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Wirbellose Meerestiere mit Übergröße

Der Mensch wirkt winzig im Vergleich zu diesen Rekonstruktionen von gigantischen marinen Wirbellosen des Paläozoikum. (Bild: Christian Klug (aus Klug et al. 2014))

FAU-Wissenschaftler haben untersucht, welche Umweltfaktoren die Entstehung von Tieren mit gigantischen Körpermaßen beeinflussen

Tiere gibt es in den verschiedensten Größen – von großen Walen bis zu winzigen Krebstieren. Einige Arten stechen besonders durch ihre extremen Körpergrößen hervor – wie zum Beispiel Riesentintenfische, die bis rund 13 Meter lang werden können. Solche gigantischen Körpergrößen gab es in den vergangenen 500 Millionen Jahren immer wieder. Wissenschaftler der FAU haben nun zusammen mit Kollegen aus Deutschland, der Schweiz, England und den USA untersucht, ob die Entwicklung wirbelloser Meerestiere über Zeit und Raum von bestimmten Umweltfaktoren beeinflusst wurde.*

Der Mensch wirkt winzig im Vergleich zu diesen Rekonstruktionen von gigantischen marinen Wirbellosen des Paläozoikum: Kopffüßer: E) Nautiloidee Endoceras giganteum, Oberordovizium, USA: Gehäuselänge ca. 9 Meter, F) Nautiloidee Endoceras giganteum, Oberordovizium, USA, rekonstruierte Gehäuselänge ca. 4.5 Meter (basierend auf einem Exemplar des Harvard Museums für vergleichende Zoologie), G) Nautiloidee Deiroceras hollardi, Unterdevon, Morocco, rekonstruierte Gehäuselänge 3 Meter, J) Ammonoidee Carinoceras sp., Oberdevon, USA, max. Gehäusedurchmesser 50 Zentimeter; Gliederfüßer: H) Seeskorpion Jaekelopterus rhenaniae, Unterdevon, Deutschland, rekonstruierte Länge: 2.5 Meter (ohne Cheliceren); I) Trilobit Hungioides bohemicus, Oberordovizium, Portugal, Länge 80–90 Zentimeter. (Bild: Christian Klug (aus Klug et al. 2014))

Der Mensch wirkt winzig im Vergleich zu diesen Rekonstruktionen von gigantischen marinen Wirbellosen des Paläozoikum: Kopffüßer: E) Nautiloidee Endoceras giganteum, Oberordovizium, USA: Gehäuselänge ca. 9 Meter, F) Nautiloidee Endoceras giganteum, Oberordovizium, USA, rekonstruierte Gehäuselänge ca. 4.5 Meter (basierend auf einem Exemplar des Harvard Museums für vergleichende Zoologie), G) Nautiloidee Deiroceras hollardi, Unterdevon, Morocco, rekonstruierte Gehäuselänge 3 Meter, J) Ammonoidee Carinoceras sp., Oberdevon, USA, max. Gehäusedurchmesser 50 Zentimeter; Gliederfüßer: H) Seeskorpion Jaekelopterus rhenaniae, Unterdevon, Deutschland, rekonstruierte Länge: 2.5 Meter (ohne Cheliceren); I) Trilobit Hungioides bohemicus, Oberordovizium, Portugal, Länge 80–90 Zentimeter. (Bild: Christian Klug (aus Klug et al. 2014))

Das Paläozoikum bezeichnet den Zeitraum von vor 500 Millionen bis vor 300 Millionen Jahren. Einige der größten bekannten maritimen Glieder- und Kopffüßer konnten Wissenschaftler dieser Ära zurechnen: 2,5 Meter lange Seeskorpione beispielsweise, oder ausgestorbene Kopffüßer mit bis zu 9 Meter langen Gehäuse – entfernte Verwandte des heutigen Nautilus und Tintenfischen. Im Rahmen ihres Projekts untersuchte das internationale Forscherteam, ob das Vorkommen und die Verbreitung von diesen gigantischen maritimen Glieder- und Kopffüßern im Paläozoikum von Temperatur- und/oder Sauerstoffbedingungen oder Meeresspiegelschwankungen abhingen. Diese Vermutung bestätigte sich jedoch nicht. „Optimale Umweltbedingungen spielten demnach für das Auftauchen von Gigantismus keine größere Rolle als für die Diversität von marinen Organismen im allgemeinen“, schlussfolgert Dr. Kenneth De Baets vom Lehrstuhl für Paläoumwelt der FAU.

Stattdessen konnten sie zeigen, dass die wirbellosen Meeresbewohner zu zwei bestimmten Zeiten gigantische Ausmaße annahmen (Ordovizium, Devon): Beides Mal Perioden, an denen die Artenvielfalt in besonderem Maß zunahm. Es waren Zeiträume, an denen viele Arten entstanden, weil sich Tiere einer Spezies verschiedene ökologische Nischen schufen, sich also an bestimmte Lebensräume besonders gut anpassten. Die Entwicklung neuer Arten führte schließlich auch zu der Entwicklung von neuen, komplexen Ökosystemen.

Weiterhin zeigten die Forscher, dass Giganten innerhalb von Arten oder Gattungen bis vor etwa 300 Millionen Jahren typischerweise in höheren Breiten vorkamen, also eher in der Nähe der Polkappen lebten – ähnlich wie heute. In der Folgezeit kam es zu einer Verschiebung zu niederen, äquatorialen Breiten in allen untersuchten Gruppen. Als mögliche Ursachen für diese Wanderung vermuten die Wissenschaftler zeitgleiche Veränderungen in der Sauerstoffkonzentration, der Konstellation der Kontinente sowie den Ozeantemperaturen.

*Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler in der Wiley Online Library veröffentlicht.

Weitere Informationen:

Dr. Kenneth De Baets
Tel.: 09131/85-22906
kenneth.debaets@fau.de

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