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„Kleine Hilfen stoßen Großes an“

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Esther Paulmann betreut den Innovationsfonds Lehre. Dieser kommt bei Wissenschaftlern und Studierenden gut an. (Bild: FAU/Claudia Fuchs)

Big Data spielt auch in der Kultur- und Sozialgeographie eine wachsende Rolle: „Ein großer Teil der vielfach als Big Data bezeichneten ‚neuen Datenflut‘ verweist in der einen oder anderen Form auf eine räumliche Situation auf der Erde, das heißt diese Daten haben eine geographische Referenz – sind also Big Geospatial Data“, erläutert Prof. Dr. Georg Glasze, Lehrstuhl für Kulturgeographie. Diese finden schon heute beispielsweise in der digitalen Kartographie, der Navigation oder dem Geomarketing Anwendung. In einem Lehrprojekt „Big Geospatial Data“, das vom Innovationsfonds Lehre gefördert wird, will er gemeinsam mit Finn Dammann, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geographie, den Studierenden Wege aufzeigen, wie sie mit großen Datenmengen umgehen können und so auch neue Berufsfelder für sie eröffnen. Seit Juli 2018 haben die beiden ein Seminar konzipiert, das jetzt im Sommersemester angelaufen ist.

Geographische Datenflut

Die Studierenden lernen dort, wie sie die Geodaten beschaffen und organisieren. Dafür wurde am Institut für Geographie der FAU eine Serverinfrastruktur aufgebaut, ein Geodatenzentrum. Aber sie bringen auch in Erfahrung, wie sie die Datensätze etwa mit Hilfe der Programmiersprache Python analysieren und visualisieren können. Dabei beschäftigen sie sich unter anderem damit, wie Daten produziert werden und inwiefern sich beispielsweise immer auch soziale Ungleichheiten in den Daten widerspiegeln. Ihr Wissen wenden die Studierenden in begleitenden Studienprojekten an, die sie selbst mitentwickeln. „Denkbar wäre zum Beispiel, im Seminar, nach dem Vorbild des österreichischen genderATlas, vergleichbare Karten für Bayern zu entwickeln“, sagt Finn Dammann. Ein solcher Atlas visualisiert geschlechterdifferenzierte Daten und macht damit beispielsweise anschaulich, wie wenige Kommunen von einer Bürgermeisterin regiert werden.
„Wir hoffen, dass wir mit dem Projekt in Erlangen Studierende der Kulturgeographie ausbilden können, die zum einen kompetent sind, sich (Geo-)Daten zu erschließen und diese für sozial- und kulturwissenschaftliche Analysen zu nutzen – gleichzeitig aber auch sensibilisiert sind für die blinden Flecken einer datengestützten Sozial- und Kulturwissenschaft“, erklärt Glasze.
Doch nicht nur Seminare werden gefördert. Neben klassischen Lehrveranstaltungen finanziert der Fonds zum Beispiel auch Exkursionen. Zum Beispiel besuchen Studierende im Rahmen des Seminars „Ethikberatung in der Demokratie zwischen Wissenschaft und Politik“ – als Abschluss der Veranstaltung – die Jahrestagung des Ethikrats in Berlin. Bei einem anderen Projekt haben Studierende eigenverantwortlich eine Tagung organisiert.
Die Auswahl der Projekte, die durch den Fonds gefördert werden, läuft zweigeteilt ab: Eine Vorauswahl treffen die Fakultäten intern. Danach trifft ein zentrales Auswahlgremium unter der Leitung von Vizepräsidentin Education Prof. Dr. Bärbel Kopp, die auch die Verantwortung für den Innovationsfonds trägt, die Entscheidung, wer gefördert wird. Dabei spielt es eine Rolle, ob das Projekt durchführbar und auch nachhaltig ist.

Ein Mehrwert für Lehre und Studierende

Diese Lehrvorhaben sollen einen Mehrwert für Lehre und Studierende bieten. Wird ein Projekt gefördert, gibt es in der Regel ein bis zwei Semester lang finanzielle Unterstützung – maximal 10.000 Euro – durch den Fonds. Selbst kleine Hilfen können Großes anstoßen: Auch 500 Euro und eine gute Beratung können ausreichen, um ein Projekt in Gang zu bringen.
Ob ein Lehrvorhaben durchführbar ist und auch die Studierenden überzeugt, messen die Dozenten mit Hilfe von Evaluierungen. Und die neuartigen Lehrkonzepte kommen gut an: „Die Rückmeldungen durch die Studierenden sind sehr positiv“, berichtet Esther Paulmann, die den Innovationsfonds betreut. „Dieser wird auch sehr gut angenommen. Die Anträge kommen aus allen Fakultäten und wir bekommen immer mehr Bewerbungen, als wir letztendlich bewilligen können.“

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Förderung der Lehrerbildung, die durch drei Säulen gekennzeichnet ist: die Fachwissenschaft, die Fachdidaktik und die bildungswissenschaftlichen Fächer. Mit der Unterstützung durch den Fonds sollen Lehrkräfte an der FAU fächerübergreifende Lehrveranstaltungen konzipieren und so bewirken, dass diese drei Fachbereiche stärker miteinander zusammenarbeiten. Nach der einjährigen Förderung durch den Fonds sollen die Projekte dann am Lehrstuhl etabliert werden, was auch gut funktioniert. „Die Projekte werden in der Regel fortgeführt“, sagt Paulmann. Nach der Konzeptionsphase, in der viel umgestellt, neue Materialien finanziert und neue Hilfskräfte eingestellt werden müssen, ist die Durchführung für kommende Jahre leichter.
Es kann natürlich auch sein, dass ein Projekt nicht so läuft wie geplant. „Das passiert sehr selten, ist dann aber auch in Ordnung, da wir die Lehrenden mit der Förderung ja anregen möchten, neue, ungewöhnliche didaktische Ansätze zu erproben“, sagt Paulmann.

Übersicht über die geförderten Projekte


Das FAU-Magazin alexander

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Dieser Text erschien zuerst in unserem Magazin alexander. In der Ausgabe Nr. 110 blicken wir auf 100 Jahre WiSo zurück, durch Knochen hindurch und auf Fremd- und Selbstbilder.

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