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Minnesang in Datenbanken

Walther von der Vorgelweide ist so bekannt, er zierte sogar schon eine Briefmarke. (Bild: Colourbox.de)

FAU-Wissenschaftler digitalisieren mittelalterliche Lyrik in Langzeitprojekt

Walther von der Vogelweide ist unter den deutschsprachigen Dichtern des Mittelalters vermutlich der bekannteste. Er ist aber nicht der einzige, dessen Lieder einen hohen Stellenwert für Öffentlichkeit und Literaturwissenschaft gleichermaßen haben. Die Lyrik des deutschen Hochmittelalters ist Gegenstand eines digitalen Editionsprojekts des Departments Germanistik und Komparatistik der FAU. Nach einer zweijährigen Pilotphase fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) das Projekt nun weiter als Langfristvorhaben. In diesem Rahmen soll sämtliche deutschsprachige Minnelyrik des Hochmittelalters ediert, in einer Datenbank gesammelt und kostenlos zugänglich gemacht werden.

Mit den bisherigen Editionen lässt sich kaum noch vernünftig arbeiten

Um die Forschung zu und die Arbeit mit den Texten der Minnesänger zu verbessern, haben Germanisten der FAU zusammen mit Kollegen der Universität Stuttgart es sich zur Aufgabe gemacht, die Werke der hochmittelalterlichen Klassik neu herauszugeben. Aus gutem Grund, denn die Forschung zur mittelalterlichen Lyrik, also dem Minnesang, der Sangspruchdichtung und der Leichdichtung, steht immer wieder vor demselben Problem: „Mit den bisherigen Editionen lässt sich kaum noch vernünftig arbeiten“, sagt Projektleiter Florian Kragl, Professor für Ältere Deutsche Literatur an der FAU. „Nicht nur, dass die Werke der mittelalterlichen Lyriker in veralteten und vergriffenen Ausgaben weit verstreut sind. Sie sind dort auch häufig in einer Weise wiedergegeben, die ihren poetischen Charakter stark verzerrt.“

Die älteren Ausgaben, zumeist des 19. Jahrhunderts, die in zahlreichen Neuauflagen das Bild des Minnesangs bis heute prägen, vermitteln den Anschein, als handelte es sich bei mittelalterlicher Lyrik im Wesentlichen um nichts anderes als um Gedichte der Goethezeit: Schriftkunstwerke, die der Urheber in eine bestimmte, gewollte Form brachte. Tatsächlich hat man es aber mit Texten zu tun, die im Lauf des 12. bis 14. Jahrhunderts, in Einzelfällen bis ins 16. Jahrhundert hinein, immer wieder geändert, neu abgeschrieben und dabei verändert worden sind. Die Ästhetik und Poetik des Minnesangs läuft reinen Formen und konzeptioneller Glätte oft zuwider. Gerade auf diese Flexibilität und auch Sperrigkeit der Lieder und Sprüche, die von den alten Ausgaben so gut es geht kaschiert worden sind, kommt es aber an.

Voll im Trend: Open-Access-Publikation

Das Projekt sieht deshalb vor, den Minnesang des 12. und 13. Jahrhunderts – rund 9000 Strophen – neu herauszugeben. Bestandteil der Edition sind nicht nur die Texte, sondern auch die Abbildungen der Handschriften, Melodien, wo sie sich seltenerweise erhalten haben, sowie wissenschaftliche Kommentare zu jedem einzelnen Lied. Elektronische Tools helfen dem Benutzer bei der Navigation durch das Textensemble. Möglich machen dies eine Datenbank und eine digitale Präsentationsoberfläche, die die Projektleiterin Sonja Glauch genau für diesen Zweck entworfen und programmiert hat. Dafür griff sie ausschließlich auf frei zugängliche Software zurück. „Mit einer Open–Access-Publikation für diese Edition liegen wir ganz im Trend der Zeit“, sagt Kragl. „Außerdem reihen wir uns damit in den sich an der FAU neu ausbildenden Schwerpunkt Digital Humanities ein.“

Auf die Edition lässt sich unter folgender Adresse zugreifen: www.ldm-digital.de

Informationen:

Prof. Dr. Florian Kragl
Tel.: 09131/85-29354
florian.kragl@fau.de

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