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Gesünder leben trotz und mit digitalen Technologien

Frau hält Handy
Symbolbild, Bild: Colourbox.de

FAU forscht im Projekt ForDigitHealth an Digitalisierungsstress

Ständige Erreichbarkeit, eine steigende Flut an Informationen und immer neue Technologien, die Teil unseres Lebens werden und von denen wir abhängig sind. Wie der Umgang mit digitalen Technologien und Medien gesünder gestaltet werden kann, daran forschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der FAU und der Universitäten Augsburg, Bamberg, München sowie Würzburg gemeinsam. Das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst fördert den Forschungsverbund ForDigitHealth mit rund 3,35 Millionen Euro für die Dauer von vier Jahren.

Die Digitalisierung führt zu grundlegenden Veränderungen unserer Gesellschaft und unseres individuellen Lebens. Dies birgt Chancen und Risiken für unsere Gesundheit. Zum Teil führt unser Umgang mit digitalen Technologien und Medien zu negativem Stress, also Distress, Burnout, Depression und weiteren gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Andererseits können digitale Medien auch Distress reduzieren oder dafür sorgen, dass Stress vermehrt als Herausforderung gesehen und damit auch geradezu positiv, also als Eustress, erlebt wird. Im Zuge der rapiden technologischen Entwicklungen bieten sich immer mehr und immer bessere Möglichkeiten an, Gesundheit und Wohlbefinden mit Hilfe von künstlicher Intelligenz, Adaptivität und Interaktivität der Systeme zu fördern.

„Viele Menschen erleben in ihrem Alltag selbst, wie uns digitale Technologien einerseits unterstützen, wie sie uns andererseits aber auch im Griff haben und wir unser Leben nach ihnen richten. Sie merken das beispielsweise, wenn Sie sich fragen, wie Sie mit all den E-Mails am Arbeitsplatz zurechtkommen sollen oder wenn Sie sich dabei ertappen, wie Sie alle fünf Minuten auf Ihr Smartphone schauen, ob es eine neue Nachricht für Sie gibt oder wer Ihr gepostetes Bild schon angeschaut oder kommentiert hat“, sagt Prof. Dr. Henner Gimpel von der Universität Augsburg, Sprecher des neuen Forschungsverbunds ForDigitHealth. Ziel des Verbunds ist es, die Gesundheitseffekte der zunehmenden Präsenz und intensivierten Nutzung digitaler Technologien und Medien – speziell in Hinblick auf die Entstehung von digitalem Distress und Eustress und deren Folgen – zu erforschen sowie Präventions- und Interventionsmöglichkeiten zu erarbeiten und zu evaluieren. Dadurch soll der Forschungsverbund zu einem angemessenen, bewussten und gesundheitsförderlichen individuellen wie kollektiven Umgang mit digitalen Technologien und Medien beitragen.

Zwei Teilprojekte an der FAU

An diesen Fragestellungen arbeiten ausgewiesene Expertinnen und Experten aus den Fachdisziplinen Medizin, Psychologie, Informatik, Wirtschaftsinformatik und Kommunikationswissenschaft in elf auf spezifische Aspekte der übergeordneten Themen fokussierten Einzelprojekten.

Die FAU ist mit verschiedenen Teilprojekten beteiligt. Prof. Dr. Nicolas Rohleder, Inhaber des Lehrstuhls für Gesundheitspsychologie, ist Leiter des Projekts „Psychobiologische Untersuchung von digitalem Stress“, das sich mit den biomedizinischen Folgen von Belastungen auseinandersetzt, die durch digitale Technologien und Medien hervorgerufen werden. Er will den digitalen Stress ins Labor bringen. Mit seiner Projektgruppe untersucht er Menschen, die künstlichem digitalen Stress ausgesetzt werden: „Die Versuchspersonen sollen beispielsweise eine Aufgabe lösen, bei der sie sich konzentrieren müssen. Sie werden jedoch durch Mails oder Nachrichten auf ihrem Smartphone stetig gestört“, erklärt Rohleder. Der Wissenschaftler will messen, inwieweit sich dieser Stress auf das Cortisollevel und die Entzündungsparameter auswirkt. Gesteigerte Werte können langfristig zu Herzkreislauferkranken, Krebs oder auch Depression führen.

Prof. Dr. Matthias Berking, Inhaber des Lehrstuhls für Klinische Psychologie und Psychotherapie, beschäftigt sich mit der Frage, wie moderne Technologien genutzt werden können, um die Attraktivität und die Effektivität von Apps zur Förderung der psychischen Gesundheit weiter zu steigern: „Nahezu jeder von uns trägt in seinem Handy einen Hochleistungscomputer mit sich herum, welcher mithilfe der eingebauten Sensoren eine Vielzahl gesundheitsrelevanter Parameter kontinuierlich aufnehmen und auswerten kann. Auf der Basis eines solchen Monitorings können smartphonebasierte Gesundheitsinterventionen den Nutzern Vorschläge machen, wie sie mit psychischen Herausforderungen besser umgehen können oder sie ermöglichen die Kontaktaufnahme mit Gesundheitsexperten oder anderen Betroffenen, welche bei der Bewältigung schwieriger Herausforderungen unterstützen können. Bislang fehlt es aber noch an wissenschaftlich fundierten Konzepten in diesem Bereich. Genau das wollen wir mit dem Verbundprojekt ändern.“

Wissenschaftsminister Bernd Sibler betonte: „Gesundheitsforschung ist Zukunftsforschung! Der Forschungsverbund ‚ForDigitHealth‘ geht entscheidenden Fragen nach, die eine hohe Relevanz für ein gesundes Leben mit digitalen Medien haben. Im Zeitalter der Digitalisierung ist es von großer Bedeutung, dass wir diese souverän und selbstbestimmt einsetzen. Entscheidend ist dabei auch ein Bewusstsein dafür, dass und wie digitale Medien unseren Alltag und unsere Gesundheit beeinflussen.“

Öffentliche Veranstaltungen und Blog informieren die Bevölkerung

Im Rahmen von öffentlichen Veranstaltungen, über einen wissenschaftlichen Blog und im Austausch mit einem Netzwerk aus Kooperationspartnern und Interessierten wird der Forschungsverbund seine Fragestellungen und Erkenntnisse in den gesellschaftlichen Diskurs einbringen. Ziel ist es, dazu beizutragen, Autonomie und Selbstbestimmungsfähigkeit im Sinne einer digitalen Souveränität der Menschen wiederherzustellen, zu erhalten und zu befördern.

Weitere Informationen zum Forschungsverbund und zu den Teilprojekten

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Nicolas Rohleder
Tel.: 09131/85-20887 (Sekretariat)
nicolas.rohleder@fau.de

Prof. Dr. Matthias Berking
Tel.: 09131/85-67575 (Sekretariat)
matthias.berking@fau.de

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