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Die Schaltwarte an der Technischen Fakultät der FAU

Georg Stühler, Leiter von G3, vor der großen Schalttafel in der Schaltwarte. (Bild: FAU/Georg Pöhlein)

Der Strom muss fließen

Drei Stufen führen hinauf in den vollständig fensterlosen Raum, in dem lediglich lange Reihen von Neonröhren Licht spenden. „Es ist unsere kleine Welt“, sagt Georg Stühler mit einem Augenzwinkern. Die „kleine Welt“ liegt irgendwo auf dem FAU-Campus und misst 144 Quadratmeter. Das Ambiente erinnert an Agenten- thriller älteren Datums. Ungefähr aus dieser Zeit stammen die sogenannten Tableaus, die fast bis an die Decke reichen. Auf ihnen befinden sich zahlreiche mechanische Skalenanzeigen für die Fernwirktechnik und andere elektrische Energieversorgungsanlagen. Hier lassen sich unterschiedliche Messwerte ablesen: zum Beispiel Stromverbrauch, -spannung oder -frequenz. Dazu kommen jede Menge Drehschalter. „Hinter jedem Schalter liegt eine Stromleitung“, erklärt Georg Stühler, Leiter des Referats G3 Elektrotechnik innerhalb der Abteilung Gebäudemanagement. Auf den Tafeln ist das Energienetz dargestellt.

Leiter vor Technik

Bild: FAU/Georg Pöhlein

Wandel eindrucksvoll erlebbar

Die Schaltwarte der Abteilung Gebäudemanagement befindet sich einem gesicherten Ort. Hier wird die komplette Energieversorgung aller Gebäude auf dem Südgelände der FAU überwacht und gesteuert. „In der Schaltwarte endet eine der drei 20.000-Volt-Starkstromleitungen, mit denen die Stadtwerke den Strom einspeisen, geschaltet wird alles von hier“, erläutert Elektroingenieur Stühler, der vor seinem Studium auch eine Ausbildung zum Energieanlagenelektroniker genossen hat. Lediglich zehn FAU-Mitarbeiter haben Zutritt zu dem Arbeitsplatz und haben auch „Schaltbefähigung“. Sie werden regelmäßig weitergebildet, um den Betrieb am Laufen zu halten. Sie wissen etwa, welche Schalter bedient werden müssen, wenn bei Bauarbeiten ein Bagger eine Leitung beschädigt hat.

Auch wenn die analoge Technik mit ihren klackenden Relais und Verdrahtungen museal anmutet und hier und da eine der Blechschranktüren quietscht, hinter denen hunderte von Relais ihren Dienst verrichten: In der Schaltwarte ist der technologische Wandel eindrucksvoll zu erleben. Ein Teil der alten Anlage ist sehr wohl noch in Betrieb, während ein anderer bereits auf Digitaltechnik umgestellt ist. „Für die alte Technik gibt es keine Ersatzteile mehr“, sagt Stühler. „Wir stellen sukzessive auf netzwerkbasierte Technik um.“

Großer Bildschirm vor Schalttafeln

Moderne Digitaltechnik verdrängt die alten Anlagen langsam, da es keine Ersatzteile mehr gibt. (Bild: FAU/Georg Pöhlein)

Georg Stühler zeigt den ersten Serverschrank mit zwei Servern darin. Und in der Mitte des Raumes stehen vier neue Monitore. Alles, was an den alten, meterlangen Tafeln angezeigt wird, lässt sich nun auch per Mausklick abrufen. Doch der Mikroelektronik-Ingenieur gibt zu: „An sich ist das alte System besser.“ Denn dort kann es naturgemäß keine Serverabstürze geben, und Softwareupdates sind nicht nötig. Andererseits ist die neue Ausrüstung etwas stabiler und es geht seltener etwas kaputt. .

Sicher und zuverlässig

Ob Stühler der „guten alten Technik“ hinterhertrauert? „Nein, ich muss keine Zahnräder rattern hören. Mir ist wichtig, dass die Technik funktioniert.“ Was nichts anders bedeutet, als dass der Strom keinesfalls ausfallen darf. Im schlimmsten Szenario würde es ansonsten fast auf dem gesamten FAU-Südgelände schlichtweg dunkel werden, die PCs der Forscher wären lahmgelegt. Damit dies nicht geschieht, ist die Stromversorgung doppelt redundant angelegt: Sollte ein Einspeisepunkt von der städtischen Energieversorgung getrennt werden, übernehmen zwei andere. Zudem würden zuerst einmal unterbrechungsfreie Stromversorgung und Notstromaggregat anspringen. Ob alte oder neue Technik – für Georg Stühler gibt es nur ein Leitmotiv: „Die Betriebssicherheit und die zuverlässige Versorgung der Universitätseinrichtungen muss kontinuierlich gewährleistet sein.“


Noch mehr besondere Orte an der FAU …

Violett für die Naturwissenschaftler, grau für die Techniker – Hausmeister Elmar Stolbinger kennt sich mit den Farben der alten Talare aus. Sie lagern im Dachboden des Kollegienhauses. (Bild: FAU/Georg Pöhlein)

(Bild: FAU/Georg Pöhlein)

… finden Sie online: in der Reihe „Besondere Orte an der FAU“ oder in verschiedenen Ausgaben des FAU-Magazins alexander. Vom digitalen Herz der Uni am Rechenzentrum über den Dachboden des Kollegienhauses, wo die alten Talare wohnen, bis zum Universitäts-Karzer erhalten Sie hier ungewöhnliche Einblicke.


Das FAU-Magazin alexander

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Dieser Text erschien zuerst in unserem Magazin alexander. Weitere Themen der Ausgabe: 50 Jahre RRZE, Datenbanken in den Geisteswissenschaften, die Digital Tech Academy und der Elitestudiengang „Standards of Decision-Making Across Cultures“.

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