Alumni

Timur Vermes

Autor der Hitler-Satire „Er ist wieder da“

Bestsellerautor und FAU-Alumnus Timur Vermes (Bild: Olivier Favre)

Timur Vermes wurde 1967 in Nürnberg geboren und studierte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Geschichte und Politik. Nach einem journalistischen Volontariat war er für die Nürnberger Abendzeitung und den Kölner Express tätig und arbeitete für mehrere Magazine. 2007 begann er als Ghostwriter Bücher zu schreiben, unter anderem das erfolgreiche Tatortreiniger-Buch „Was vom Tode übrig bleibt“. 2012 veröffentlichte er unter dem Titel „Er ist wieder da“ seinen Debütroman. In der Satire entwickelt er ein Szenario, in dem Adolf Hitler 2011 in Berlin aufwacht und sich innerhalb kürzester Zeit zum Fernsehstar entwickelt. Der Roman stieg bis auf Platz eins der Spiegel-Bestsellerliste, das von Christoph Maria Herbst gelesene Hörbuch erreichte ebenfalls den Spitzenplatz. Der zugehörige Film kam im Oktober 2015 in die Kinos und wurde seither von rund 2,5 Millionen Kinobesuchern gesehen.

„Es ist ein bisschen wie im Fußball: Der Ball landet manchmal nur mit viel Glück vor Ihren Füßen, aber ins Tor kriegen müssen Sie ihn schon selbst“

Herr Vermes, vom Geschichtsstudenten zum Bestsellerautor – haben Sie sich damit einen Traum erfüllt oder war diese Entwicklung eher Zufall?

Letzten Endes war vieles Zufall, aber als diese Zufälle zusammen kamen, war ich in der Lage sie zu nutzen. Es ist ein bisschen wie im Fußball: Der Ball landet manchmal nur mit viel Glück vor Ihren Füßen, aber ins Tor kriegen müssen Sie ihn schon selbst. Und dabei helfen Ihnen dann Kenntnisse und Fähigkeiten, die Sie sich bis dahin angeeignet haben.

Gibt es ein Ereignis aus Ihrer Studienzeit, das Sie noch heute zum Schmunzeln bringt?

Ehrlich gesagt: nein. Ich hielt das Studium immer für eine recht freudlose, bürokratische Angelegenheit.

In welchem Café oder welcher Kneipe konnte man Sie früher antreffen?

Dazu hätte man nach Fürth in die Gustavstraße gehen müssen.

Heute leben Sie in München – was vermissen Sie am meisten aus Ihrer alten Heimat?

Das fränkische Essen. Die fränkische Skepsis. Die Bodenständigkeit.

Wie kamen Sie auf die Idee, eine Hitler-Satire zu schreiben? Hat Sie als gebürtiger Nürnberger auch die historische Verbindung zwischen der Stadt und dem dritten Reich zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der Thematik bewogen?

Die Idee kam per Zufall: Ich bin im Türkei-Urlaub an einem Buchstand vorbeigekommen, der „Hitler’s second book“ anbot. Ich wusste nur von „Mein Kampf“, also hielt ich auf Anhieb das schon für eine Parodie oder eine dreiste Fälschung, jedenfalls schoss mir als nächstes durch den Kopf: „Dann kann ich ja genauso gut das dritte Buch schreiben“. Die ständige Präsenz der NS-Bauten kann dazu beigetragen haben. Diese Ambivalenz, dass so ein Riesenbau am Dutzendteich zugleich verstörend, aber auf Touristen auch romantisch wirken kann.

War es schwierig, einen Verlag für Ihren Roman zu finden?

Nein, was daran liegt, dass das Buch über einen renommierten Agenten angeboten wurde. Wenn ich selbst zu Fuß die Verlage abgeklappert hätte, wäre dasselbe Buch vermutlich abgelehnt worden. Das Wissen um die Bedeutung von Literatur-Agenten gehört zu den oben erwähnten Kenntnissen: Wer es nicht hat, schreibt vielleicht genau dasselbe Buch in derselben Qualität, setzt es dann aber beim Verkauf in den Sand.

„Er ist wieder da“ wurde in kürzester Zeit zum Bestseller. Haben Sie geahnt, dass das Buch ein derart großer Erfolg werden würde? Warum kommt es Ihrer Meinung nach bei den Lesern so gut an?

Die Berechenbarkeit des Erfolgs war in kleinem Umfang gegeben. Das Manuskript wurde recht teuer verkauft, also muss der Verlag Werbung machen, um sein Geld wieder reinzubekommen. Mit einem soliden Erfolg habe ich schon gerechnet: Sowas wie 70– bis 100.000 Bücher. Aber niemand konnte damit rechnen, dass die Deutschen im Dezember 2012 alle fanden, Hitler sei das ideale Geschenkbuch unter dem Weihnachtsbaum.

Die Frage nach den Gründen kommt oft, ist aber etwas bizarr: Wie soll ein Autor erklären, warum die Leute sein Buch gut finden? Noch dazu in diesem Fall eines Hitlerbuchs? Sollte bei über zwei Millionen Lesern nicht längst eine Horde Germanisten oder Soziologen untersuchen, was da in den Köpfen vorgeht? Bitte übernehmen Sie! Und lassen Sie mich die Ergebnisse wissen.

Was hoffen Sie, können Ihr Buch und der Film in den Köpfen der Leser und Zuschauer bewirken?

Der Film kann bewirken, dass Leute das Buch lesen. Das Buch kann bewirken, dass Leser irritiert sind – was sie einen Moment innehalten lässt. In pessimistischen Momenten würde ich sagen: Das war’s auch schon.

Verraten Sie uns, womit Sie aktuell beschäftigt sind? Gibt es schon ein neues Projekt?

Noch bis Ende März arbeite ich als Aushilfs-Textchef bei der BUNTEN. Auch sehr unterhaltsam.

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für unsere Fragen genommen haben, Herr Vermes.

Interview: Imke Zottnick-Linster (März 2016)