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Erneut im Gespräch mit Prof. Dr. Mohammad Javed Ali

Prof. Dr. Ali war bereits 2018 als “Experienced Alexander von Humboldt Research Fellow" an der FAU. Im Oktober 2019 ist er nun erneut in Erlangen, diesmal als Gastprofessor. (Bild: G. Naresh)

Gastprofessor am Lehrstuhl für Anantomie II

Prof. Dr. Mohammad Javed Ali ist ein weltweit anerkannter Experte auf dem Gebiet der Dakryologie, jenem Fachgebiet, das sich mit den Tränenkanälen und dem Tränenfluss beschäftigt. Er leitet das Govindram Seksaria Institute of Dacryology am renommierten L. V. Prasad Eye Institute in Indien.

Als Ophtalmologe ist Prof. Dr. Ali einer der wenigen Empfänger des “Experienced Alexander von Humboldt Research Fellowship”. Bereits im März 2018 sprachen wir mit ihm über seinen Forschungsaufenthalt an der FAU im Rahmen des Fellowship. Das Interview finden Sie hier. Im Oktober 2019 ist Prof. Dr. Ali nun erneut in Erlangen, dieses Mal als Gastprofessor. Wir haben uns mit ihm getroffen, um herauszufinden was sich seit seinem letzten Aufenthalt getan ist.

Prof. Dr. Ali, als wir im März 2018 mit Ihnen sprachen, arbeiteten Sie und Ihre Forschungsgruppe gerade an der Entschlüsselung der multifaktoriellen Ätiopathogenese von Tränenwegsverschlüssen. Damals wurde mit dem hormonellen Profiling von Tränenkanälen begonnen. Hat das Profiling bereits Ergebnisse erzielt?

Hallo und vielen Dank für die erneute Einladung! Es ist sehr viel passiert seit dem letzten Interview vor 18 Monaten. Meine Freundschaft zu Prof. Dr. Paulsen ist inniger geworden, sodass er nun ein enger Freund von mir ist. Zudem habe ich meinen Aufenthalt als Humboldtianer an der FAU abgeschlossen.

Ja, wir haben das hormonelle Profiling der Tränenkanäle abgeschlossen und was letztlich dabei herauskam, hat uns verblüfft. Das Hormon Prolactin und seine Rezeptoren könnten eine wesentliche Rolle in der Ätiopathogenese des primär erworbenen Tränenwegsverschlusses spielen. Momentan denken wir über neue Modalitäten nach, um über die Identifizierung von Prolactin als Verursacher dieser multifaktoriellen Störung hinauszugehen, sodass wir vielleicht die Hintergrundkommunikation von Prolactin mit anderen vermutlichen Verursachern entschlüsseln können.

Was sind weitere wichtige Ergebnisse Ihrer Forschung an der FAU?

Abgesehen vom hormonellen Profiling des Tränenkanalsystems erbrachten drei weitere wichtige Gebiete wesentliche Ergebnisse. Erstens haben wir hier am Lehrstuhl für Anantomie II die Ätiopathogenese der Dakryolithiasis, also die Entstehung von Mucopeptidverhärtungen beim Abfluss von Tränenflüssigkeit, entschlüsselt. Wir fanden heraus, dass alles mit einem Blutpfropfen beginnt, der als Brutstätte fungiert, und wie sich Mucopeptide letztendlich zu konzentrischen Formen verbinden, um dann die Verhärtung zu bilden.

Zweitens hat unsere Gruppe unter der Leitung von Prof. Dr. Paulsen das Vorhandensein einer immanenten choligernischen Aktivität im Abflusssystem der Tränenflüssigkeit aufgezeigt, die das Potential zur Entschlüsselung vieler Störungen dieses Bereichs hat.

Eine dritte wichtige Erkenntnis war die Entdeckung von Tensiden im menschlichen Kanälchen. Wir haben daraufhin Theorien vorgeschlagen, die diese Tenside mit Dynamiken des Tränenflusses und Abwehrmechanismen der Kanälchen in Verbindung bringen. Unsere Gruppe hat außerdem dysfunktionale Expressionen von Tensiden in Fällen von primär erworbenen Tränenwegsverschlüssen festgestellt.

Was sind die nächsten Schritte in Ihrem Forschungsprojekt an der FAU?

Es ist sehr schön und anspornend als Gastprofessor zurück zu sein. Momentan arbeiten wir daran, die physiologischen Mechanismen hinter dem Prozess des Tränenflusses zu verstehen. Als erster Schritt analysieren wir 3D-Rekonstruktionen der Tränenkanäle und der Muskulatur, die diese umgeben. Eventuell werden wir diese Technologie auch verwenden, um sowohl Tränenkanäle als auch Verschlüsse durch Mucopeptide zu untersuchen, sodass wir sie in einem ganz neuen Licht sehen können, wie es uns zuvor nicht möglich war.

Vielen Dank für das Interview, Prof. Dr. Ali.

Vielen Dank für die erneute Einladung.

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