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Republiken, Monarchien und Herrschaft im Nahen Osten

Prof. Dr. Thomas Demmelhuber (Bild: privat)

Prof. Dr. Thomas Demmelhuber (Bild: privat)

Mittwoch, 9. Januar, 18.15 Uhr, Kollegienhaus, Senatssaal (Raum 2.011), Erlangen

Verfügen die Monarchien im Nahen Osten über alternative Legitimationsquellen jenseits eingefahrener Begründungsmuster von Wohlstand, Ressourcenfluch und Symbolik der Staatsform? Dieser Frage geht Prof. Dr. Thomas Demmelhuber, Juniorprofessor für Politikwissenschaft an der Universität Hildesheim, in einem Vortrag an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) am 9. Januar um 18.15 Uhr im Kollegienhaus in Erlangen nach. Der Vortrag ist Teil der Universitätsringvorlesung „Arabischer Aufbruch 2011“ der FAU in diesem Wintersemester.

Die Frage, welche Rolle die politische Ordnung bei Veränderungsprozessen spielt, rückte im Verlauf des arabischen Frühlings wiederholt in den Fokus der Aufmerksamkeit. In Hinblick auf die jüngere Geschichte des nahöstlichen Staatensystems ist das jedoch nichts Neues: Bereits im Zuge der Dekolonisierung machten einzelne Staaten der Region unterschiedliche Erfahrungen mit verschiedenen Formen politischer Herrschaft. In den 1950er und 1960er Jahren schien zunächst das republikanische Modell gepaart mit arabischem Nationalismus das bevorzugte Modell zu sein. Die traditionellen Monarchien hingegen galten als rückwärtsgewandte Stammesgesellschaften. Diese Tendenz änderte sich zu Beginn der 70er Jahre: Ägypten und Syrien verloren den Sechs-Tage-Krieg gegen Israel, der ägyptische Präsident und panarabische Integrationsfigur Gamal Abdel Nasser starb. Dadurch fand die Idee des politischen Panarabismus – der Vereinigung aller Araber in einen einzigen Nationalstaat – ein Ende. Die Monarchien hingegen stabilisierten sich nachhaltig. In der Folge konnten die Republiken ihr revolutionär-postkoloniales Modernisierungsversprechen schlechter umsetzen und verloren gegenüber den rohstoffreichen Monarchien, welche vom Ölpreisboom der 1970er Jahre profitierten, immer mehr an Boden. Schließlich nahmen die Republiken die Monarchien sogar in Fragen der politischen Nachfolge indirekt als Vorbild. In diesem Kontext schienen die Monarchien im Vergleich zu den autoritären Regimen in den Republiken in einer besseren Position, demokratische Reformen graduell von oben zu implementieren. Die unterschiedlichen Verlaufsformen des arabischen Frühlings widersprechen dieser Annahme jedoch. Vor diesem Hintergrund betrachtet Professor Demmelhuber in seinem Vortrag die Frage der Legitimität in den arabischen Monarchien.

Prof. Dr. Thomas Demmelhuber ist Juniorprofessor für Politikwissenschaft an der Universität Hildesheim. Er studierte Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Politik und Zeitgeschichte des Nahen Ostens in Erlangen und Berkeley, Kalifornien, USA. Als Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. promovierte er 2008 zum Thema „Die EU-Mittelmeerpolitik und der Reformprozess in Ägypten.“ Demmelhuber arbeitete von 2008 bis Februar 2012 als wissenschaftlicher Angestellter in Forschung und Lehre am Institut für Politische Wissenschaft an der FAU.

Die Vorträge der Universitätsringvorlesung sind auch online zugänglich: http://www.video.uni-erlangen.de/course/id/189.html

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Christoph Schumann
Tel.: 09131/85-26655
christoph.schumann@polwiss.phil.uni-erlangen.de

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