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Während des Studiums in die Selbstständigkeit

FAU-Mitarbeiterin Laura Jacobi ist auch Verlegerin. Hier präsentiert sie das Verlagsprogramm und das Werk "ymir oder aus der hirnschale der himmel" des Autors Philip Krömer, das 2016 erschienen ist. (Bild: FAU/Rebecca Kleine Möllhoff)

Eine FAU-Mitarbeiterin erzählt über ihre Erfahrungen als Verlegerin

An der FAU gibt es über 14.200 Beschäftigte in verschiedenen Instituten, Lehrstühlen, Abteilungen und Referaten sowie dem Universitätsklinikum – unmöglich, jeden persönlich kennenzulernen. Wäre es nicht schön, trotzdem etwas über die anderen FAU-Mitarbeiter zu erfahren? In einer neuen Reihe stellen wir Ihnen Ihre Kolleginnen und Kollegen vor. Heute erzählt Laura Jacobi aus der Abteilung M – Marketing und Kommunikation in einem Interview, was sie außerhalb der FAU sonst noch macht.

Laura Jacobi – FAU-Mitarbeiterin und Verlegerin

An der FAU ist Laura Jacobi aus dem Referat M1 – Marketing für das Veranstaltungsmanagement im Jubiläumsjahr verantwortlich, aber sie ist auch als Verlegerin tätig! „Homunculus“ heißt ihr Verlag, den sie 2015 mit drei Freunden im Studium gegründet hat.

Laura, du bist Mitgründerin des homunculus verlags. Wie ist es denn dazu gekommen?

Während unseres Studiums haben wir im Rahmen eines Hörbuchprojekts CDs in kleineren Mengen produziert. Darunter waren zum Beispiel Gedichtvertonungen aus den 20er Jahren oder Musikstücke von Chopin. Wir waren damals zu sechst und vier von uns hat es so sehr gefallen, dass wir uns die Idee in den Kopf gesetzt haben, das auch beruflich zu machen.

Und wie funktioniert so etwas dann genau?

Wir haben uns erst einmal hingesetzt und überlegt, was wir machen wollen und wie unser Verlagsprogramm aussehen soll. Dann haben wir eine GbR – eine Personengesellschaft – gegründet und uns im Rathaus als Unternehmen angemeldet.

Wie ging es dann weiter?

Da wir damals alle noch Studenten waren, war unser Budget dementsprechend niedrig. Deshalb haben wir anfangs gemeinfreie Werke veröffentlicht. Da bei solcher Literatur die Autoren schon seit 70 Jahren verstorben sind, mussten wir für keine Rechte oder Lizenzen zahlen. Dank der festen Strukturen, die es in der Buchbranche gibt, haben wir uns schnell reingefunden. Wir machten uns auf die Suche nach einer Verlagsauslieferung, die die Bücher lagert und die Bestellungen der Buchhändler koordiniert. Doch damit ist die Arbeit noch nicht getan. Die Bücher müssen durch entsprechendes Marketing und Werbung noch an die Leser gebracht werden, was die größte Herausforderung darstellt.

Veröffentlicht ihr außer Büchern noch etwas?

FAU-Mitarbeiterin hält im Schlossgarten eine Broschüre zum neuesten Spiel in der Hand.

„Escape Dysturbia“ heißt das neueste Spiel, das der homunculus verlag produziert hat. (Bild: FAU/Rebecca Kleine Möllhoff)

Ja, tatsächlich. Da heutzutage leider immer weniger Menschen Bücher lesen, müssen wir uns nach Alternativen umschauen. Deswegen haben wir uns auch auf Spiele mit narrativen Strukturen spezialisiert. Wir haben zum Beispiel ein Quartett mit literarischen Monstern konzipiert. Auf den Karten kann man dann auch sehen, aus welchen Büchern die Monster stammen, für den Fall, dass die Leute doch Lust aufs Lesen bekommen. Ganz neu sind auch unsere Exit-Games, wie zum Beispiel Escape Dysturbia, in denen Kriminalfälle gelöst werden müssen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?

Einen typischen Arbeitstag gibt es eigentlich gar nicht. Wir sind alle Verleger und arbeiten gleichzeitig noch irgendwo anders. Da wir noch kein eigenes Büro haben, arbeiten wir auch alle von zu Hause aus, telefonieren viel untereinander und treffen uns einmal in der Woche für ein paar Stunden. Als Selbstständiger hat man leider keine festen Arbeitszeiten und muss auch mal bis in die Nacht oder am Wochenende arbeiten. Konkret plane ich Veranstaltungen wie Messeauftritte oder Lesungen, bin für die Pressearbeit zuständig und helfe beim Rechnungswesen oder bei der Layoutgestaltung und dem Lektorieren von Bücher mit.

 Wie werdet ihr auf Schriftsteller aufmerksam?

Das ist eine schwierige Sache. Es gibt natürlich sehr viele Menschen, die schreiben und talentiert sind, aber einfach kein Glück haben, weil ihre Romane beispielsweise nicht dem aktuellen Zeitgeist entsprechen. Und dann gibt es noch die großen Verlage, die talentierten Schriftstellern mehr Geld bieten können. Deswegen suchen wir vor allem Nischen. Für unsere Gegenwartsromane sind wir zum Beispiel immer auf der Suche nach etwas Skurrilem oder Fantastischem. Da haben wir bisher sehr schönen Stoff gefunden, die die großen Verlage nicht wollten. Pro Monat bekommen wir fünf Leseproben von Manuskripten. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, wirklich alle zu lesen und den Autoren zu antworten. Auf Lesungen halten wir auch immer Ausschau nach neuen Autoren, die bisher kleinere Werke in Literaturzeitschriften veröffentlicht haben. Wir sprechen sie dann gezielt an, stellen uns vor und bieten an, dass sie bei Interesse uns etwas zuschicken können.

An welchen Moment als Verlegerin erinnerst du dich besonders gern zurück?

Als wir 2016 das erste Mal auf der Leipziger Buchmesse waren. Wir waren so aufgeregt und stolz, dass wir endlich angekommen sind, es offiziell geschafft haben und nun auch zu den Verlegern gehören. Wir haben die Kollegen anderer unabhängiger Verlage kennengelernt und es war schön zu sehen, dass diese sich untereinander nicht als Konkurrenz, sondern als Gemeinschaft wahrnehmen. Jeder macht seine eigenen Sachen und man steht gemeinsam für die Vielfalt an Büchern, Themen und Stimmen, die alle ihre Daseinsberechtigung haben. Nur mit Vielfalt besteht auch die Vielfalt an Kultur weiter. Außerdem haben wir in Gesprächen mit anderen Verlegern wertvolle Tipps bekommen, die wir in der Fachliteratur oder im Internet niemals gefunden hätten.

Wer Laura Jacobi und den homunculus verlag live kennenlernen möchte, hat bald die Chance dazu:

Erlangen liest unabhängig! Am Donnerstag, den 1. November 2018, lädt der homunculus verlag in Kooperation mit dem E-Werk und der Kulturförderung Erlangen zu einer besonderen Indie-Lesung ein. Zwei jungen Schriftsteller lesen aus ihren neuen, in unabhängigen Verlagen erschienenen Büchern: Die Züricherin Judith Keller aus ihrem Werk „Die Fragwürdigen“, dessen tragikomische Kurzerzählungen uns die großen und kleinen Dramen des Lebens nahebringen, und der Berliner Maruan Paschen aus seinem zweiten Roman „Weihnachten“, in dem ein Familienfest alte Wunden aufbricht und möglicherweise mörderisch eskaliert. Im Gespräch mit einem der homunculus-Verleger geben sie Einblicke in ihre Arbeit und in eine florierende Szene jenseits des Massenmarkts, in der nicht die Dividenden eines Konzerns im Mittelpunkt stehen, sondern der Künstler und sein Werk.

Zeit: 01.11.2018, Beginn 20 Uhr, Einlass 19 Uhr
Ort: E-Werk, Fuchsenwiese 1, 91054 Erlangen
Eintritt: 6 €, ermäßigt 4 €, in der Gruppe ist für jeden dritten Besucher der Eintritt frei

Mehr über den homunculus verlag sowie über die vier Verleger erfahren Sie auf der Webseite und in einem kurzen Video.


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