Die Bildermanufaktur Lucas Cranachs d.Ä.

Brustbild eines Kindes, Farbige Kreiden aus der Graphischen Sammlung der UB Erlangen-Nürnberg. (Bild: Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg)

Neue Erkenntnisse über Handzeichnungen aus dem Kunstschatz der FAU

Die Graphische Sammlung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen (FAU) gehört zu den größten und bedeutendsten ihrer Art weltweit. Wenig erforscht waren der Bestand an Zeichnungen der Malerwerkstatt Lucas Cranachs des Älteren in Wittenberg. Prof. Dr. Hans Dickel, Kunsthistoriker an der FAU, hat die 85 Blätter nun wissenschaftlich bearbeiten lassen und mit seinem Team Spannendes über das „Maler-Unternehmen“ herausgefunden. Einen Einblick in die Ergebnisse gibt unter anderem die Ausstellung „Zeichnen in Cranachs Werkstatt“ in der Fränkischen Galerie in Cranachs Geburtsstadt Kronach vom 24. März bis 24. Juni 2018, in der (auch) die kostbaren Handzeichnungen gezeigt werden.

PD Dr. Manuel Teget-Welz untersuchte bei seiner Arbeit einen bislang wenig erforschten Aspekt des Schaffens Lucas Cranachs d. Ä. (geboren 1472 in Kronach, gestorben 1553 in Weimar) und lüftete das Erfolgsrezept des „Maler-Unternehmers“ und seiner Wittenberger Werkstatt.

Präsentation von Cranach-Zeichnungen

Haben 85 Zeichnungen aus Cranachs Werkstatt untersucht (v.l.) PD Dr. Manuel Teget-Welz, Dr. Christina Hofmann-Randall und Prof. Dr. Hans Dickel. (Foto: Wolf-Dietrich Weissbach)

So belegen die Handzeichnungen eindrucksvoll das Geschick des Geschäftsmanns Lucas Cranach, Großaufträge durch perfekt organisiertes Projektmanagement abzuarbeiten. Anschaulich wird dies am Beispiel der Zeichnungen, die im Rahmen eines Auftrags für die Hallenser Stiftskirche entstanden sind. In nur fünf Jahren, zwischen 1520 und 1525, schuf die Cranach-Werkstatt die stattliche Menge von 142 Gemälden. Der Meister selbst erstellte für seine Auftraggeber sogenannte „Besteller-Zeichnungen“, die dann in aller Regel auch beim Kunden blieben. Diese konnten so die Pläne überdenken und nach eigenem Gusto verändern.

Angestellte der Werkstatt arbeiteten die Kundenwünsche in die Entwürfe ein und erstellten später Kopien. Der „Schnellmaler“, wie Cranach von Zeitgenossen bewundernd genannt wurde, betreute sein Projekt so lange, bis die Aufgabe künstlerisch und programmatisch umrissen war. Die endgültige Ausführung wurde dann bewährten Meisterschülern übertragen. Cranach selbst behielt die Oberaufsicht, war parallel dazu aber schon wieder mit der Planung neuer Aufträge beschäftigt. Die entstandenen Handzeichnungen wurden archiviert und dienten als Vorlagenvorrat, der immer wieder Verwendung fand. Auf Basis dieser Vorlagen war die Werkstatt in der Lage – nach einem kurzen Briefing durch den Meister – Großaufträge weitgehend selbstständig zu erledigen.

Damit ist der Unternehmer Cranach seiner Zeit weit voraus. Frühzeitig erkennt er die Vorzüge der Arbeitsteilung sowie des Gütesiegels für Qualität und wird so – bereits im 16. Jahrhundert – zu einem Pionier moderner Produktionsverfahren. Er setzt auf Diversifikation und etabliert in Wittenberg nicht nur seine Bildermanufaktur, sondern auch eine florierende Apotheke, über die er seine Farben und Malmittel bezieht. In seiner Werkstatt gehört Teamwork zum Arbeitsalltag. Kaum jemand ist wie er in der Lage, parallel gleich mehrere Großaufträge innerhalb kürzester Zeit zu erledigen. Aber er setzt auch auf Qualität und eigene Handschrift: Porträts werden bei Lucas Cranach dem Älteren zu Charakterstudien, seine Landschaftsmalerei gilt als richtungsweisend. Zielgruppen gerecht beliefert er den Adel und den Klerus. In einer Zeit des religiösen Aufbruchs prägt er das katholische Bildprogramm und ist gleichzeitig Erfinder neuer protestantischer Themen. Er schafft unzählige fromme Altäre und Bilder – aber auch ebenso viele Darstellungen nackter Nymphen. Er wirft der Erotik das schützende Gewand der Mythologie über, macht dies zu seiner Spezialität und erobert damit einen festen Platz an der Spitze des Kunstmarktes.

Zum Konvolut der Cranach-Zeichnungen, aus der Sammlung der FAU, die bei der Ausstellung in Kronach zu sehen sind, gehören Blätter, die in den 1520er Jahren mit einem Hallenser Großauftrag für Kardinal Albrecht geschaffen wurden. Zu sehen sind außerdem Porträtzeichnungen, die als Gemäldevorlagen dienten, Blätter, die von Lehrlingen zu Schulungszwecken gestaltet wurden, sowie Zeichnungen, die in den 1550er Jahren unter der Werkstattleitung von Lucas Cranach dem Jüngeren für einen umfangreichen, 53 Gemälde umfassenden Auftrag für St. Marien in Dessau entstanden sind. Gezeigt werden Entwürfe zu Flügelaltären mit Passionsszenen und Heiligen, Zeichnungen einer Folge der Schmerzen und Freuden Mariä nach Albrecht Dürer und weitere Blätter, unter denen sich auch eines mit dem berühmten Schlangenwappen Cranachs befindet. Zu den Exponaten gehört außerdem die aus Meisterhand stammende Zeichnung „Musizierendes nacktes Paar“.

Die Zeichnungen präsentieren sich frisch restauriert und in einem hervorragenden Zustand. Aus konservatorischen Gründen werden sie nach der Ausstellung dennoch für lange Zeit nicht mehr zu sehen sein. Die Ausstellung „Zeichnen in Cranachs Werkstatt“ entstand in Kooperation der Lucas-Cranach-Stadt Kronach mit der Universitätsbibliothek der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und dem Bayerischen Nationalmuseum in München. Begleitend erscheint ein vom Kunsthistorischen Institut der Universität Erlangen erarbeiteter, umfassender Katalog, gefördert von der Ernst von Siemens Kunststiftung, München.

Präsentiert wird dieses umfassende Erlanger Konvolut von Handzeichnungen ab März 2018 im Rahmen der Ausstellung „Zeichnen in Cranachs Werkstatt“ in der Fränkischen Galerie in Cranachs Geburtsstadt Kronach. Die Fränkische Galerie ist ein auf fränkische Kunst des Mittelalters und der Renaissance spezialisiertes Zweigmuseum des Bayerischen Nationalmuseums, München.

Zeichnen in Cranachs Werkstatt
24.03. – 24.06.2018
Fränkische Galerie auf der Festung Rosenberg, 96317 Kronach
geöffnet: Dienstag – Sonntag, 09.30 – 17.30 Uhr

Katalog:

Zeichnen in Cranachs Werkstatt
Die sächsischen Zeichnungen der Renaissance in der Universitätsbibliothek Erlangen
Herausgegeben von Hans Dickel, bearbeitet von Manuel Teget-Welz
ISBN 978-3-7319-0639-1

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Hans Dickel
Tel.: 09131/85-29234
hans.dickel@fau.de

Sabine Raithel
Redaktionsbüro
sabine.raithel@raithel-pr.de

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