Selbstmanagement macht zufriedener, innovativer und produktiver

(Bild: Colourbox.de)

Psychologen der FAU zeigen Wirksamkeit von Bottom-up-Methoden

In einer Feldstudie haben Arbeitspsychologen der FAU nachgewiesen, dass Job Crafting und ProMES – zwei sogenannte Bottom-up-Methoden – zu signifikant höherem Innovationsverhalten von Mitarbeitern führen. Zudem kann eine erfolgreiche Gruppenintervention die individuelle Leistung fördern. 138 Mitarbeiter der Firmen Bosch, Consors Bank und der Nürnberger Baugruppe nahmen an dem Projekt teil.

Seit Jahrzehnten suchen Organisationspsychologen nach Methoden, mit denen Zufriedenheit, Gesundheit und Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz erhalten und gesteigert werden können. In letzter Zeit haben sich vor allem sogenannte Bottom-up-Methoden als sehr wirksam erwiesen, etwa das Job Crafting zur Steigerung des Arbeitsengagements und ProMES, eine Teamintervention zur Verbesserung des Arbeitsklimas und der Produktivität. „Job Crafting zielt auf initiatives Handeln des einzelnen Mitarbeiters. Es geht darum, Arbeitsaufgaben und Arbeitsumgebung proaktiv so zu gestalten, dass sie besser zu den eigenen Motivationen und Stärken passen“, erklärt Dr. Colin Roth vom Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialpsychologie der FAU. „ProMES hat eher die Arbeitsteams im Blick. Sie werden an der Festlegung von Aufgaben und Zielen sowie an der Definition der Leistungskriterien beteiligt, was nachweislich zur Verbesserung von Produktivität, Arbeitszufriedenheit und Teamklima führt.“

Feldstudie in drei Unternehmen

In einer Feldstudie haben Psychologen der FAU gemeinsam mit der Technischen Universität Eindhoven sowie den Praxispartnern BlackBox/Open GmbH & Co. KG und Feedbit Software GmbH die Wirksamkeit der Methoden untersucht. In den beteiligten Unternehmen Bosch, Consors Bank und Nürnberger Baugruppe wurden insgesamt 138 Mitarbeiter jeweils vier Gruppen zugeordnet: Eine Gruppe, in der ProMES in Form von Workshops durchgeführt wurde, eine zweite Gruppe, die ein Job-Crafting-Training erhielt, eine dritte Gruppe, in der beide Methoden kombiniert wurden, und eine Kontrollgruppe, die keine der Maßnahmen erfuhr. Die Intervention, die sich über ein halbes Jahr erstreckte, wurde von erfahrenen Coaches durchgeführt. Die Teilnehmer wurden vor dem Start, nach drei Monaten und zum Ende des Projektes zu Arbeitsengagement, Motivation und Teamklima befragt.

Innovatives Verhalten gesteigert

Die Ergebnisse der Studie belegen signifikant, dass sowohl ProMES als auch Job Crafting zu einer Erhöhung von innovativem Verhalten führen. Gemessen auf einer Skala von 1 bis 7 erhöhte sich das Innovationsverhalten von durchschnittlich 4,0 auf 5,0 Punkte, während in den Kontrollgruppen dieser Wert während des Beobachtungszeitraums sogar leicht rückläufig war. Zudem zeigte sich, dass Teilnehmer in den ProMES-Gruppen ihre persönliche Arbeitsleistung positiver einschätzten als vor Beginn der Intervention. Allerdings brachte die Kombination beider Methoden keine zusätzliche Steigerung von Leistung und Innovation. Colin Roth: „Möglicherweise zeigen sich über einen längeren Zeitraum doch messbare Effekte. Aber als kurzfristiges Interventionsinstrument ist die Kombination von Job Crafting und ProMES nicht gewinnbringend.“

Gruppenintervention regt Crafting an

Ein weiteres überraschendes Ergebnis der Studie: Die Intervention im Team durch ProMES regt Job Crafting an. Insbesondere die proaktive Suche nach neuen Ressourcen – das kann zum Beispiel das Feedback von Kollegen sein – und das Streben nach neuen Herausforderungen, etwa das Ausprobieren neuer Arbeitsmethoden und die Auseinandersetzung mit neuen Wissensinhalten, tragen zu diesem Effekt bei. „Das ist insofern bemerkenswert, als dass Crafting bislang nur im individuellen Training gefördert wurde“, sagt Colin Roth. „Durch Team-Coaching können also nicht nur Arbeitsklima und Produktivität verbessert, sondern auch proaktives Arbeitsverhalten des Einzelnen angeregt werden.“

Die Studie wurde im Rahmen des Schöller Senior Fellowships der Theo und Friedl Schöller-Stiftung durchgeführt.

Informationen:

Dr. Colin Roth
Tel.: 0911 5302-248
colin.roth@fau.de

 

 

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