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Vortragsreihe: Jenseits des Tellerrandes – Geschichte und Ethik der Medizin

Kollegienhaus
Bild: FAU/Erich Malter

Die medizinhistorische Vorlesungsreihe „Jenseits des Tellerrandes“ des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin an der FAU widmet sich im Wintersemester mit vier öffentlichen Vorlesungen wieder spannenden Themen. Die Vorträge beginnen jeweils um 12.15 Uhr, der Eintritt ist frei.

Am Mittwoch, 30. Oktober, wird die Odyssee der ersten habilitierten Dermatologin betrachtet. Bertha Ottenstein, Absolventin der FAU und doppelt promovierte Medizinerin, habilitierte sich 1931 als erste Frau für das Fach Dermatologie. Ihr Lebensweg, der auf eine erfolgreiche akademische Karriere zielte, wurde durch den NS-Staat zerstört, da sie jüdischer Herkunft war. Bertha Ottenstein verstand es, in diesen Schicksalsschlägen ihren Kurs als Wissenschaftlerin zu halten und ist damit eine beispielhafte Gestalt der deutschen Universitätsgeschichte.

In einem zweiten Vortrag am Mittwoch, 6. November, geht es um die in Erlangen aufgefundene Briefkorrespondenz des Bamberger Arztes Johann Lukas Schönleins, die neue Einblicke in das Wirken und die Netzwerke eines der wichtigsten deutschsprachigen Mediziner in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlaubt. Der Vortrag erläutert den Fund, die medizinhistorische Arbeit mit der Korrespondenz sowie die Forschungsperspektiven auf eine faszinierende Arztbiografie.

Größe, Gewicht Brustumfang – warum wurden und werden Rekruten seit mindestens zwei Jahrhunderten bei der Musterung vermessen? Und was haben Ärzte damit zu tun? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der dritte Vortrag am Mittwoch, 13. November, der in die verschiedenen Aspekte militärischer Anthropometrie mit einem Fokus auf das 19. Jahrhundert einführt.

Im vierten Vortrag am Mittwoch, 20. November, werden die wesentlichen Instanzen der deutschen Kriegergräbergestaltung im Ersten Weltkrieg vorgestellt und unterschiedliche Konzepte, Funktionalisierungen und gruppenspezifischen Deutungskonkurrenzen der politisierten Erinnerung an die gefallenen Kriegstoten hinterfragt. Die europäischen Soldatenfriedhöfe entstanden als Ergebnis des Massensterbens im Ersten Weltkrieg. Wie Lazarette die Garantenpflicht des Staates für die Verwundeten materialisierten, so verdinglichten Soldatenfriedhöfe die umfassende Fürsorge für die Toten. Soldatenfriedhöfe können somit als historische Quellen gelesen werden und stellen „Gedächtnislandschaften en miniature“ dar.

Ab 30. Oktober, 12.15 Uhr, HS 1.019, Kollegienhaus, Universitätsstraße 15, Erlangen

Alle Vorträge im Überblick:

Mittwoch, 30. Oktober

Berta Ottenstein (1891-1956). Odyssee der ersten habilitierten Dermatologin
Prof. Dr. Karl-Heinz Leven

Mittwoch, 6. November

Der Schatz auf dem Dachboden. Eine Arztbiografie in Briefen

Prof. Dr. Fritz Dross

Mittwoch, 13. November

Menschen messen. Der Arzt als Anthropometriker bei der militärischen Musterung (1871-1918)

Dr. Nadine Metzger

Mittwoch, 20. November

Kriegsgräberfürsorge im Ersten Weltkrieg – Akteure, Gestaltung, Deutungsmuster
Dr. Susanne Ude-Koeller

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Karl-Heinz Leven
Tel.: 09131/85-22094
karl-heinz.leven@fau.de

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