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Weltgrößtes Tscherenkow-Teleskop sieht sein „Erstes Licht“

Blick in die Tiefen des Universums: Die fünf H.E.S.S.-Spiegelteleskope in Namibia. Fotos: H.E.S.S.-Kollaboration

Blick in die Tiefen des Universums: Die fünf H.E.S.S.-Spiegelteleskope in Namibia. (Fotos: H.E.S.S.-Kollaboration)

Forscher der FAU für Aufbau und Datenauswertung mitverantwortlich

Mit dem H.E.S.S. II-Teleskop ist jetzt in Namibia das größte jemals gebaute Tscherenkow-Teleskop in Betrieb gegangen. Physikerinnen und Physiker des „Erlangen Centre for Astroparticle Physics“ (ECAP) sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Physikalischen Instituts der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) waren Teil des internationalen Wissenschaftsteams, dem dieser Durchbruch gelang.

Das H.E.S.S. II-Teleskop wird auf dem afrikanischen Kontinent als größtes von fünf Teleskopen die energiereichsten und extremsten Phänomene des Universums im sehr hochenergetischen Gammalicht beobachten. Die Wissenschaft verspricht sich davon ein tieferes Verständnis bekannter hochenergetischer kosmischer Quellen wie supermassiver Schwarzer Löcher, Pulsare und Supernovae, vor allem aber auch die Entdeckung neuer Klassen von hochenergetischen kosmischen Strahlungsquellen.

Die Erlanger Physiker beschäftigt dabei besonders die Frage, wie Überreste von Sternexplosionen in unserer Milchstraße im Gammalicht leuchten. „Außerdem möchten wir mit H.E.S.S. II helfen, die Natur der ‚Dunklen Materie‘ zu verstehen, die uns in großer Menge umgibt, deren Eigenschaften aber noch im Dunkeln liegen“, sagt Prof. Dr. Christopher van Eldik, der zusammen mit Ira Jung und Kathrin Valerius die H.E.S.S.-Aktivitäten am ECAP koordiniert. Zudem übernimmt die Erlanger Gruppe zentrale Aufgaben im H.E.S.S.-Experiment, etwa in der Entwicklung der Datennahme- und Analysesoftware, der Kalibration der aufgezeichneten Daten und der Präzisionsausrichtung der Teleskope. Weiterhin wurde ein Großteil der 875 Einzelspiegel, aus denen der H.E.S.S. II-Spiegel besteht, in Namibia von Erlanger Mitarbeitern in zum Teil schwindelerregender Höhe an das Teleskop montiert.

Mit einem Gewicht von fast 600 Tonnen und seinem 28-Meter-Spiegel – der Fläche von zwei Tennisplätzen – ist das neue Teleskop, genannt H.E.S.S. II, geradezu gigantisch. Es sah um 0:43 am 26. Juli 2012 sein ‚Erstes Licht‘, hat also seine ersten Bilder von atmosphärischen Teilchenschauern aufgenommen, die von kosmischen Gammastrahlen oder von Kosmischer Strahlung erzeugt werden. Das bedeutet einen weiteren großen Fortschritt für die Erforschung des Südhimmels bei Gammastrahlenenergien.

hessII-teleskop-1 / Fotos: H.E.S.S.-Kollaboration

Montage in Schwindel erregenden Höhen:
Der Spiegel des H.E.S.S. II-Teleskops ist so groß
wie zwei Tennisplätze.

Astrophysiker gehen davon aus, dass Gammastrahlen von natürlichen kosmischen Teilchenbeschleunigern wie supermassiven Schwarzen Löchern, Doppelsternen, Pulsaren, Galaxienhaufen, Supernovae oder vielleicht auch den Relikt-Teilchen aus dem Urknall erzeugt werden. Im Universum gibt es zahlreiche dieser natürlichen kosmischen Beschleuniger. Sie beschleunigen geladene Teilchen wie Elektronen oder Ionen auf weit höhere Energien, als die von Menschen gebauten Teilchenbeschleuniger erreichen. Da hochenergetische Gammastrahlen Sekundärprodukte dieser kosmischen Beschleunigungsprozesse sind, können wir mit Gammastrahlenteleskopen diese hochenergetischen Quellen untersuchen. Heute sind schon über einhundert kosmische Quellen höchstenergetischer Gammastrahlen bekannt. Mit H.E.S.S. II können die Vorgänge in diesen Objekten detaillierter erforscht werden. Man erwartet viele neue Quellen und auch neue Klassen von Quellen zu entdecken.

Weitere Informationen für die Medien:

Prof. Dr. Christopher van Eldik
Tel.: 09131/85-27062
Christopher.van.Eldik@physik.uni-erlangen.de

uni | mediendienst | forschung Nr. 31/2012 vom 3.8.2012

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