Ewiges Altern von Proteinen weiter unbewiesen

Zeichnung Protein
Bild eines PGK Proteins von RCSB PDB (rcsb.org), PDB ID 3PGK (H. C. Watson, et al. (1982) EMBO J 1: 1635)

FAU-Forscher entdecken wissenschaftlichen Irrtum

Seit 2015 ein Forscherteam einen Artikel veröffentlichte, der zu beweisen schien, dass Proteine über die gesamte Dauer ihrer Existenz altern, ohne je einen stationären Zustand zu erreichen, galt dies der Wissenschaftswelt als Fakt. FAU-Forscher Igor Goychuk und Thorsten Pöschel haben nun herausgefunden, dass ihre Kollegen Hu et al. sich 2015 geirrt haben. Diese Entdeckung konnten sie in der renommierten Zeitschrift Nature Physics veröffentlichen.

Ihre Erkenntnis hatten Xiaohu Hu und weitere Forscher seinerzeit auf Molekulardynamiksimulationen in Kombination mit bereits vorher veröffentlichten experimentellen Daten gestützt: Sie gingen davon aus, dass Proteine bis an ihr individuelles Lebensende altern, was, physikalisch gesehen, heißt, dass der konkrete Verlauf dynamischer Prozesse in einem Protein vom Alter des Proteins abhängt. Dies hätte bedeutet, dass Proteine ein Langzeitgedächtnis haben. Durch sorgfältige Analyse der Originaldaten konnten Goychuk und Pöschel nun zeigen, dass die sensationelle Schlussfolgerung von 2015 auf einem Irrtum bei der Datenanalyse und der Fehlinterpretation der Daten beruht. Setzt man nämlich die gemessenen – oder simulierten – Daten korrekt in Bezug zu den entsprechenden Größen der Kinetischen Theorie, so lassen sich die Behauptungen nicht bestätigen. Aus den vorliegenden Daten und/oder mit den zur Verfügung stehenden Methoden lässt sich also mitnichten schließen, dass Proteine ewig lange altern. Und damit ist das Rennen um ein tieferes Verständnis der Alterungsprozesse von Proteinen wieder offen…

Weitere Informationen:

https://doi.org/10.1038/s41567-021-01269-1

PD Dr. Igor Goychuk
igor.goychuk@fau.de

Prof. Dr. Thorsten Pöschel
thorsten.poeschel@fau.de