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Neue Therapie zum Infektionsschutz nach Stammzelltransplantation

Das Universitätsklinikum Erlangen von oben. (Bild: Uni-Klinikum Erlangen)

Erlanger Forscher entwickeln Zelltherapie, um tödliche Virusinfektionen zu verhindern

Eine Fränkin ist die erste Patientin in Deutschland, die nach einer Stammzelltransplantation jetzt mit Abwehrzellen (T-Lymphozyten) des Stammzellspenders zur Immunabwehr gegen Herpesvirus-Infektionen behandelt wurde. „Die T-Zell-Übertragung hat das Ziel, Patienten nach einer Stammzelltransplantation vor der tödlichen Bedrohung durch bestimmte Herpesviren wirkungsvoll zu schützen“, sagt Prof. Dr. Armin Gerbitz, Oberarzt an der Medizinischen Klinik 5 – Hämatologie und Internistische Onkologie  des Universitätsklinikums Erlangen. Trotz moderner Medikamente können bestimmte Viren letztlich nur durch das Immunsystem kontrolliert werden. Nach wie vor versterben über 10 % der Patienten nach einer Stammzelltransplantation an den Folgen von Infektionen. Die Behandlung der Erlanger Patientin bildete den Auftakt einer deutschlandweiten Studie zur Herstellung eines T-Zell-Präparates nach den Richtlinien des Arzneimittelgesetzes und des Bundesinstituts für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, dem Paul-Ehrlich-Institut.

Zur Vermeidung einer Abstoßungsreaktion nach einer Stammzelltransplantation (SZT) von einem Geschwister- oder Fremdspender sind Medikamente erforderlich, die das Immunsystem des Patienten erheblich unterdrücken. Die Folge einer immunsuppressiven Therapie nach der SZT ist ein sehr hohes Infektionsrisiko. Da nur ein sehr kleiner Teil des Immunsystems des Spenders übertragen wurde, baut sich das neue Immunsystem im Patienten erst im Laufe von Monaten und Jahren wieder auf. Sechs Monate nach einer SZT müssen daher z. B. alle Grundimpfungen neu durchgeführt werden. Für wichtige Immunreaktionen – beispielsweise gegen Pilze und Herpesviren – gibt es aber bisher keine Impfstoffe. Diese Immunantworten des Körpers müssen aber ebenfalls wieder neu aufgebaut werden. Durch die Übertragung von spezifischen T-Lymphozyten, deren Machbarkeit nun im Rahmen einer Phase-I/IIa-Studie untersucht wird, sollen Patienten nach der SZT einen wirkungsvollen Schutz gegen zwei gefährliche Herpesviren (Epstein-Barr-Virus und Zytomegalievirus) erhalten. „Mit der T-Lymphozyten-Gabe wird Patienten sozusagen ein aktiver Teil des Immunsystems des Stammzellspenders mit übertragen“, erläutert Prof. Gerbitz.

Stammzelltransplantation: etabliertes Verfahren mit hoher Komplikationsrate

Die Stammzelltransplantation zur Therapie von bösartigen Erkrankungen wie der akuten Leukämie ist ein etabliertes therapeutisches Verfahren. Weltweit betrachtet wurde 2013 die millionste SZT durchgeführt. „Angesichts der steigenden Transplantationszahlen ist es eine wichtige Aufgabe, die Forschung zur Senkung des hohen Infektionsrisikos nach einer SZT voranzubringen“, sagt Prof. Gerbitz, der die neue, deutschlandweite Studie von Erlangen aus leitet. Verschiedene Forschergruppen arbeiten weltweit an unterschiedlichen Strategien zur Infektionsminderung nach SZT. Bisher werden überwiegend Ansätze mit erregerspezifischen T-Lymphozyten verfolgt. Eine weitere Erlanger Forschergruppe untersucht derzeit auch noch einen alternativen Ansatz mit Gedächtnis-B-Lymphozyten des Stammzellspenders.

SZT-Patienten können an neuer Therapiestudie an sechs Standorten teilnehmen

Seit über fünf Jahren forschen die Wissenschaftler der Medizinischen Klinik 5 des Uni-Klinikums Erlangen in Zusammenarbeit mit Dr. Andreas Moosmann vom Helmholtz Zentrum in München an dem neuen Therapieverfahren, um die Abwehrschwäche nach SZT zu vermindern. In der aktuellen Studie werden dem Empfänger aktivierte und in Kultur vermehrte Immunzellen, sogenannte T-Lymphozyten, vom ursprünglichen Stammzellspender übertragen. T-Lymphozyten sind die Immunzellen, die vor allem bei der Abwehr von Viren und Pilzen eine entscheidende Rolle spielen. „Unsere aktuelle Studie soll nun zeigen, dass wir T-Lymphozyten nach den strengen Auflagen des Arzneimittelrechts so herstellen können, dass damit SZT-Patienten wirkungsvoll gegen zwei Herpesviren geschützt werden können“, so Prof. Gerbitz. „Die erste Patientin hat die Gabe dieser T-Lymphozyten  sehr gut vertragen.“ Bis zum Jahresende können neben den Erlanger Patienten auch SZT-Patienten der Uni-Klinika München (LMU), Regensburg, Mainz, Berlin (Charité) und des Klinikums Augsburg an der Studie teilnehmen.

Umfangreiche Prüfung der Studie vor Beginn für größtmögliche Patientensicherheit

Die Phase-I/IIa-Immuntherapiestudie erfüllt alle Auflagen des Arzneimittelgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Die T-Lymphozyten-Präparate werden auf höchstem Qualitätsniveau (Good Manufacturing Practice, GMP) von der Transfusionsmedizinischen und Hämostaseologischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Reinhold Eckstein) des Uni-Klinikums Erlangen hergestellt. Gefördert wird die Studie vom bayerischen Wissenschaftsministerium (BayImmuNet) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Ein wesentlicher Teil der Patientenversorgung wird vom Universitätsklinikum Erlangen finanziert, und vom Center for Clinical Studies (CCS) des Universitätsklinikums Erlangen und von der Ethikkommission der FAU Erlangen-Nürnberg begleitet. Die Genehmigung des Studienprotokolls erfolgte am 23.06.2014 vom Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel (Paul-Ehrlich-Institut) der Bundesrepublik Deutschland. Weitere Infos: www.medizin5.uk-erlangen.de

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Andreas Mackensen
Tel.: 09131/85-35954
andreas.mackensen@uk-erlangen.de

 

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