denn nicht selten passiert es, dass in den Testrunden Kühlflüssigkeit ausläuft oder Anbindungen brechen. Dann heißt es, Testfahrt beenden und das Auto reparieren. „Es gibt Tage, da kommen wir fast gar nicht zum Fahren“, berichtet der Student. Die Testrennen sind notwendig, denn auf der Formula Student werden die Rennautos bis aufs Äußerste auf ihre Fahrtauglichkeit, Leistung und Geschwindigkeit geprüft. Um sich möglichst gut darauf vorzubereiten, stellen die Studierenden jedes Wochenende auf ihrem Testgelände verschiedene Wettkampfdisziplinen nach und heizen mit quietschenden Reifen unter anderem um einen Parcours in Form einer liegenden Acht. „Skidpad“ heißt diese Disziplin im Fachjargon, in der es vor allem auf die Kurven ankommt. „Durch die schnellen Kurvenmanöver sehen wir, welches Rennauto das beste Fahrwerk hat“, erklärt Bijan Yadegari. Neben dieser Disziplin gibt es noch drei weitere – „Autocross“, „Acceleration“ und „Endurance“ – denen sich das Team stellen muss. „Hier geht es um Beschleunigungs- und Langzeitbelastungstests für das Auto“, erklärt er. Doch das ist noch nicht alles: Auch die Konstruktion wird bewertet, denn auf der Formula Student fragen Experten die Teams bis ins kleinste Detail aus: Wie wurden die Rennwagen konstruiert? Welche Materialien haben die Studierenden verwendet? Und für welche Fertigungsmethoden haben sie sich entschieden? Auf solche Details müssen sie sich vorbereiten und ihre Entscheidungen dabei gut begründen – für die Octanes ein Klacks, denn schließlich haben sie ein Jahr an der Planung, Konstruktion und Fertigstellung getüftelt und gewerkelt.

Mehr als nur technisches Handwerk

Doch wie genau haben sie eigentlich ihre Rennwagen gebaut? „Generell sollten einen natürlich Autos interessieren“, erzählt Andreas Bauer, der Maschinenbau studiert. „Die meisten von uns studieren an der Technischen Fakultät“, erklärt er, „jedoch sind bei uns Studierende aller Fachrichtungen willkommen.“ Denn Vorerfahrungen auf dem Gebiet Motorsport sind nicht zwingend notwendig, nur motiviert sollten die Teammitglieder sein: „Viele fangen bei uns im ersten oder zweiten Semester an und können ohnehin noch nicht viel Wissen aus ihrem Studium einbringen“, sagt der Student. Außerdem ist ja nicht nur technisches Geschick gefragt – bevor es an die Konstruktion geht, müssen die Studierenden sämtliche Bauteile und Rohmaterialien beschaffen. Und das kostet. Rund 600.000 Euro stecken in beiden Rennwagen. „Und das sind gerade mal die Kosten für die Fertigung“, betont der Student. Zu viel Geld, als dass die Studierenden sich das selbst finanzieren könnten. „Um den Großteil der Kosten zu decken, sind wir auf Sponsoren angewiesen“, erklärt Andreas Bauer. Dafür bedarf es an guten Geschäftsideen, Business- und Kostenplänen sowie ausgefeilten Marketingstrategien. Für Unerfahrene die perfekte Möglichkeit, sich erst einmal mit dem wirtschaftlichen Aspekt zu beschäftigen, bevor sie sich dann später auch mit der technischen Seite auseinandersetzen.

Student fräßt in der Werkstatt und die Funken sprühen dabei.

Fast jede freie Minute verbringen die Studierenden in der Werkstatt, wo ihren Rennautos einen letzten Schliff verpassen. (Bild: Aaron von Werder)

Haben die Studierenden Reifen, Carbon oder andere Halbfertigprodukte organisiert, geht es in die Werkstatt, wo sie drehen, hämmern, fräsen, löten, schrauben, schweißen und programmieren. „Wir haben eine eigene Werkstatt, dürfen aber auch die Einrichtungen verschiedener Lehrstühle nutzen“, berichtet Aaron von Werder. Selbst die Karosserie aus Carbon und Aluminium haben die Studierenden selbst hergestellt.

Eine große Verantwortung

Ihr Know-how haben sich die Octanes über die Jahre selbst aufgebaut. „Manche von uns bauen dieses Jahr schon ihr fünftes Rennauto“, erzählt Richard Stierstorfer. Eine lange Zeit, in der viel Wissen gesammelt wurde, das jedes Jahr an neue Mitglieder weitergegeben wird. „Insgesamt sind wir 60 bis 70 Studierende, manchmal ein ziemlich chaotischer Haufen“, sagt der Student schmunzelnd. Doch wie organisiert sich so eine große Truppe? „Wir haben fünf verschiedene Teilteams, für die je ein oder zwei Teamleiter die Verantwortung tragen“, erklärt er. Er selbst leitet gemeinsam mit Karim Awad das Teilteam „Driverless“, muss immer den Überblick behalten und schauen, dass alles rechtzeitig fertig wird. So kommen durchaus über 70 Stunden pro Woche für die Rennautos zusammen – viel Zeit für das Studium bleibt da nicht mehr. „Dennoch lohnt es sich“, versichert der Student. „Natürlich geraten wir auch sehr oft aneinander, wenn irgendwelche Autoteile nicht sorgfältig zusammengebaut wurden und dann deswegen irgendetwas wieder mal nicht funktioniert“, sagt Karim Awad lachend. Umso besser, dass die Studierenden auch einmal im Jahr ein Wochenende auf einer Hütte verbringen, wo sie dann gemeinsam Katapulte, Steinschleudern oder Raketen entwerfen und konstruieren. Denn neben der anstrengenden Tüftelei darf der Spaß natürlich nicht fehlen.

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