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Der Corona-Lerneffekt ist enorm

Prof. Bedenlier
Prof. Dr. Svenja Bedenlier, Juniorprofessorin am Department Pädagogik und Institut für Lern-Innovation der FAU, über die Auswirkungen von Corona auf ihre Lehre.(Bild: FAU)

Mit der Pandemie an die Uni

Die Pädagogin Prof. Dr. Svenja Bedenlier hat im März ihre Juniorprofessur am Department Pädagogik und Institut für Lern-Innovation der FAU angetreten. Sie berichtet, welche Auswirkungen Corona auf ihre Lehre im Sommersemester hatte.

Ich bin mit Corona an die Uni gekommen

Ich war zwei Wochen an der FAU, da kam die offizielle Anweisung, von Zuhause zu arbeiten. Deshalb habe ich bisher keinen einzigen Seminarraum an der FAU betreten und die komplette Lehre online gemacht. Die Lernplattform StudOn war für mich ganz neu. Der Corona-Lerneffekt ist für mich daher enorm. Es hat sich außerdem gezeigt, was an einer so großen Präsenz-Uni wie der FAU alles möglich ist. Eine spannende Situation, die viele aus der Komfortzone geholt hat: Lehrende, Studierende – die Universität insgesamt. Während das ILI seit langem eine allmähliche und didaktisch fundierte Integration digitaler Elemente in die Lehre vorbereitet und unterstützt, so war dieses Semester ein wahrer Ausnahmezustand. Für mich hat sich gezeigt, dass Inhalte gut online vermittelt werden können, aber ich es persönlich auch sehr schade fand, nach jeder Zoom-Sitzung auf die weiße Wand hinter dem Laptop zu blicken. Und meine Studierenden gar nicht persönlich kennengelernt zu haben.

Herausforderungen der Online-Lehre

Die reine Online-Lehre ist in meinem Empfinden etwas weniger spontan: Wenn ich im Seminarraum eine Gruppe vor mir habe, kann ich mein Gegenüber besser einschätzen. Wenn ich die Mimik sehe, die Gestik, ob jemand aufmerksam oder völlig verzweifelt schaut oder am Handy rumspielt, dann kann ich in Präsenz ganz anders darauf reagieren. Wenn von meinen rund dreißig Studierenden ein Großteil die Kamera und das Mikro nicht anschaltet, lässt sich nur schwer eine Kommunikations-Situation herstellen. Man weiß zwar, da sitzt einem jemand gegenüber, aber man bekommt nur schwer ein Gefühl füreinander. Blended Learning Formate hingegen verbinden hier „das Beste aus beiden Welten“ und sind darum langfristig tragfähig und sinnvoll, auch an einer Präsenzuniversität.

Ohne Zoom geht (fast) nichts mehr

Für die Seminare ist Zoom das Mittel der Wahl – da synchrone Kommunikation ermöglicht wird und diese verhältnismäßig leicht umgesetzt werden können. Zusätzlich habe ich auf StudOn einen Kurs angelegt, gegliedert in Organisation und Inhalte. Wöchentlich konnten sich die Studierenden durch einzelne Teile des Kurses arbeiten und dies vor allem in Gruppenarbeiten. Auffällig war, dass die Studierenden untereinander ganz stark über Messenger wie Whatsapp vernetzt waren. Ein spannender Punkt, zum Beispiel für die Nachverfolgung von Gruppenbildung und Lernprozessen, die außerhalb des universitären Mediums stattfinden.

Die ersten Wochen waren eine ziemliche Umstellung

Für die Studierenden ist die Digitalisierung der Lehre noch unerwarteter gekommen, als für die Lehrenden. Ich habe im März ja schon überlegt, wie ich meine Lehre organisieren will. Gleichzeitig haben jede Dozentin und jeder Dozent ihre Seminare selbst entwickelt und die Studierenden mussten sich auf ganz viele verschiedene Modelle und Anforderungen einlassen. Das war in den ersten Wochen bestimmt ziemlich schwierig. Je weiter das Semester vorangeschritten ist, umso mehr haben sich dann Routinen herausgebildet. Waren zu Beginn des Semesters schon eine halbe Stunde vor Beginn zehn Leute im Zoom-Warteraum, war dann ein paar Wochen später niemand mehr zu früh. Das war einfach ein Gewöhnungsprozess.

Direkt digitale Formate konzipiert

Die Veranstaltungen, die ich dieses Semester gehalten habe, habe ich ganz neu aufgesetzt und gar nicht erst für Präsenz geplant. Ich habe online Texte bereitgestellt, es gab Einzelaufgaben mit Peer-Feedback, Gruppenaufgaben, ein Wiki, Diskussionsforen und zum Schluss habe ich zusätzlich interaktive Videos eingesetzt. Fürs Wintersemester will ich mich noch mehr mit Videos beschäftigen und stärker darauf achten, eine mediale Vielfalt anzubieten – auch Podcasts wären interessant.

Meine Tipps für eine gute Online-Lehre

Defekte Links, fehlender Inhalt oder falsche Daten – das sind kleine, technischen Dinge, die super ärgerlich sind. Es lohnt sich, sich die Zeit zu nehmen und doppelt zu checken. Und generell sollte man beachten, dass die Online-Lehre zeitintensiver ist als die Lehre in Präsenz. Auch für die Studierenden. Eineinhalb Stunden Präsenzseminar sind nicht gleichzusetzen mit eineinhalb Stunden Text schreiben oder Video schauen. Den Stoff sollte man so anbieten, dass er machbar, aber auch ausreichend ist. Aus der Lehrendenbefragung, die das ILI in diesem Semester durchgeführt hat, kam zudem noch sehr deutlich heraus, dass der Einsatz von noch mehr interaktiven Elementen und Interaktion insgesamt ein Thema für die Online-Lehre ist, das Lehrende zukünftig noch stärker berücksichtigen möchten.

Auch die Studierenden haben viel Respekt verdient

Ich finde es wirklich beachtlich, wie die Studierenden durch das Semester gekommen sind. Natürlich haben die Lehrenden eine große Herausforderung gemeistert, in so kurzer Zeit ihre Lehre zu digitalisieren. Aber auch die Studierenden haben enormes geleistet. Viele haben ihren Nebenjob verloren, waren allein in der Wohnung, hatten keine passende technische Ausstattung. Und dann die Tatsache, sich durch Kurse durchzulavieren, die alle unterschiedlich aufgebaut sind, ohne sich wie sonst mit Kommilitonen und Kommilitoninnen treffen zu können. Das ist etwas, das dieses Semester allen Beteiligten viel abgerungen hat, aber den Studierenden ganz besonders.


Statt raus aufs Feld rein ins Forum

Dr. Ruth Stadler in Videokonferenz

Bild: FAU

Sogar Pflanzen-Bestimmungsübungen im Studiengang Biologie hat Dr. Ruth Stadler auf „volldigital“ umgestellt. Im Interview erzählt sie, wie sie ein Präsenz-Praktikum digitalisiert hat, wie der Austausch mit den Studierenden läuft und was nicht so gut funktioniert hat.

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