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Philipp Löhle

Philipp Löhle M.A., Dramatiker und Theaterregisseur

Der Dramatiker und Regisseur im Interview

Philipp Löhle, geb. am 27.08.1978 in Ravensburg, studierte Theater- und Medienwissenschaft, deutsche Literatur und Geschichte an der Universität Erlangen-Nürnberg und gilt als Shooting Star der deutschen Theaterszene. Er reüssierte mit Uraufführungen am Schauspielhaus Bochum, an der Schaubühne Berlin und am Schauspielhaus Wien.

Meine Freiheit ist, dass ich genau das mache, was ich machen will. Das ist das Großartigste was es gibt.

Schon während des Studiums schrieb Löhle erste Theaterstücke. KAUF-LAND, ein Stück über Hoffnung und Hoffnungslosigkeit angesichts undurchschaubarer Marktentwicklungen, wurde im Jahr 2005 vom Theater Erlangen uraufgeführt. Den ersten überregionalen Erfolg erzielte Löhle im Jahr 2007 mit Genannt Gospodin, für das er den Dramatikerpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft erhielt. Seit der Spielzeit 2008/2009 ist er Hausautor am Maxim Gorki Theater in Berlin.

Herr Löhle, Sie haben in relativ kurzer Zeit Karriere gemacht. In Zeiten der „Generation Praktikum“ ist das insbesondere für Absolventen der Geisteswissenschaften eine kleine Sensation. Wie fühlt es sich an, mit 30 Jahren Hausautor des renommierten Maxim Gorki Theaters zu sein und als „Shooting Star“ in der Theaterszene gehandelt zu werden?

Das ist super. Ein Stück zu schreiben und es aufgeführt zu sehen, damit auf einen Wettbewerb eingeladen zu werden oder es in THEATERheute zu lesen, ist ein tolles Gefühl. Und als mich Armin Petras’ Sekretärin anrief, um einen Termin mit mir auszumachen, weil Herr Petras [i.e. Intendant des Gorki Theaters] mich gerne treffen würde, da war ich so aufgeregt, dass ich danach meine Currywurst nicht weiter essen konnte und verschenkt habe.

Mit diesem Anruf ging ein Wunschtraum für Sie in Erfüllung. Wann wurde Ihnen klar, dass Sie Dramatiker und Regisseur werden wollten?

Eigentlich wollte ich ja immer Filme machen. Einfach so, weil ich Filme mochte. Ich habe mich dann aber nie bei einer Filmhochschule beworben, weil ich immer dachte, die nehmen mich eh nicht. Hätten sie wahrscheinlich auch nicht. Theater mochte ich auch, Schreiben auch und in Erlangen an der Uni kann man all das ausprobieren. Also habe ich lauter Kurzfilme gedreht und irgendwann ein Stück geschrieben und im Experimentiertheater inszeniert. Dass mir Stücke schreiben so viel Spaß macht, habe ich also erst gemerkt, als ich eins geschrieben habe.

Wie haben eigentlich Ihre Eltern auf Ihren Studien- und Berufswunsch reagiert?

Die fanden das gut. Mein Vater hat mich auch auf die Idee gebracht, ich solle doch mal gucken, ob man „sowas“ wirklich nur an einer Filmhochschule machen kann, oder nicht doch auch irgendwo „normal“ studieren kann. So habe ich Erlangen gefunden.

Und was haben Sie in Erlangen gefunden, was konnten Sie aus Ihrem Studium in Erlangen mitnehmen?

Zunächst einmal viel Unterstützung. Ich habe André Studt (Anm.: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Theater- und Medienwissenschaft) meine ersten Stücke gezeigt und er hat gemeint, ich solle unbedingt eines davon inszenieren. Dann habe ich immer noch gezögert und gedacht, nee, ich weiß nicht, aber André hat mich einfach weiter angeschoben, bis ich es gemacht habe, sonst wären die vielleicht in der Schublade versauert.

Außerdem bringt es die Größe Erlangens mit sich, dass man sich stark in einem studentischen Umfeld bewegt und ständig diskutiert und austauscht. Wir waren da irgendwann ein kleiner Kreis Möchtegern-Filmregisseure und Möchtegern-Theaterregisseure. Außerdem gab es noch Möchtegern-Radiosprecher, Möchtegern-Journalisten und Möchtegern-Autoren. Und mit denen hat man sich auf WG-Parties bis in die Morgenstunden ausgetauscht. Da habe ich mindestens so viel gelernt wie im Seminarraum.

Wie muss ich mir denn den Arbeitsalltag eines Stückeschreibers vorstellen?

Na: Schlafen bis nachmittags, dann im Bademantel und Aldiletten zum Bäcker, auf dem Rückweg in der Stammkneipe einen Espresso trinken. Kleiner Mittagsschlaf. Was essen. Dann was lesen. Dann eigentlich mal ne Seite schreiben wollen, aber schon zu spät dran fürs Theater, deshalb Schreiben auf morgen verschieben… Nein, eigentlich ist es relativ diszipliniert.

Da erübrigt sicht ja schon fast meine nächste Frage: Was gefällt Ihnen am meisten an Ihrer Arbeit?

Ich kann mir meine Zeit selber einteilen. Ich brauche nur Zettel und Stift um zu arbeiten. Und ich bin viel unterwegs und treffe interessante Leute.

Freiheit ist ein zentrales Thema in Ihren Stücken. Was bedeutet Freiheit für Sie persönlich?

Meine Freiheit ist, dass ich genau das mache, was ich machen will. Das ist das Großartigste was es gibt.

Was raten Sie Studierenden, die in Ihre Fußstapfen treten möchten?

Ich kam aufs Stückeschreiben, weil ich es ausprobiert habe. Ich finde, man muss so lange ausprobieren, bis man etwas findet, was einen packt. Das ist schwer und man braucht viel Glück, aber alles andere macht nicht glücklich.

Dann wünsche ich Ihnen weiterhin viel Glück, viel Erfolg und noch viele Anlässe, eine Currywurst zu verschenken. Besten Dank für das Interview.

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