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Doppelt anerkannt: Fachgesellschaften würdigen FAU-Forschung zum Salzstoffwechsel

Prof. Dr. Jens Titze (Bild: privat)

Prof. Dr. Jens Titze (Bild: privat)

Vom ungläubigen Staunen über die Skepsis, die außergewöhnliche Forschungsergebnisse häufig begleitet, bis hin zur offiziellen Anerkennung: An der FAU und der Medizinischen Klinik 4 des Uni-Klinikums Erlangen durchgeführte Experimente und Analysen zum Salzstoffwechsel und die daraus gewonnenen Belege, die einen Richtungswechsel in der Diagnostik nahelegen, haben die „Scientific Community“ überzeugt. Jens Titze, Professor für Elektrolyt- und Kreislaufforschung und Leiter der Nachwuchsgruppe II am Interdisziplinären Zentrum für Klinische Forschung (IZKF), ist für diese Forschungsarbeiten innerhalb kurzer Zeit mehrfach von renommierten Fachgesellschaften ausgezeichnet worden, sowohl in Deutschland als auch in den USA.

Die American Heart Association und die American Stroke Association (AHA/ASA) haben den Forscher mit dem „HBPR Mid Career Award for Research Excellence“ geehrt. Die Abkürzung „HBPR“ steht für „High Blood Pressure Research“, die Erforschung des Bluthochdrucks, seiner Ursachen und möglicher Folgeerkrankungen. Wer den Award erhält, ist zudem eingeladen, bei der British Hypertension Society im Folgejahr einen Vortrag zu halten, in dem er seine Ergebnisse präsentiert. Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (Nierenheilkunde), seit 2009 die größte Interessensvertretung von Nephrologen im deutschsprachigen Raum, verlieh Prof. Titze auf ihrem Jahreskongress Anfang Oktober 2013 den Franz-Volhard-Preis. Diese Auszeichnung, verbunden mit einer Preissumme von 10.000 Euro, fördert herausragende Wissenschaftler, die sich außergewöhnliche Verdienste auf dem Gebiet der experimentellen und klinischen Nierenforschung erworben haben.

Titze und seine Kollegen fanden in einer Reihe von Studien heraus, dass nicht allein die Nieren im Zusammenspiel mit Gehirn und Blutgefäßen den Salzgehalt im Körper regulieren, der sich auf den Blutdruck auswirkt. Andere Organe sind ebenfalls beteiligt: Insbesondere die Haut, aber auch Muskelgewebe speichern Natrium-Ionen. „Unter dieser Voraussetzung ist eher zu verstehen, dass es für Salzzufuhr und -abbau offenbar Rhythmen gibt, die sich über Wochen und sogar Monate erstrecken“, sagt Titze. Bis das Team die Daten eines kontrollierten Langzeitversuchs auswerten konnte, wurde ein täglicher Ausgleich in der medizinischen Praxis nicht hinterfragt. Die neue Sicht wurde durch das Deutsche Zentrum für Luft-und Raumfahrt in Kooperation mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie ermöglicht: 2009 und 2010 testete die Mars500-Mission in einer Simulation über mehrere Monate das Leben im All.

Doch noch ist bei weitem nicht alles geklärt, wie der Forscher betont. Das neueste Ergebnis der Gruppe aus einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt lautet, dass Immunzellen und Lymphgefäße im Salzstoffwechsel mitmischen. Nach ihren Untersuchungen sammeln sich Natrium und Chloride in der Haut von Mäusen an, die sehr salzreiches Futter erhalten. Dies veranlasst Phagozyten – deren Amt es sonst ist, Fremdkörper und Krankheitserreger zu beseitigen – zu einem Sondereinsatz. Die „Fresszellen“ aktivieren ein bestimmtes Protein und setzen damit einen Prozess in Gang, der Lymphgefäße letztendlich dazu anregt, Elektrolyte verstärkt aus dem Körper zu spülen.

Die molekularbiologischen Analysen stützte das Team durch genetische Studien. Wird demnach das zum Protein gehörige Gen ausgeschaltet oder können die Lymphgefäße das Signal nicht empfangen, weil ihre „Antenne“ gekappt wird, lagern sich verstärkt Kochsalzbestandteile in der Haut ein. Um herauszufinden, ob im Gewebe gespeichertes Salz dem Herz-Kreislauf-System schadet, werden nun in den kommenden fünf Jahren rund 2.000 Personen zweimal jährlich medizinisch untersucht. Die „Salzdepots“ im Körper werden mittels einer neu entwickelten nicht-invasiven Methode auf Basis der Magnetresonanztomographie aufgespürt.

Auch der Einfluss bestimmter Medikamente oder eines veränderten Lebensstils auf das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden bzw. andere arterielle Erkrankungen zu entwickeln, soll überprüft werden. Schließlich werden die Forscher weiter dem Immunsystem als einem möglichen Akteur in diesem komplexen Balanceakt auf der Spur bleiben. „Vielleicht gibt es eine zusätzliche homoöstatische, auf das Stoffgleichgewicht bezogene Immunfunktion, die genau so wichtig ist wie die Immunabwehr von Krankheitserregern“, überlegt Jens Titze. Dann hätten die „Polizisten“ des Organismus noch eine Aufgabe mehr.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Jens Titze
jens.titze@uk-erlangen.de

 

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