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Wie bewerten sich mittelfränkische Gemeinden selbst?

Bild: panthermedia.net / Diego Cervo

FAU-Wissenschaftler haben Gemeinden zu kommunalen Prozessen und Strukturen befragt

Mittelfränkische Gemeinden sind insgesamt zufrieden mit der Lebensqualität für ihre Bürger. Bei der Standortqualität für Unternehmen sehen sie mehr Verbesserungsbedarf. Diese Aussagen sind das Ergebnis eines Lehrforschungsprojektes mit Studierenden des Masterstudienganges Sozialökonomik der FAU, das nun vorgestellt wurde.

Was sind wichtige Faktoren für Lebensqualität? Was macht eine Gemeinde zu einem attraktiven Wirtschaftsstandort? Und wie bewerten die Gemeinden ihre Leistungen und wo sehen sie Handlungsbedarf? Antworten auf diese und weitere Fragen ermittelten die Studierenden mit ihrer Umfrage. Von Ende 2014 bis Anfang 2015 haben sie unter der Leitung von Prof. Dr. Matthias Wrede, Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Sozialpolitik, insgesamt 210 mittelfränkische Gemeinden befragt – von denen mehr als die Hälfte geantwortet haben –, wie sie ihre Leistungen selbst einschätzen. Das Ziel der Umfrage war es, Zusammenhänge zwischen kommunalen Prozessen und Strukturen, den vorherrschenden Lebensverhältnissen sowie Standortbedingungen aus der Perspektive der Gemeinden zu untersuchen, um diese besser verstehen zu können.

Kinderbetreuung und ärztliche Versorgung wichtiger als Kultur- und Freizeitangebote

Aus den Ergebnissen der Umfrage geht hervor, dass die Gemeinden im Allgemeinen mit der Lebensqualität für ihre Bürger zufrieden sind. Als wichtigste Faktoren sehen sie hierbei Kinderbetreuungsangebote und gute medizinische Versorgung. Aspekte wie Einkaufsmöglichkeiten oder vielfältige Kultur- und Freizeitangebote schätzen die Gemeinden als zweitrangig ein. Auch das Mitwirken der Zivilgesellschaft wird als wichtig erachtet und positiv bewertet. Insbesondere die positive Zusammenarbeit mit Kirchen und Vereinen heben die Gemeinden hervor.

Mit der Qualität der Standorte  für Unternehmen sind die Gemeinden hingegen weniger zufrieden. So wird besonders das Angebot von Gewerbeflächen als eher schlecht eingeschätzt. Auch mit dem Zugang von Unternehmen zu Fördermitteln zeigen sich die Gemeinden eher unzufrieden. Die Anbindung an das Straßennetz wird im Allgemeinen als wichtig und gut erachtet. Allerdings bewerten viele Gemeinden den Ausbau der Breitbandinfrastruktur 2014 noch als verbesserungswürdig. Des Weiteren wird als wichtiger Faktor für die Attraktivität der Gemeinde als Wirtschaftsstandort die Servicequalität der Gemeindeverwaltungen eingeschätzt.

Was Finanzen angeht, lässt sich aus den Umfrageergebnissen erkennen, dass die Gemeinden deutlich zufriedener mit den Einnahmen aus der Einkommenssteuer als mit den Einkommen aus dem kommunalen Finanzausgleich sind. „Daraus lässt sich schließen, dass sich Gemeinden allgemein mehr Unterstützung durch den Freistaat erwarten“, sagt Wrede. Besonders in den Bereichen Wirtschaftsförderung und Straßenausbau sehen sich die Gemeinden als finanziell oder personell überlastet.

Gute kommunale Steuerung und höhere Lebens- und Standortqualität gehen Hand in Hand

Aus den Ergebnissen geht hervor, dass aus Sicht der Gemeinden Lebens- und Standortqualität eng mit der Qualität kommunaler Steuerung zusammenhängen. Demnach wird die Zielgenauigkeit kommunaler Politik durch betriebswirtschaftliche Steuerungsinstrumente erhöht; Transparenz bei Verwaltungs- und Regierungsmaßnahmen ermöglichen eine wirksamere Beteiligung von Bürgern und Unternehmen.

Mit der Studie leisten die FAU-Studierenden einen Beitrag zur Transparenz auf Ebene der Kommunalpolitik: „Anhand der erhobenen Daten können Gemeinden ihre Einschätzungen mit anderen Gemeinden vergleichen und gegebenenfalls ihre Politik korrigieren“, erklärt Wrede: „Bürger und Unternehmen Mittelfrankens erfahren, wie die Gemeinden ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen bewerten, und können ihr kommunales Engagement daran ausrichten.“

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Matthias Wrede
Tel.: 0911/5302-951
matthias.wrede@fau.de

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